Karin Prien
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Jeder und jede wird gebraucht. Deshalb ist berufliche Orientierung so wichtig. Das gilt natürlich immer, aber das gilt ganz besonders in Zeiten des Fachkräftemangels. Jugendberufsagenturen – darüber gibt es hier im Haus Konsens – sind ein sinnvolles und wirksames Beratungs- und Unterstützungsinstrument, um die Bildungschancen junger Menschen zu verbessern. Sie sind sozusagen die Tür für jene, die beim direkten Übergang von Schule in Beruf oder Studium zusätzliche Unterstützung brauchen. (Ministerin Karin Prien) Es ist schon darauf hingewiesen worden – Frau Waldinger-Thiering hat von den Rohdiamanten gesprochen; Herr Dr. Buchholz hat von denen gesprochen, die noch keinen Abschluss haben –, dass wir insbesondere diese Jugendlichen ganz besonders im Blick haben sollten. Ziel – auch das ist erwähnt worden – der schwarzgrünen Koalition ist es, in allen Regionen des Landes Jugendberufsagenturen einzurichten. Ich stimme auch Herrn Habersaat zu, dass es nicht darum geht, dass draußen „Jugendberufsagentur“ dransteht, sondern es geht natürlich darum, was drin ist. Ich kann Ihnen heute berichten, dass wir bisher in elf Kreisen und an 20 Standorten eine Jugendberufsagentur haben. Drei weitere – das ist noch nicht erwähnt worden – sind jetzt in Gründung, nämlich in Rendsburg-Eckernförde, in Steinburg und sogar in Ostholstein. Dann bleibt nur noch Stormarn übrig. Wir haben gehört, dass auch Stormarn etwas in Sachen Vernetzung der Akteure tut. Ich glaube, da kann der Fachund Vernetzungstag etwas bringen, wenn man BestPractice-Beispiele zeigt, wenn man zeigt, wie man das gut aufziehen kann, wenn man die digitalen Methoden, die in den neuen Modellen verwendet werden, vorführt und miteinander darüber spricht. Ich glaube, das ist der richtige Weg, um auch noch in der letzten Region in unserem Land zu einer Einrichtung einer Jugendberufsagentur zu kommen. (Vereinzelter Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Unruhe) Ich habe mich über den Antrag der SPD, über die Fokussierung auf die berufliche Orientierung ein klein wenig gewundert, für die wir inzwischen ein ganz anderes Instrument geschaffen haben, nämlich das Landeskonzept Berufliche Orientierung. An dem haben alle Partner, auch die Jugendberufsagenturen, über zwei Jahre gearbeitet. Jetzt haben wir dieses Landeskonzept, und aus meiner Sicht sollten wir genau dieses gemeinsam erarbeitete Landeskonzept jetzt nach der Pandemie – in der Zeit ist vieles nicht so umgesetzt worden, wie wir uns das gewünscht hätten – umsetzen. Wir sollten jetzt nicht plötzlich versuchen, die Jugendberufsagentur zu einer Superberufsagentur für das ganze Land zu machen. Solche Zentralisierungsideen halte ich für nicht geeignet, um unser gemeinsames Ziel – das habe ich heute hier noch einmal herausgehört –zu erreichen. Ich möchte auch noch auf etwas anderes hinweisen: Jugendberufsagenturen müssen auf regionale Unterschiede eingehen können. Wir haben eben in Flensburg, Dithmarschen und Kiel nicht dieselbe Situation. Angesichts der großen Transformationsprozesse, in denen wir uns gerade befinden, müssen wir schauen, dass Jugendberufsagenturen ganz spezifisch vor Ort die richtigen Dinge tun. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP) Nach meiner Einschätzung sind die Eckpunkte für die Errichtung der Jugendberufsagenturen nach wie vor eine gute Basis, um dies auch in Zukunft zu tun. Ich bitte zu berücksichtigen, dass die Jugendberufsagenturen keine neue Institution sind, sondern es geht darum, vorhandene Institutionen über die Rechtskreise hinweg zu bündeln und hier in eine gute Zusammenarbeit zu kommen. Hinweisen will ich noch auf eines, weil dies auch Gegenstand des Antrags der SPD ist: Wir haben ja in Schleswig-Holstein erfreulicherweise eine gut integrierte Ausbildungsstatistik. Deshalb wissen wir eine ganze Menge über den Werdegang junger Menschen. Wir haben fundiertes Steuerungswissen, und bereits Anfang kommenden Jahres erscheint die nächste integrierte Ausbildungsberichterstattung, natürlich auch in digitaler Form. Diese haben wir. Sie ist sozusagen modernisiert worden. Neue Formen der Berichterstattung wurden entwickelt, zum Beispiel mittels Story-Maps, Abbildungen und neuen Grafiken. Auf einer Onlineplattform wird dies zur Verfügung gestellt, und wir hoffen, dass wir damit eine größere Öffentlichkeit erreichen. Es ist schon einiges über den Evaluationsbericht gesagt worden, auch über die Entwicklung eines Monitoringsystems, das in diesen Tagen fertiggestellt wird und im Frühjahr 2023 in die Praxisphase geht. Auch über den Fach- und Vernetzungstag ist gesprochen worden. Das ist eine Initiative der Landesarbeitsgemeinschaft der Jugendberufsagenturen. Ich finde es auch gut, dass die Initiative von ihnen ausgeht. Das SHIBB arbeitet da intensiv mit. Ich finde es gut, dass wir im Frühjahr 2023 diese Fachtagung haben werden, um die Best-Practice-Beispiele und die besonders guten Beispiele der Zusammenarbeit zeigen zu können. Ich glaube, dann haben wir ein gutes Instrument. Ich glaube aber auch, dass wir uns jetzt auf das konzentrieren müssen, was wir im Landeskonzept Berufliche Orientierung verabredet haben. Da geht es um den starken Parcours, den wir an den Gemeinschaftsschulen in diesem Jahr schon durchgeführt haben. Den werden wir auf die Gymnasien erweitern. Da geht es um die Berufsfelderprobung, da geht es um andere und weitere Maßnahmen im Be- (Ministerin Karin Prien) reich der Praktika. Das ist das, was wir jetzt tun müssen, begleitet von dem Coaching im Rahmen des Handlungskonzeptes STEP und auch der erweiterten Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit. Die Eltern müssen wir weiter im Blick behalten, denn die spielen nach wie vor – das zeigen uns Studien – eine große Rolle bei der Berufsorientierung. Meine Damen und Herren, wir sind gut aufgestellt, was die Berufsorientierung angeht. Wir sind gut aufgestellt, was die Jugendberufsagenturen angeht. Wir haben unser Ziel fast erreicht, 14 von 15 werden wir im nächsten Jahr erreicht haben. Wir arbeiten an der Qualität, und das ist eine gute und wichtige Voraussetzung, um allen jungen Menschen eine gute Perspektive in den Beruf zu geben. – Ich danke Ihnen. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
