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Sybilla Nitsch

SSW 24.11.2022 Sitzungen 20/11

Geehrte Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Der Arbeitsmarkt befindet sich im Wandel. Wir könnten jetzt das durchaus ernste Thema des Nachwuchs- und Fachkräftemangels in den Mittelpunkt stellen, wir wollen aber gern die Chancen sehen. Arbeitsmarkt und Arbeitskräfte müssen zusammenpassen. Hier braucht es pragmatische Initiativen, die schon frühzeitig im System ansetzen, um die Fachkräfte von morgen rechtzeitig an ihre potenziellen Berufsmöglichkeiten heranzuführen, auf dass sich diese aktiv für ein bei uns benötigtes Berufsbild entscheiden und ihre weitere Ausbildung vorausschauend planen können. Wir alle wissen, es gibt zahlreiche Wege in den Beruf. Auf all diesen Wegen gibt es einen Baustein, den fast jeder im Laufe seines Lebens gemeistert hat: das Praktikum. Zumindest war dies bis vor circa drei Jahren so, bevor Corona alles durcheinandergebracht hat. Zeitweise waren Praktikumsmöglichkeiten leider komplett ausgesetzt, was vor allem für die Jugendlichen ein deutlicher Nachteil für ihre Berufsorientierung war – einmal abgesehen von dem fehlenden sozialen Meilenstein-Erlebnis. Aus erfolgreichen Praktikanten von heute werden bestenfalls die motivierten Azubis, Werkstudierenden und Fachkräfte von morgen. Und damit sind wir beim Thema unseres Antrags. Zugegeben, es gibt viele Online-Plattformen für Praktika, für Jobs, für Ehrenämter, aber diese bieten nur selten ein niedrigschwelliges Praktikum um die Ecke an. Mit unserer Initiative wollen wir unsere Schülerinnen, Schüler, Studierenden, Freiwilligendienstleistenden, alle weiteren Interessierten und unsere regionalen Unternehmen mit wenigen Klicks auf einer zentralen Website zusammenbringen – ein erfolgreiches Praktikum in Schleswig-Holstein einfach gemacht. (Beifall SSW) Dieser Initiative vorausgegangen ist, dass ich das Projekt „Praktikum Westküste“ kennenlernen durfte. Diese Plattform ist regional bei uns entstanden und verankert, wird von engagierten regionalen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern gemanagt und bietet einen vollumfänglichen Service, von wertvollen Tipps zum Bewerbungsschreiben bis hin zu einer 90-Minuten-Einheit „Praktikumsknigge“. Die Plattform läuft so gut, dass die Zahl, die wir für den Antrag angefragt hatten – über 4.000 Betriebe – schon längst überholt ist. Die Börse hat sich über weitere Kreise vernetzt, mit dem Praktikum Rendsburg-Eckernförde und Praktikum Hansebelt; Schleswig-Flensburg und Flensburg sind auch bereits auf dem Weg. Selbstredend umfasst das Netzwerk auch Wirtschaftsverbände, die IHK und viele weitere Akteure. Deshalb haben wir uns gedacht: Warum sollte von solch einer Plattform nicht jede Person in Schleswig-Holstein profitieren? (Beifall SSW) Das dänische Sprichwort „vi behøver ikke at opfinde den dybe tallerken to gange” – wir brauchen den tiefen Teller nicht zweimal zu erfinden – passt hier gut. Wenn es eine landesweit einheitliche Online-Praktikumsbörse gäbe, die unter der Schirmherrschaft des Landes stünde, einen einprägsamen Homepage-Namen hätte und jedem Interessierten kostenlos ein passgenaues Angebot in jeder Ecke Schleswig-Holsteins anzeigen würde, dann wäre das eine Winwin-Situation für alle Beteiligten – für die Interessierten, aber auch für die Betriebe. Die Schirmherrschaft müsste natürlich mit Finanzmitteln ausgestattet werden, das müsste es uns aber wert sein. Besonders wichtig wären uns dabei explizite Filteroptionen, zum Beispiel, dass es inklusionsgerechte und mehrsprachige Praktika gibt – eine Homepage, die prominent ist und für alle Bedürfnisse Angebote machen kann. Natürlich würden wir uns freuen, wenn wir diese Plattform auf die Grenzregion ausweiten könnten, sodass wir auch einen Mehrwert für den deutsch-dänischen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt erreichen könnten. (Serpil Midyatli [SPD]: Und Hamburg?) Mit einer App-Funktion gelingt die Vermarktung über die sozialen Medien noch besser, damit kann man gerade junge Menschen in ihrem Alltag abholen. Zudem wäre zu überlegen, eine Zusammenarbeit mit dem SHIBB aufzubauen, weil Wirtschaftsund Bildungsbereich hier eng ineinandergreifen, und das haben wir politisch schon lange gewollt. (Sybilla Nitsch) Tatsache ist, dass wir uns zum Thema Nachwuchs-, Arbeits- und Fachkräftemangel etwas einfallen lassen müssen. Das hier ist ein kleiner Baustein, das ist uns durchaus bewusst. Das Projekt „Praktikum Westküste“ läuft mit seinem Netzwerk seit seinem Aufbau sehr erfolgreich, die Erweiterung auf andere Kreise hat bereits stattgefunden und ist auch zukünftig weiter geplant. Daher wäre es ein Leichtes und eine günstige Gelegenheit, hier von Landesseite aus einzusteigen. Wir freuen uns auf die weiteren Beratungen zu unserem Antrag. – Vielen Dank. (Beifall SSW und vereinzelt SPD)

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