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Peer Knöfler

CDU 24.11.2022 Sitzungen 20/11

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Liebe Gäste! Die heutige Debatte macht deutlich, dass uns allen die berufliche Zukunft unserer Schülerinnen und Schüler beziehungsweise unseres Nachwuchses am Herzen liegt, und das ist auch absolut richtig so. Denn die Zahlen der letzten Jahre belegen, dass wir im Bereich der beruflichen Orientierung Nachholbedarf haben. Zwei Jahre in Folge fand die Berufsorientierung wegen Corona kaum in Präsenz statt, sodass junge Menschen und Betriebe seltener zueinander gefunden haben. Leider konnten 2021 wieder mehr Lehrstellen nicht besetzt werden. Es gibt einen stetigen Rückgang bei Bewerbungen für Ausbildungsberufe. 2021 waren es 13 Prozent weniger als im Vorjahr. Somit haben wir quasi eine Nachwuchsflaute. Wir müssen die berufliche und duale Ausbildung dringend für die Jugend attraktiver machen, einfacher, zugänglicher und zeitgemäßer, mit ein paar Klicks erreichbar. (Beifall Andreas Hein [CDU]) Das beginnt bereits bei der Übersicht über freie Praktikumsplätze, die erste Einblicke in die Berufswelt geben sollen. Ich durfte in der Vergangenheit über viele Jahre Schülerinnen und Schüler kennenlernen und ein Stück Ihres Lebens begleiten, Schülerinnen und Schüler, die sich wohlfühlten mit der Wahl des richtigen Berufes, die unglücklich waren, weil ihre Berufswahl nicht den Vorstellungen entsprach, die manchmal feststellen mussten, den betrieblichen oder schulischen Ansprüchen des Berufes nicht gewachsen zu sein, die orientierungslos in der Berufswelt vor sich hinlebten. So weit – da sind wir uns alle einig – darf es gar nicht erst kommen. Um Ausbildungs- und Praktikumsplätze schneller bekannt zu machen und auch Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher schneller in den Ausbildungsmarkt zu bringen, wollen wir gemeinsam mit allen Beteiligten eine App auf den Weg bringen, die die Berufs- und Studienorientierung vereinfachen und vorstellbar machen soll. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Marc Timmer [SPD]) Wir wollen gemeinsam mit Wirtschaft und Verbänden erreichen – das schließt nicht aus, dass auch vorhandene Expertisen weiter genutzt und ausgebaut werden –, dass Schülerinnen und Schüler zukünftig einfacher und – wie eben schon gesagt worden ist – zeitgemäßere Praktikums- und Ausbildungsstellen finden können. Abbruchquoten von 30 bis 50 Prozent bei Studierenden sowie von 25 Prozent bei Azubis müssen verringert werden. Demotivation sowohl bei den Studierenden als auch bei den Azubis selbst hinterlassen einen volkswirtschaftlichen Schaden. Es muss ein weiteres Ansteigen der unbesetzten Ausbildungsstellen unbedingt verhindert werden, um auch unsere Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe und unsere Industrie sowie das Sozial- und Gesundheitswesen im Land zu unterstützen und zu stärken. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dazu gehört es auch, eine gesellschaftliche Wertschätzung, die weit über das hinausgeht, was aktuell der Fall ist, gegenüber den Ausbildungsberufen zu schaffen. Eine Studienorientierung allein kann und darf zu Zeiten unbesetzter Ausbildungsstellen nicht im Fokus unserer Gesellschaft und der Politik stehen. Deshalb ist es wichtig und unabdingbar, eine App auf den Weg zu bringen, die Berufs- und Studienorientierung vereinfacht, und die an den allgemeinbildenden Schulen verwendet werden kann und sie alle berücksichtigt, damit die Schülerinnen und Schüler keine Scheu haben, sie zu nutzen. Mit einer App kann man ganz bequem von Zuhause aus den richtigen Beruf und dafür freie Praktikums- und Ausbildungsstellen finden und feststellen, was da noch alles so hinterlegt ist – wie eben schon beschrieben wurde. Wenn meine Interessen eher handwerklicher Natur sind, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich als Bürokaufmann, sitzend auf dem Stuhl, unglücklich werde. Wenn ich nicht gern in der Natur unterwegs (Peer Knöfler) bin und mich gern mit Zahlen beschäftige, wird der Dachdecker nicht mein Beruf sein. Zu oft lassen sich Jugendliche von Familie oder gut gemeinten Beratungsgesprächen beeinflussen und entscheiden sich für eine falsche Ausbildung. Für Schülerinnen und Schüler muss der Übergang in die Arbeitswelt individuell, detailliert und spezifisch in der Phase der Berufsorientierung geebnet werden. Genau da können wir mit der App unterstützend ansetzen. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir können – wenn wir uns dazu entschließen – die Grundlage für Transparenz im Praktikums- und Ausbildungssektor schaffen und dadurch die Begeisterung für eine Ausbildung stärken. Deshalb hoffe ich, dass wir im Wirtschaftsausschuss und im Bildungsausschuss – ich denke, das sind die Ausschüsse, wo dieser Antrag hingehört – uns mit diesen Anträgen beschäftigen werden. Ich hoffe, dass wir die Anträge dorthin überweisen und danke für Ihre Aufmerksamkeit. – Vielen Dank. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW)

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