Annabell Krämer
Für die Landesregierung erteile ich dem Minister für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz, Werner Schwarz, das Wort. Werner Schwarz, Minister für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz: Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Mit dem vorgelegten Antrag wird eine wichtige Initiative der Landesregierung unterstützt, die auch schon im 100-Tage-Programm angekündigt worden ist. Ich freue mich, dass ich heute die Gelegenheit habe, die Eckpunkte der Bildungsoffensive für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz vorzustellen. Die Landwirtschaft ist im ländlichen Raum Schleswig-Holstein ein starker wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Motor. Die Landwirtschaft befindet sich in einem stetigen Wandel und geht neue Herausforderungen an, zum Beispiel in den Bereichen Tierwohl, klimagerechtes Wirtschaften und Digitalisierung. Auf der anderen Seite gibt es aber auch die Verbraucherinnen und Verbraucher, die vielfach nur ein unscharfes Bild davon haben, wie moderne Landwirtschaft funktioniert und wie gesunde Lebensmittel produziert werden. Leider ist dieses Bild bei einigen negativ besetzt. Hier wollen wir mit unserer Bildungsoffensive ansetzen. In dem Themendreieck von Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz werden wir durch verschiedene Bildungsmaßnahmen Wissen vermitteln. Das Wissen zu den produzierten Nahrungsmitteln soll vertieft werden – das entspricht genau dem, was der Abgeordnete Koch-Rohwer gesagt hat –, damit bewusst informierte Entscheidungen getroffen werden können. Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Wert. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, vereinzelt CDU und Beifall Oliver Kumbartzky [FDP]) Der Wert von Lebensmitteln soll deutlich gemacht werden, auch im Hinblick auf eine gesunde und nachhaltige Ernährungsweise. Damit kann zugleich ein wichtiger Beitrag gegen die Lebensmittelverschwendung geleistet werden. Sehr geehrter Herr Abgeordneter Timmer, genau das ist der Unterschied zu einem Handykauf oder einem Vertragsabschluss. Wir können hiermit auch die Nahrungsmittelverschwendung zurückdrängen. (Beifall CDU) Wir wollen die Stärken der hiesigen Landwirtschaft transparent herausstellen, um die Akzeptanz und Wertschätzung für die Landwirtschaft und die dort arbeitenden Landwirtinnen und Landwirte zu verbessern. Bei dieser Initiative fangen wir nicht völlig neu an, sondern können und wollen auf bestehende (Minister Werner Schwarz) Projekte aufbauen. Beispielhaft möchte ich hier das Projekt für Grundschulen „Schulklassen auf dem Bauernhof“ oder „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ nennen. Wichtig ist auch, dass wir bei dieser Bildungsoffensive als Landwirtschaftsministerium nicht allein agieren. So arbeiten wir bei den schulischen Themen in enger Partnerschaft mit dem Bildungsministerium zusammen. Darüber hinaus werden wir die vielen kompetenten Akteure im Land einbinden, zum Beispiel den Bauernverband, die Landwirtschaftskammer, die Verbraucherzentrale, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und die Wissenschaft. Unser Konzept basiert auf folgenden Eckpunkten: Analog zu dem bewährten Angebot für die Grundschulen wollen wir ein spezifisches Bildungsangebot an authentischen Lernorten für die Sekundarstufen I und II entwickeln. Dabei orientieren wir uns an den Lerninhalten dieser Stufen mit möglichst flächenübergreifendem Ansatz. Eine Pilotphase soll schon im ersten Quartal 2023 starten. Ein konkretes Bildungsprogramm soll dann möglichst schon im Schuljahr 2023/2024 ansetzen. Wir wollen Bildungsanbieter in Zusammenarbeit mit den anderen Akteuren für ein konkretes Bildungsprogramm qualifizieren. In der kommenden Woche kommt das große Akteursnetzwerk MLLEV zusammen, um auf deren Ideen in unser Konzept zu integrieren. Auch Lehrkräfte sollten den Zusammenhang mit dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein und den beteiligten Akteuren Netzwerkqualität aufbauen. Die Bildungsoffensive wird in den nächsten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt werden. Wir streben an, das umfassende Programm weiterzuentwickeln, aufwachsen zu lassen und es damit Schülerinnen und Schülern, auch Lehrkräften und dem Akteursnetzwerk im ländlichen Raum zugutekommen zu lassen. Mit der geplanten Bildungsoffensive „Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz“ können wir die bestehenden Zusammenhänge gerade für junge Menschen verständlich und konkret erfahrbar machen. Aspekte wie gesunde Ernährung und die Bedeutung regional erzeugter Lebensmittel sollen dabei herausgestellt werden. Dies bietet gerade in der aktuellen Situation mit gestörten Lieferketten die Chance, den Wert von Lebensmitteln und die besondere Bedeutung der hiesigen Landwirtschaft als Urproduzent von Nahrungsmitteln zu verdeutlichen. – Vielen Dank, dass Sie mir zugehört haben. (Beifall CDU, vereinzelt FDP und SSW)
