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Karin Prien

15.12.2022 Sitzungen 20/14

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Digitalisierung verändert unsere Art zu leben, zu lernen und zu arbeiten grundlegend. Es ist Kernaufgabe unseres Bildungssystems, junge Menschen auf ein Leben in einer digitalisierten Gesellschaft und Arbeitswelt vorzubereiten und die dafür erforderlichen Kompetenzen zu vermitteln. Das gilt von der Kita über die Schule und über die berufliche Bildung bis zu den Hochschulen und in der Weiterbildung. In den letzten Jahren ist die Digitalisierung an unseren Schulen in großen Schritten vorangekommen. Die Coronapandemie und der DigitalPakt mit seinen Zusatzvereinbarungen haben die Entwicklung deutlich beschleunigt. Ich möchte unseren Schulen, unserem Landesinstitut und auch allen anderen Beteiligten großen Dank und Anerkennung aussprechen. Trotz allem ist der Handlungsbedarf weiter hoch. Vor diesem Hintergrund bin ich der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission und der Kultusministerkonferenz für ihr Gutachten zur Digitalisierung im Bildungssystem außerordentlich dankbar. Das Gutachten – es ist übrigens das erste Gutachten der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission – gibt (Ministerin Karin Prien) uns wertvolle Handlungsempfehlungen für die weitere politische Umsetzung. Es zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Es ermöglicht uns aber auch, diese Weg kritisch zu hinterfragen und nachzusteuern. Erstmals wird Digitalisierung systematisch mit Beginn der frühkindlichen Bildung betrachtet. Das Gutachten bestätigt erneut: Wir brauchen in Zukunft eine neue Qualität der Zusammenarbeit zwischen frühkindlicher und schulischer Bildung. Lassen Sie mich auf einige ausgewählte Empfehlungen des Gutachtens eingehen. Eine klare Empfehlung, zugleich aber auch eine große Herausforderung ist der Informatikunterricht. Die Empfehlung geht klar dahin, Informatik als Pflichtfach in der Sekundarstufe I einzuführen. Schleswig-Holstein hat sich auf den Weg gemacht, das Pflichtfach Informatik in der Sekundarstufe I an den allgemeinbildenden Schulen einzuführen. Vorgeschaltet vor der flächendeckenden Einführung ist eine mit diesem Jahr gestartete zweijährige Pilotierung mit 80 beteiligten Schulen, 55 Gymnasien und 25 Gemeinschaftsschulen, die sich beworben haben. Die Schulen erproben den Informatikunterricht in dieser Zeit in unterschiedlichen Modellen auf der Grundlage der bereits geltenden Fachanforderungen Informatik. Wir werden dann zum Schuljahr 2024/25 entscheiden, mit welchem Modell wir in eine flächendeckende Umsetzung gehen können. Das Problem dabei – das beschreibt auch der Bericht – sind die erforderlichen Lehrkräfte. Die Lehramtsausbildung in Informatik wird ausgebaut, und es ist erfreulich, dass wir jetzt schon zum Wintersemester sehen, dass die Nachfrage im Studienfach Informatik steigt, wenn es als reguläres Unterrichtsfach eingeführt wird. Außerdem – das wissen Sie – haben wir im Schuljahr 2021/22 eine große Weiterbildungsoffensive Informatik durchgeführt. Weit über 200 Lehrkräfte haben sich auf die Weiterbildungsplätze beworben, und die erste Gruppe hat diese auch bereits abgeschlossen. Diese Vorgehensweise wird in dem Bericht übrigens als bundesweit vorbildlich eingeschätzt. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich freue mich über diese Entwicklung, denn eines ist doch klar: Die Kompetenz der Lehrkräfte ist entscheidend für den Erfolg der Digitalisierung insgesamt. Die technische Voraussetzung ist Grundvoraussetzung für die Arbeit der Lehrkräfte, aber die pädagogische Professionalisierung der Lehrkräfte ist letztendlich entscheidend. Eine der größten Herausforderungen ist es, das Lernen mit digitalen Medien weiter in den Unterricht zu integrieren. Dabei geht es gar nicht mehr um die Frage des Obs bei der Verwendung digitaler Tools, sondern insbesondere um das Wie, also um die richtige Nutzung digitaler Lernmaterialaien. Auch da haben wir noch erhebliches Entwicklungspotenzial. Mit unserem Landesprogramm „Zukunft Schule im digitalen Zeitalter“ haben wir diese Herausforderung angenommen. Wir haben nicht nur die Schulen mit zusätzlichen Ressourcen zur Koordinierung und Unterstützung der pädagogisch-didaktischen Digitalisierung ausgestattet, es stehen den Schulen zudem 15 Medienfachberaterinnen und -fachberater als persönliche Ansprechpartner bei der Gestaltung von digitalen Lehr- und Lernprozessen zur Verfügung, und durch Tandems von Mitarbeitern des IQSH sowie der lehrkräftebildenden Hochschulen wird auch die Wissenschaft in diesen Prozess eingebunden. Ich bin diesem Haus sehr dankbar, dass es dieses Programm mit dem Haushalt 2021 auf den Weg gebracht hat. Das Gutachten der SWK zeigt uns, dass wir auch hier auf dem richtigen Weg sind, auch wenn wir noch nicht am Ziel angekommen sind. Mir ist wichtig – das bestätigt das Gutachten –, dass dabei nicht jedes Land sein eigenes Süppchen kocht, sondern dass wir von den anderen Bundesländern und voneinander profitieren. Nicht jedes Land muss alles selbst erfinden. Wir dürfen und müssen und können von den Erfahrungen der anderen lernen. Die von der SWK empfohlene dauerhafte Einrichtung länderübergreifender Zentren für digitale Bildung ist dabei ein Vorschlag für eine Bündelung von Aufgaben, die in allen Ländern anfallen. Ob die im Gutachten vorgeschlagene Struktur dabei der Weisheit letzter Schluss ist, wird auch die Erfahrung mit dem vom BMWF leider bisher nur befristet geförderten Kompetenzzentrum zeigen müssen. Wir werden die Entwicklung natürlich kritisch und konstruktiv begleiten, und wir werden darauf achten, dass die Kompetenzen, die wir in Schleswig-Holstein und auch in den Landesinstituten in anderen Ländern aufgebaut haben, sinnvoll in solchen Zentren eingebunden werden. Mit Blick auf die berufsbildenden Schulen, in denen die Digitalisierung schon eine deutlich weitere Umsetzung im schulischen Alltag erfahren hat, spricht sich die SWK ebenfalls für eine bessere Ver- (Ministerin Karin Prien) netzung der Schulen und eine gemeinsame Nutzung der Erfahrungen im Sinne von Best Practice sowie unter anderem für eine Stärkung von Future Skills aus. In Schleswig-Holstein haben wir dafür den Digital Learning Campus entwickelt. Mit diesem Netzwerk bieten wir sowohl eine erstklassige Lernplattform als auch circa acht physische Lernorte, an denen wir Future Skills bildungsbereichsübergreifend anbieten werden. Es soll sie insbesondere an Hochschulen, aber auch an beruflichen Schulen geben – eng vernetzt mit den Partnern aus Wirtschaft und Gesellschaft. Das Angebot wollen wir für alle öffnen: für Schülerinnen und Schüler, für Lehrkräfte, für Unternehmen, für Studierende und für Bürgerinnen und Bürger. Die Vision dabei könnte sein, dass wir Teile des Pflichtprogramms an Schulen und Hochschulen öffnen und selbstorientiertes Lernen auf der Plattform oder an anderen Lernorten ermöglichen. Nicht immer mehr Stoff in Ausbildungsordnungen und Lehrplänen, sondern Fenster schaffen für Future Skills! Lassen Sie mich noch ein paar Worte zu den Hochschulen sagen. In der vergangenen Legislaturperiode wurde der Ausbau der digitalen Infrastruktur auch an den Hochschulen bereits durch umfangreiche Förderprogramme aus Corona-Landesmitteln und REACT finanziell unterstützt. Diese Unterstützung werden wir auch in Zukunft durch den Aufwuchs bei den Digitalisierungsmitteln fortsetzen. Unser Ziel ist hier eine bessere, langfristigere Ressourcenausstattung im IT-Bereich und ein deutliches Voranschreiten in der Verwaltungsdigitalisierung an den Hochschulen. Als große Herausforderung müssen wir auch hier klar benennen: Über die reine Verfügbarkeit von finanziellen Ressourcen hinaus tritt auch an unseren Hochschulen das Problem der Personalgewinnung und -bindung immer stärker in den Vordergrund. Hier müssen wir den Wissenschaftsstandort Schleswig-Holstein für IT-Fachkräfte attraktiver machen. Mit dem vor Kurzem gegründeten Hochschulbündnis Digitalisierung setzen wir auf hochschulübergreifende Kooperation und standortübergreifende Digitalisierungsprojekte und -strategien. Der Aufbau der Geschäftsstelle des Hochschulbündnisses war dazu der erste Schritt und wurde ebenfalls von der Landesregierung finanziell unterstützt. Meine Damen und Herren, Sie sehen: Wir haben uns bereits auf den Weg gemacht. Die Empfehlungen der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission bestätigen uns, dass wir an der Umsetzung weiter intensiv arbeiten müssen. Wichtig ist mir, dass wir dabei länderübergreifend arbeiten und gemeinsame Lösungen finden. Die Kultusministerkonferenz hat beschlossen, weitere länderübergreifende Maßnahmen zu entwickeln und gemeinsam auf den Weg zu bringen. Das wird dazu führen, dass wir das in den Ländern vorhandene Potenzial besser bündeln und Synergien nutzen können. An dieser Stelle will ich der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission noch einmal ausdrücklich für ihr Gutachten danken. Es ist eine wirklich hervorragende Basis für unsere weitere politische Arbeit. – Ich danke Ihnen. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Protokoll ↗