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Martin Habersaat

SPD 15.12.2022 Sitzungen 20/14

Nun ringen sich CDU und Grüne zu einem Antrag durch, der die Digitalisierung im Bildungssystem in den Blick nimmt. Aber es geht nicht etwa um klare Zielbestimmungen für Schleswig-Holstein. Es geht nicht einmal um Konsequenzen, die die Landesregierung aus dem Gutachten „Digitalisierung im Bildungssystem: Handlungsempfehlungen von der Kita bis zur Hochschule“ der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz ziehen möchte. Es geht um einen mündlichen Bericht über das Gutachten. Liebe Kolleginnen und Kollegen, sinnerfassendes Lesen kann einem Parlament zugetraut werden. Super wäre es, wenn Sie sich den nächsten Schritt trauten und sagten: Das wollen wir jetzt machen. (Beifall SPD und Jette Waldinger-Thiering [SSW]) Sie haben im Wesentlichen gesagt, das und das machen wir schon. Wenn nun sich aber in jedem Landtag jede Landesregierung schulterklopfend die Punkte raussucht, die sie schon macht, dann kann man sich solche Berichte der Wissenschaftlichen Kommission in Zukunft sparen. Es sind in der Tat zahlreiche Dickschiffe in diesem Bericht enthalten für Kita, Schule und berufliche Bildung. Es geht um tiefgreifende Veränderungen des Bildungssystems in allen Bildungsetappen, und zwar nicht, weil die Digitalisierung ein Selbstzweck ist, sondern weil junge Menschen auf eine immer digitaler werdende Welt vorbereitet werden sollen und weil Lehren und Lernen so verbessert werden können. Ein paar Beispiele haben wir schon gehört. Bei den Kitas wird die Aufnahme der Digitalisierung in die Leitlinien zum Bildungsauftrag gefordert, verbunden mit entsprechender Ausstattung und Fortbildung. Das wird Geld kosten, und das habe ich nicht in Ihrem Koalitionsvertrag gefunden, Herr Krüger. Aber wenn Sie den jetzt umdeuten und sagen, das meinten Sie oder das können Sie machen, ist das super. Frau Touré ist jetzt leider schon raus. Aber sie wird mit Sicherheit daran arbeiten, qualitativ hochwertig Digitalisierung in den Leitlinien umzusetzen. (Beate Raudies [SPD]: Das machen die Helfenden Hände!) – Das machen hoffentlich nicht die Helfenden Hände, Frau Kollegin Raudies. (Zuruf Dr. Heiner Garg [FDP]) – Entschlossen geprüft, verstehe. Als Unterstützung für die Schulen – wir haben zustimmend zur Kenntnis genommen, dass Sie das gut finden – wird die Einrichtung länderübergreifender Zentren für digitale Bildung angemahnt, die digitale Tools für den Fachunterricht theoretisch und empirisch fundiert entwickeln und den Schulen zur Verfügung stellen. Wunderbar! In der beruflichen Bildung wird nicht weniger als ein Paradigmenwechsel gefordert hin zu einer proaktiven Ausrichtung der Ausbildungsgänge, also zukunftsgewandt proaktiv zusammenfassen, flexibel sein und so weiter. Frau Prien, wird das verknüpft mit den konzeptionellen Überlegungen zum Masterplan? Und: Wie reagieren Sie auf den in der Studie angemahnten Aufholbedarf im Übergangssektor, gerade im Bereich digitales Lernen? – Das ist die Verknüpfung zum Tagesordnungspunkt davor. Für die Prüfungen an Hochschulen sollen digitale Technologien genutzt werden, und – das wird spannend – es soll eine Anpassung der Lehrverpflichtungsordnung für die Hochschulen erfolgen. Ich werde interessiert beobachten, ob Sie sich trauen, da an die Lehrverpflichtungsordnung zu gehen. Das wird von den Lehrerinnen und Lehrern an den Hochschulen schon lange nachgefragt. Wenn die sich die Mühe machen, eine Veranstaltung auch digital zur Verfügung zu stellen, dann ist das mehr Aufwand, als sich in den Saal zu stellen und die Vorlesung zu halten. Daher brauchen die eine Entlastung an anderer Stelle. Da muss man möglicher- (Martin Habersaat) weise tatsächlich Geld in die Hand nehmen und das machen. Im gleichen Zuge wird man sich auch angucken müssen, ob man es sich weiterhin leisten kann, die Fachhochschulen bei der Lehrverpflichtung so dramatisch anders zu behandeln als die Universitäten. (Beifall SPD und Jette Waldinger-Thiering [SSW]) Ja, wir brauchen eine Kraftanstrengung aller Akteure im Bildungssystem, wir brauchen Innovationsbereitschaft, und wir brauchen hohe Investitionen, um das Bildungssystem erfolgreich und zukunftsfähig für die dauerhaften Anforderungen einer digitalisierten Welt aufzustellen. In der Studie heißt es zum Beispiel – ich zitiere –: „Die … empirische … Forschung deutet darauf hin, dass … die Lehrkräftebildung bislang noch nicht systematisch darauf ausgerichtet ist, die Kompetenzen von Lehrkräften und in der Folge von Schüler:innen zu fördern.“ Aus Schleswig-Holsteiner Sicht können wir das insofern bestätigen, als wir wissen, dass die digitalen Endgeräte, die die Lehrkräfte ausgehändigt bekommen, in Fort- und Ausbildung überhaupt keine Rolle spielen. Die werden in Fort- und Ausbildung nicht benutzt. (Zuruf Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) – Das ist die Antwort auf die Kleine Anfrage, die mir schriftlich aus dem Bildungsministerium vorliegt. Entweder haben wir wieder eine Kleine Anfrage, die falsch beantwortet wurde, oder Sie haben eine der seltenen Ausnahmen erwischt, in denen das der Fall war, Herr Krüger. (Beate Raudies [SPD]: Wo sich einer einfach über die Regelungen hinweggesetzt hat!) Wenn wir gelegentlich monieren, zu vieles hänge an den Schulen in Schleswig-Holstein vom Zufall ab, so formuliert die WSK mit bundesweitem Blick: „… die Qualifizierung des Personals in Aus-, Fort- und Weiterbildung … erscheint bislang nicht systematisiert, sodass von einer starken Heterogenität der Kompetenzen, Erfahrungen, Einstellungen … auszugehen ist.“ Ja, es gibt viel zu tun. Als Grundvoraussetzung für das ganze Unterfangen formuliert die WSK: Die technische Infrastruktur und die rechtlichen Bedingungen müssen gegeben sein. Dann mal zu, Frau Prien! Sie waren ein Jahr lang als KMK-Vorsitzende quasi qua Amt an der Spitze der Bewegung. Jetzt freuen wir uns darauf, dass Sie diesen Schwung mitnehmen, um Schleswig-Holstein insgesamt oder das schleswig-holsteinische Bildungssystem an die Spitze der Bewegung zu bringen. Dabei wünschen wir Ihnen ausdrücklich auch regierungstragende Abgeordnete, die sich eines Tages trauen, hier einmal inhaltliche Dinge zu beantragen und den Fortschritt voranzubringen. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall SPD und SSW)

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