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Dirk Kock-Rohwer

GRÜNE 24.11.2022 Sitzungen 20/11

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In diesem Antrag bittet der Landtag die Landesregierung, im 1. Quartal 2023 ein Konzept für eine Bildungsoffensive im Ernährungsbereich für Schülerinnen und Schüler für Verbraucherinnen- und Verbraucherbildung für Schulen vorzulegen. Ich halte es für immens wichtig, unseren Kindern und Jugendlichen zu zeigen, wo unsere Lebensmittel herkommen, und dies nicht nur als reine Wissensvermittlung, sondern auch durch Anschauen und Begreifen im wörtlichen Sinne, also durch Anfassen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU) In meinem bisherigen Berufsleben als Biolandwirt war mir dies ein wichtiges Anliegen. Kindergartengruppen, Schulklassen oder auch die Ausbildungsklassen aus dem Bereich Ernährung und natürlich Landwirtschaft sind bei uns auf dem Hof an das Thema Biolandwirtschaft mit Ackerbau und Milchvieh herangeführt worden. Dabei lernen die Kinder nicht nur unseren Kuhstall und den Melkstall von innen kennen, sondern fassen auch direkt mit an, nehmen zum Beispiel die Zitze am Euter einer Kuh (Dirk Kock-Rohwer) in die Hand und erfahren, wie es geht, dass dort Milch herauskommt. Sie können direkt probieren, wie diese Milch schmeckt. Für die meisten ist es eine Überraschung, dass diese Milch ganz anders schmeckt als die verarbeitete, die sie aus der Tüte kennen. Wir säen mit den Kindern Getreide aus, später ernten sie selbst das Getreide, dreschen das Korn, mahlen es und backen Brot daraus. Das sind elementare Erfahrungen, die jeder und jede im Leben einmal machen sollte, auch wenn bei uns auf dem Hof das Getreide ansonsten durch den Mähdrescher geerntet wird, die Kühe nicht von Hand gemolken werden und wir unser Brot beim Bäcker kaufen. Ich denke, da gibt es in Schleswig-Holstein so einiges an tollen Projekten, zum Teil durch Eigeninitiative entstanden, zum Teil durch das Land gefördert und vorangebracht. Ich danke an dieser Stelle allen, die sich dafür engagiert haben und weiter engagieren. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Das möchten wir weiterentwickeln und die Zusammenarbeit zwischen den für die schulische Elementarbildung zuständigen Stellen und den Landwirtschafts- und Verbraucherministerien intensivieren. Im Koalitionsvertrag haben wir festgehalten, dass wir die Verbraucherbildung an Schulen stärken wollen. Wir möchten auch andere außerschulische Lernorte verstärkt einbeziehen, zum Beispiel die der Lebensmittelverarbeitung. Wir möchten, dass unsere Kinder zu kompetenten Verbraucherinnen und Verbrauchern werden, die bewusste und informierte Konsumentscheidungen treffen. Darum wollen wir die Themen Landwirtschaft und Ernährung in der Bildung in die Gesamtstrategie für nachhaltige Entwicklung einbetten, indem etwa auch Themen wie Abfallvermeidung, Eingrenzung der Lebensmittelverschwendung und Klimawirksamkeit von Ernährungsstilen thematisiert werden. Kinder, die solche Erfahrungen machen, zum Beispiel im Rahmen des Programms „Schulklassen auf dem Bauernhof“, möchten später gerne wissen, wo die Lebensmittel herkommen, die sie einkaufen oder verzehren, dass sie mehr Regionales, mehr Saisonales und mehr ökologisch erzeugte Produkte kaufen, weniger Fertigprodukte und zu Hause mehr frisch zubereiten. Ein sehr positives Beispiel ist dafür das EU-Schulprogramm Obst, Gemüse und Milch. Meine Kollegin, Frau Röttger, hat es schon erwähnt. Das wollen wir weiter unterstützen. Die vielen Schulen, die sich hier beworben haben, können alle mit finanziellen Mitteln versorgt werden. Erstaunlich ist hierbei, dass bei freier Auswahl vorzugsweise ökologische Produkte geordert werden. Aber im privaten Bereich spielen dann sicher auch ganz andere Fragen eine Rolle, etwa: Wie viel Zeit bleibt in den Familien für gemeinsame Mahlzeiten? Welches Budget steht Ihnen eigentlich zur Verfügung? Welche Einkaufsmöglichkeiten haben sie in erreichbarer Nähe? Welchen Einfluss hat Produktwerbung? Wie ist insgesamt die Ernährungsumgebung gestaltet? – Ich verweise dazu auf das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirates der Bundesregierung, der dazu Empfehlungen getroffen hat. Meine lieben Kolleginnen und Kollegen, indem wir unseren Kindern ermöglichen, direkt und unmittelbar etwas über Herkünfte und Produktionsweise von Lebensmitteln zu erfahren und im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen, legen wir einen wichtigen Grundstock für gesunde Ernährung und bewussten Konsum auch im Erwachsenenalter. Ich bitte daher um Unterstützung für unseren Antrag. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)

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