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Karin Prien

24.11.2022 Sitzungen 20/11

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Zunächst einmal ganz herzlichen Dank an Frau Nitsch und den ganzen SSW, aber auch an die Koalitionsfraktionen, dass sie, wenn auch kurz vor 18 Uhr, das Thema Berufsorientierung auf die Tagesordnung gesetzt haben. Es ist ein extrem wichtiges Thema. Ich bin sehr froh, dass wir heute darüber sprechen und im Ausschuss – beziehungsweise, wie es aussieht, in den Ausschüssen – weiter darüber beraten werden. Das Thema ist in zweierlei Hinsicht wichtig: Es ist zum einen wichtig für junge Menschen, die in einer Zeit großer Verunsicherung mit einer Vielzahl von Ausbildungs- und Studienangeboten konfrontiert sind. Offensichtlich als Konsequenz von Corona, aber auch aufgrund weiterer Entwicklungen, die heute schon in anderen Debatten eine Rolle gespielt haben, brauchen viele junge Menschen ein Mehr an Orientierung, um ihre erste große Lebensentscheidung – das gilt für die meisten von ihnen – besser treffen zu können. Das ist der eine, der individuelle Aspekt. Der andere Aspekt ist natürlich, dass in Zeiten des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels eine gute, gelingende Berufsorientierung von großer Bedeutung ist, auch für die Transformationsprozesse, die wir in unserer Gesellschaft zu bewältigen haben. Meine Damen und Herren, wir haben uns schon in der vergangenen Legislaturperiode gemeinsam viele Gedanken gemacht und das neue Landeskonzept „Berufliche Orientierung“ entwickelt; es ist im Herbst 2021 durch Erlass in Kraft gesetzt worden. Wir haben dieses Konzept gemeinsam mit unseren Partnern – Wirtschaft, Wissenschaft, Verbände, Schulen, Schülerinnen- und Schülervertretungen, Elternvertretungen, Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Bundesministerium für Bildung und Forschung, Bundesagentur für Arbeit – weiterentwickelt. Es ist ein wirklich gutes Konzept geworden. Aber man muss ehrlich sein: Wir haben infolge der Coronapandemie manches von dem, was wir gemeinsam verabredet hatten, nur unvollständig oder in digitaler Form, auch in Form von digitalen Messen, umsetzen können. Die Schulen haben sich wirklich angestrengt, etwas Ordentliches daraus zu machen. Manche Form der digitalen Befassung war gar nicht schlecht, weil plötzlich viel mehr Menschen, auch Eltern, teilnehmen konnten. Man kann aber auch feststellen, dass die persönliche Begegnung im Unternehmen mit dem Meister und den anderen Auszubildenden nicht zu ersetzen ist. Begegnungen können auch gern in der Schule erfolgen, Herr Kollege Buchholz. Ich befürworte es außerordentlich, dass die Unternehmen auch in die Schulen gehen. Da hat manches nicht stattfinden können – so wie viele Praktika nicht haben stattfinden können. Das muss jetzt wieder losgehen, meine Damen und Herren! (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und SSW) Es geht auch wieder los; das kann ich Ihnen aus den Schulen berichten. Die Schulen haben große Lust. Die Betriebe haben große Lust. Die Kammern machen mit. Insofern bin ich sehr optimistisch, dass wir all das, was wir in dem Konzept vereinbart haben – das ist eine ganze Menge; wir von staatlicher Seite investieren auch sehr viel Geld in diesen Bereich –, jetzt umsetzen können. Ich will noch ein paar Sachen nennen, die neu sind. Wir haben begonnen, in allen 7. Klassen – zunächst an den Gemeinschaftsschulen – einen „Stärken-Parcours“ durchzuführen. Wir fangen mit der Berufsorientierung in der 7. Klasse an und setzen sie bis zum Schulabgang in der 9. oder 10. Klasse fort, gegebenenfalls auch danach, bis zum Fachabitur oder Abitur. Wir machen das in allen Schularten, das heißt an Förderschulen, Förderzentren, Gemeinschaftsschulen, ob mit oder ohne Oberstufe, und Gymnasien. Auch das ist wichtig: Wir haben Stellen geschaffen, um verpflichtende Bestandteile der Berufsorientierung an den Gymnasien haben zu können. Ich glaube, das ist ein richtiger Weg. Genauso richtig ist der Weg, im Rahmen von Entrepreneurship Education einen wichtigen Bestandteil beruflicher Orientierung an die Schulen zu bringen, nämlich über Schülerfirmen. Wir haben, wie gesagt, die Berufsorientierung an den Gymnasien verpflichtend gemacht. Es ist völlig richtig, Peer Knöfler – ich sehe ihn gerade nicht –, (Ministerin Karin Prien) dass die Frage, ob man sich für eine duale Ausbildung, für eine fachschulische Ausbildung oder für ein Studium entscheidet, wohlüberlegt sein will. Es darf eben keine Selbstverständlichkeit sein, dass man, wenn man Abitur gemacht hat, zum Studium geht, sondern das muss genau überlegt sein. Die duale Ausbildung mit all der Durchlässigkeit in diesem System ist eine hervorragende Alternative, und zwar unabhängig davon, ob man Abitur gemacht hat oder nicht. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir haben gemeinsam mit dem BMBF ganz bewusst ein riesengroßes Projekt im Bereich des Werkstattunterrichts und der Berufsfelderprobung initiiert. Auch das ist etwas, was in Schleswig-Holstein neu ist. (Beifall Anette Röttger [CDU]) Insofern sind jetzt viele Dinge im Gang. Einiges muss aber erst einmal richtig auf die Straße gebracht werden, bevor es umgesetzt werden kann. Wir brauchen auch jetzt nicht ständig eine neue Sau durchs Dorf zu jagen, wenn ich das so sagen darf; ich hoffe, das ist nicht unparlamentarisch. Dennoch sind und bleiben Praktika extrem wichtig. Es gibt gute Beispiele, Frau Nitsch, wie man mit Praktikumsbörsen verfahren kann. Ich weiß nicht, ob Sie es mitbekommen haben: Wir haben in Schleswig-Holstein in diesem Jahr erstmals landesweit eine digitale Plattform aufgesetzt, die „Praktikumswoche“. Damit haben wir in den vergangenen Sommerferien in allen Landesteilen genau das, was Sie auch angeregt haben, bereits durchgeführt. Dabei ging es darum, dass Schülerinnen und Schüler an fünf Tagen in fünf verschiedene Unternehmen gingen und genau dieses Matching über eine digitale Plattform vorgenommen wurde. Wir haben fast ganz Schleswig-Holstein damit versorgen können. Das ist ein guter Ansatz, auf den man aufbauen kann, finde ich. Dabei müssen wir es allerdings – da bin ich total bei Ihnen, lieber Herr Buchholz – mit unseren Partnern gemeinsam auswerten und auf den Weg bringen. Es kann nicht sein, dass so eine Plattform ausschließlich vom Land finanziert und auf den Weg gebracht wird. Das ist Aufgabe aller Partner der beruflichen Bildung in Schleswig-Holstein, aller Partner der Berufsorientierung. Diesen Weg wollen wir weiter gehen. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SSW und Dr. Bernd Buchholz [FDP]) Das heißt: Wir werten im Augenblick die Erfahrungen mit dieser Plattform und der Praktikumswoche aus. Wir gucken übrigens auch sehr genau in andere Bundesländer, was dort läuft. Es gibt Versuche mit einer Berufswahl-App, die in Modellprojekten in anderen Bundesländern ausprobiert werden. Das schauen wir uns sehr genau an. Gern schauen wir uns das auch in den Ausschüssen gemeinsam an, um zu gucken: Was ist eine gute Alternative, eine gute Ergänzung in Schleswig-Holstein? Aber nochmal: Das Ganze funktioniert nur, wenn alle an Bord sind, denn eine App und eine Plattform sind nur so gut wie die Bestückung und Aktualisierung durch die beteiligten Partner. Da müssen alle mittun wollen. In diesem Sinne sind wir mit unseren Partnern im Gespräch und wollen gerne mit ihnen in die Beratung gehen und das Beste tun, damit junge Menschen in ihrer beruflichen Findungsphase eine gute Orientierung haben. – Ich danke Ihnen. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und SSW)

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