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Martin Balasus

CDU 15.12.2022 Sitzungen 20/14

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Eine feste, verlässliche Stelle ist für Lehrerinnen und Lehrer natürlich besser als ein Zeitvertrag. Kettenverträge führen immer wieder zu Frustration. Deswegen ist es gut, dass wir heute darüber sprechen. Wie so häufig steckt der Teufel im Detail. Es ist nicht immer alles so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Befristete Stellen sind als Übergangsstellen gedacht, die dort zum Einsatz kommen, wo es aktuell brennt. Wenn also eine Vertretung einer Lehrkraft wegen Krankheit oder Elternzeit ansteht, kann es eben nur eine befristete Stelle geben, weil es ja ansonsten genügend Pädagoginnen und Pädagogen gibt, sodass die Planstellen eben besetzt sind. Ist der oder die Kranke wieder gesund, ist der Mangel behoben, und man braucht keine extra Planstelle. Befristete Verträge schließen also kurzfristig Lücken in der Unterrichtsversorgung. Kettenverträge werden nur mit Personen geschlossen, die keine (Martin Balasus) fachlich hinreichende Qualifikation aufweisen und deswegen eine Befristung haben. Ein paar Beispiele: Eine Kunsttherapeutin unterrichtet ein paar Stunden Kunst, eine Sportgymnastikkursleiterin ein paar Stunden Sport, oder ein Dirigent, den ich kenne, unterrichtet Musik. (Zuruf Beate Raudies [SPD]) Ganz bestimmt beherrschen alle drei ihre Profession hervorragend. Sie haben aber keine Ausbildung im Bereich Pädagogik, Didaktik oder Methodik für die Schule. Genau das muss aber unser Anspruch sein. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Natürlich ist die Vertretungssituation für alle Beteiligten manchmal unschön. Deswegen wird für nahezu jeden Einzelfall, der an das Ministerium herangetragen wird, ein individuelles Paket geschnürt, wie derjenige oder diejenige sich zu einer vollwertigen Lehrkraft aus-, fort- oder weiterbilden kann. Diese Verträge bieten also beiden Vertragspartnern – Schule und der Aushilfslehrkraft – keine verlässliche Perspektive. Bestimmt sind solche Weiterbildungsmaßnahmen mit viel Arbeit oder auch Einsatz verbunden, manchmal vielleicht auch mit einer Reduktion der Unterrichtsstunden. Sie führt aber zu der Möglichkeit einer unbefristeten Beschäftigung mit vollem Gehalt. Nun habe ich vor Kurzem einen umfangreichen Artikel in den Kieler Nachrichten über eine Lehrerin gelesen, die seit zweieinhalb Jahren keine Planstelle in Kiel erhalten hat und sich von Vertrag zu Vertrag hangelt. Ich muss sagen: Ich kann ihren Frust verstehen und hoffe, dass sie bald eine Festanstellung bekommt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass dieser Person eine Planstelle in Dithmarschen angeboten wurde und sie diese ausgeschlagen hat, weil sie nicht dorthin wollte. Dazu möchte ich zwei Dinge erklären. Das Erste ist: Es ist wirklich schön in Dithmarschen! (Zurufe – Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW) Zweitens: Das Ministerium ist nicht dazu bereit, individuelle Planstellen für Leute nach ihrem Gusto zu schaffen, sondern es gilt auch im Bildungsbereich das Prinzip von Angebot und Nachfrage. (Zuruf Christopher Vogt [FDP]) Wir alle wollen für unsere Kinder und Jugendlichen die besten schulischen Rahmenbedingungen. Dazu gehören top ausgebildete Lehrkräfte. Dieses Ziel muss oberste Priorität haben. Deshalb: Voller Support für die Allianz der Lehrkräftebildung! Das Berufsbild der Lehrerin und des Lehrers ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Deswegen studiert man das Ganze auch mindestens fünf Jahre mit fachlichem, didaktischen und methodischem Schwerpunkt, um auf diese anspruchsvolle Aufgabe vorbereitet zu sein. Dazu kommen noch mehrere Praktika während des Studiums, dann der Vorbereitungsdienst, das Referendariat von anderthalb Jahren. All das sorgt dafür, dass das akademisch Gelernte nachher auch in der Praxis fundiert umgesetzt werden kann. Verstehen Sie mich jetzt bitte nicht falsch: Natürlich brauchen wir vermehrt Quer-, Seiten- und Direkteinstiege. Diese müssen aber unbedingt mit weiteren Nachqualifizierungsmaßnahmen einhergehen. Daher wollen wir befristet Beschäftigte systematisch beraten und ihnen verstärkt Angebote für eine Qualifizierung machen. So können sie den Übergang in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis schaffen. Außerdem müssen wir uns intensiv damit beschäftigten, wie wir den Direkteinstieg auf weitere Schularten ausweiten und Zugänge zu unbefristeten Beschäftigungen an einer allgemeinbildenden Schule eröffnen können. Ferner sollen Maßnahmen geprüft werden, um die Anzahl der aufeinanderfolgenden Arbeitsverträge für qualifizierte Lehrkräfte zukünftig zu reduzieren. Damit sehen Sie: Qualität und Qualifizierung sind für uns als Koalition von besonderer Bedeutung. Daran wollen und müssen wir festhalten – für unsere Schülerinnen und Schüler. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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