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Dr. Ulrike Täck

GRÜNE 14.12.2022 Sitzungen 20/13

Sehr geehrte Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich bin Materialwissenschaftlerin, und deswegen liegt mir dieses Thema ganz besonders am Herzen. (Zuruf CDU: Das ist gut!) Nun werden wir schon wieder von Abfällen sprechen, aber – da stimme ich Kollege Kilian genau zu – Abfälle sind Wertstoffe. Mineralische Abfälle, nämlich Baustoffe, sind momentan gewichtsbezogen der allergrößte Anteil unserer Abfälle. 90 Pro-Sitzung (neu) - Mittwoch, 14. Dezember 2022 911 zent Verwertungsquote klingt gut. Diese beinhaltet aber auch das Verfüllen des Materials in Gruben des Tagebaus. Verwerten ist also nicht gleich recyceln, und schon gar nicht im Sinne einer Kreislaufwirtschaft. An dieser Stelle bedanke ich mich beim SSW dafür, dass Sie in Ihrem Antrag das Wort Kreislaufwirtschaft aufgebracht haben. Sie haben wirklich – damit komme ich dann nochmal auf die Überweisung – viele sehr gute Sachen in Ihrem Antrag. Das müssen wir hier schon eingestehen. Wir können etwas Gutes gemeinsam machen. Bei den Recyclingbaustoffen kann man unterscheiden zwischen denen, die geforderte Bauprodukteigenschaften erfüllen, und denen, die das eben nicht tun. Aber selbst bei den höher qualitativen Recyclingbaustoffen ist die Akzeptanz bei den Baustoffherstellern und den Architekten eher mittelmäßig. Unsere Landesregierung ist sich dessen bewusst. Wie die von der Landesregierung beauftragte Studie aus dem Jahr 2020 besagt, ist die „fehlende Akzeptanz für Recyclingbaustoffe … ein entscheidendes Hemmnis … in allen Regionen und über alle Kundengruppen hinweg“. Hier helfen Aufklärung, Transparenz und dass wir mit den Landesliegenschaften als Beispiel dienen. So kann es gehen. Der ansonsten übrigbleibende Baustoffabfall landet auf unseren Deponien der Klasse 1 und 2. Eine weitere Studie der Landesregierung zur Deponiesituation in Schleswig-Holstein zeigt, dass diese Deponien praktisch voll sind. Dies macht das Recycling der Baustoffe umso wichtiger und dringlicher, denn wir dürfen den uns nachfolgenden Generationen nicht noch mehr Mülldeponien hinterlassen. Im Sinne der Schonung der Ressourcen begrüßen wir es sehr, dass immer zuerst geprüft wird, ob ein Gebäude überhaupt abgerissen werden muss. Was das Thema der Nutzung von Recyclingmaterialien angeht, sollten wir auch einmal über den Tellerrand hinwegschauen. Recyclingbaustoffe müssen in ihrem ersten Leben nicht Baustoffe gewesen sein. Die Nutzung des Materials von alten Windkraftrotorblättern ist zum Beispiel auch möglich. Anerkennend, dass dieses Thema komplexer ist als beide Anträge zusammen, stehe ich einer Überweisung offen gegenüber. Lassen Sie uns einen zukunftsorientierten Blick auf neue Möglichkeiten und die Kreislaufwirtschaft wagen. – Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)

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