Andreas Hein
Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Gäste! Geothermie (Andreas Hein) nutzt Wärme aus der Erde. Warum brauchen wir das? Der Reihe nach: Wir wollen in Schleswig-Holstein das erste klimaneutrale Industrieland werden. Schon heute produziert Schleswig-Holstein mehr erneuerbaren Strom, als wir brauchen. Das ist ein großartiger Erfolg, denn Schleswig-Holstein ist und war Stromexportland. Das Vorhandensein großer Mengen erneuerbarer Energien sorgt dafür, dass sich die Industrie mehr und mehr für SchleswigHolstein interessiert. Schauen wir uns den Energieverbrauch einmal an, so stellen wir allerdings fest, dass nur 22 Prozent im Stromsektor liegen, 28 Prozent im Verkehrssektor und 50 Prozent – das ist entscheidend – im Wärmesektor. Diese beiden Sektoren, der Verkehrs- und der Wärmesektor, sind im Moment abhängig von Öl und Gas. Genau hier liegt unsere Achillesferse. Die Auswirkungen des abscheulichen Angriffskriegs auf die Ukraine machen deutlich, wie abhängig wir von Öl und Gas sind. Meine Damen und Herren, das wollen und werden wir ändern. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dazu haben wir uns in der letzten Legislaturperiode auf den Weg gemacht und treiben Sektorenkopplung, also den Einsatz von erneuerbarem Strom im Verkehrs-, Strom- und Wärmebereich, voran. Das verbindende Element – das wissen Sie – ist dabei grüner Wasserstoff. In Schleswig-Holstein können wir in enormen Mengen aus erneuerbaren Energien Strom produzieren, wir können ihn in Kavernen zwischenspeichern. Das kann für uns ein absoluter Gamechanger auf dem Weg zum klimaneutralen Energieland sein. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Unsere größte Herausforderung wird es sein, den Wärmesektor klimaneutral zu machen. Gerade hier setzen wir bei der Nutzung von Geothermie an. Geothermie bezeichnet die Nutzung der in der Erdkruste gespeicherten Wärmeenergie. Wir kennen die Nutzung von oberflächennaher Geothermie bei Einfamilienhäusern. Wir kennen die Speicherung von Geothermie in Speicherbecken oder auch die Nutzung in der Erdkruste im Bereich von etwa 100 Metern und die Tiefengeothermie, die Nutzung von Wärme jenseits von 400 Metern, in 400 bis 5.000 Meter Tiefe, mit der man ganz andere Wärmereservoire erschließt. WP) - 13. Sitzung (neu) - Mittwoch, 14. Dezember 2022 Die Tiefengeothermie nutzt beispielsweise unter Verwendung von Wärmenetzen ein erhebliches Wärmepotenzial. Dort sind Temperaturen möglich, die in einschlägigen Fachblättern bei 400 Metern Tiefe mit etwa 20 Grad Celsius und bei 5.000 Metern mit etwa 150 Grad Celsius angegeben werden. Die sind in der Erde gespeichert, und die wollen wir nutzen. Laut Geologischem Dienst sind etwa 40 Prozent unserer Landesfläche geologisch geeignet. Das führt uns zu dem Antrag, diese Potenziale der Geothermie in Schleswig-Holstein zu nutzen. Dabei legen wir großen Wert darauf, dass die Umweltverträglichkeit vorhanden ist, und auf einen engen Austausch von Wirtschaft und Wissenschaft. Ein wesentlicher Punkt dabei ist, die Bohrung abzusichern. Das Bohrrisiko ist groß. Dort werden schnell fünf-, sechsstellige Summen fällig. Daher ist es ein wesentliches Hemmnis bei der Nutzung von Tiefengeothermie. Weiterhin möchten wir die bürokratischen Hemmnisse abbauen. Wir wollen unabhängiger von der fossilen Energieversorgung werden. Das treibt uns dazu, auch das Element der Wärmegeothermie stärker zu nutzen. Das wollen wir, wo es möglich ist, tun. Die FDP hat sich mit ihrem Alternativantrag inzwischen auch für das Thema Geothermie erwärmt. Von daher bitte ich darum, beide Anträge in den Wirtschaftsausschuss und in den Umwelt- und Agrarausschuss zu überweisen. – Herzlichen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
