Sybilla Nitsch
Liebe Frau Präsidentin! Geehrte Kolleginnen und Kollegen! Jetzt kommt es: Grundsätzlich bin ich ganz bei CDU und Grünen. Die Geothermie muss ein Grundpfeiler der künftigen Wärmeversorgung für Deutschland sein. Deswegen müssen wir da noch ein bisschen ins Detail gehen. Fast ein Fünftel der CO -Emissionen in Deutsch2 land entstehen durchs Heizen. Das ist eine beachtliche Menge CO , die sich einsparen ließe, wenn man 2 hier auf emissionsfreie Alternativen setzen würde. Aber ich sage Ihnen ganz ehrlich: Der von Ihnen formulierte Antrag ist wenig konkret. Die Frage ist doch: Sprechen wir von oberflächennaher Geothermie, oder sprechen wir von Tiefenbohrungen? Das sind zwei Paar Schuhe. Wir werden der Thematik nicht gerecht, wenn wir einfach sagen, die Geothermie im Allgemeinen ist doch ganz nett. Denn sprechen wir von oberflächennaher Geothermie, dann sind das Einzelmaßnahmen, die von Hauseigentümern umgesetzt werden und vielleicht 25.000 Euro Investitionskosten verursachen. Sprechen wir aber von Tiefenbohrungen, mit denen wir ganze Quartiere beheizen können, schlagen diese mit Kosten von vielleicht 15 Millionen oder WP) - 13. Sitzung (neu) - Mittwoch, 14. Dezember 2022 20 Millionen Euro zu Buche. Aber die Potenziale sind hier tatsächlich besonders groß. Ging man noch vor einigen Jahren davon aus, dass die tiefe Geothermie in Norddeutschland nicht funktionieren würde, weil die Wassertemperaturen in der Tiefe zu niedrig sind, hat sich das in der Weiterentwicklung der technischen Möglichkeiten verändert. In Schwerin will man bereits im kommenden Jahr etwa zehn Prozent der Haushalte mit Wärme aus der Geothermie versorgen. Auch in Hamburg finden aktuell Bohrungen statt. Gerade die tiefe Geothermie hat ihr schlechtes Image weitgehend zu Unrecht. „Vor der Hacke ist duster“, sagen die Bergleute. Man weiß also vorher nie genau, welche Bedingungen man im Untergrund findet. Weil das so ist, sind hier natürlich eine gute Überwachung und wissenschaftliche Begleitung zwingend geboten. Da wir bei der Tiefengeothermie im Bergbaurecht sind, sind die Anforderungen so hoch, dass kaum je Probleme auftreten. Wer sich noch an das Schreckensbeispiel aus Staufen erinnert, wo sich der ganze Ort binnen kurzer Zeit nach einer Bohrung um einen halben Meter anhob, und das als Negativbeispiel aus dem Hut zaubert, sei daran erinnert, dass hinter dem Rathaus eine kleine Bohrung für die Wärmeversorgung des Rathauses der Auslöser war. Tatsächlich treten die meisten Probleme auch heute eher im Bereich der oberflächennahen Geothermie auf. Vieles spricht also dafür, größer zu denken und eher auf Tiefenbohrungen zu setzen, mit denen man ganze Orte versorgen kann. Hier tragen die Investoren natürlich das größte Risiko, weil man vorher nicht genau weiß: Reicht die Wassermenge, genügt die Temperatur? Hier sollten wir Fördermittel bereitstellen, um zumindest einen Teil des Ausfallrisikos abzufedern. Wenn die Bohrung ein Erfolg war und die Anlage läuft, kann man kaum günstigere Wärme produzieren. Ob nun der Einbau einer privaten Erdwärmepumpe über die ohnehin schon vorgesehene Förderung von privaten Wärmepumpen – seit Wochen unser Lieblingsthema – hinaus bezuschusst werden soll, muss man hingegen abwägen. Denen, die ohnehin genug haben, wollen wir nicht noch mehr obendrauf geben. Allerdings sollen die, die eine solche Investition nur knapp schultern können, nicht alleingelassen werden. Nicht jeder Eigenheimbesitzer ist wohlhabend, auch das dürfen wir nicht vergessen. Aber wir sollen uns auch nicht im Klein-Klein verlieren. Das große Potenzial, da sind wir uns alle ei- (Sybilla Nitsch) nig, entfaltet die Geothermie ganz klar, wenn wir damit Wärmenetze betreiben. Auf diese Weise können wir perspektivisch etwa 40 Prozent der gesamten Wärmeversorgung abdecken. Dieses Potenzial können und dürfen wir nicht ungenutzt lassen. Prüfen, feststellen, mal gucken, Ausschau halten – das reicht hier nicht. Der FDP-Antrag fasst dies konkreter. Deswegen hätten wir ihn auch unterstützt, aber wir werden ihn natürlich auch gern überweisen, denn: Kommen die Kommunen jetzt bald mit ihren Wärmeplänen, dann muss die Landesregierung vorlegen können, welche Möglichkeiten vorhanden sind, um die Wärmeversorgung so schnell wie möglich emissionsfrei zu gestalten. Diese Antworten müssen wir bald liefern, wir können nicht nur prüfen und gucken: Ach, mal sehen, was kommt. Im Novemberplenum haben wir uns über die Fernwärme unterhalten. Die Geothermie ist ein Teil der Antwort auf die Frage, wo denn die emissionsfreie Wärme herkommen soll, denn auf diese Weise können wir die Wärme sogar klimaneutral gewinnen. Hierfür müssen wir die Voraussetzungen schaffen, auf dass die Energieversorger investieren, damit der Umstieg auf eine CO -neutrale Wärmeversorgung 2 zeitnah gelingt. Zeitnah bedeutet: Wir müssen bald handeln und nicht nur prüfen und mal schauen. – Vielen Dank. (Beifall SSW, FDP und vereinzelt SPD)
