Anette Röttger
Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als ich von den ersten Gesprächen zwischen dem Bildungsministerium und dem neu aufgestellten Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerium in den ersten 100 Tagen dieser Legislaturperiode zu einer Offensive in Sachen Verbraucherbildung erfuhr, habe ich mich sehr gefreut. Diese Initiative passt in diese Zeit. Und: Diese Initiative passt zu Schleswig-Holstein. Herzlichen Dank den beteiligten Ministerien für diesen Aufschlag. (Beifall CDU und Uta Röpcke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Mit unserem Antrag fordern wir nun ein Konzept. Mit einer Bildungsoffensive soll die Verbindung zwischen Verbraucherinnen und Verbrauchern, Landwirtschaft und Ernährung gestärkt werden. Seit vielen Jahren beschäftige ich mich schon mit Fragen zur gesunden Ernährung. Leider müssen wir feststellen, dass immer mehr Kinder übergewichtig sind, nicht erst durch die Pandemie. Wir haben immer mehr fehlernährte und essgestörte junge Menschen, oftmals gepaart mit einem Mangel an Bewegung. All das gibt Anlass zu Sorge und fordert uns zu mehr Prävention auf. Es besteht also deutlicher Handlungsbedarf. Mit einer Bildungsoffensive für Verbraucherbildung können wir den Austausch und eine bessere Vernetzung bereits vorhandener, positiver Projekte und Initiativen in unserem Land voranbringen. Ein gesun- (Anette Röttger) des Essverhalten wird von Kindesbeinen an geprägt. Verbraucherbildung im Ernährungsbereich ist dabei nicht nur Wissensvermittlung. Es geht immer um die Umsetzung in die Tat. Es geht um die tägliche Lebensmittelauswahl, um unser Essverhalten. Lebensmittel aus SchleswigHolstein werden unter Einhaltung höchster Qualitätsstandards produziert, sei es im Gemüsebau, zum Beispiel Spargel, Möhren, Kohl, Kartoffeln und Kürbisse, sei es im Obstbau, zum Beispiel Äpfel und Kirschen, sei es im Getreideanbau, zum Beispiel beim Brotgetreide, sei es bei Milch und Fleisch. Das Gute liegt hier im Land zwischen den Meeren sehr nah und sollte ein fester Bestandteil in unseren Speiseplänen sein. Es gehört zu unserer gelebten Esskultur. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) In unsicheren Zeiten sichern unsere hier erzeugten Lebensmittel sogar die Ernährung vor Ort. Saisonale und regionale Lebensmittel liegen voll im Trend, denn kurze Wege vom Erzeuger zum Verbraucher ersparen uns lange Transportwege. Allerdings haben die meisten Menschen den direkten Bezug zur Erzeugung und Ernte regionaler und saisonaler Lebensmittel verloren. Ein Pausenapfel ist längst nicht mehr selbstverständlich. Obwohl vielen Menschen eine gesunde Ernährung eigentlich ein wichtiges Anliegen ist, wird Kindern nur noch selten der Umgang mit frischen Lebensmitteln vermittelt. In Zeiten voller Regale sind wir alle bequem geworden. Die Zeit für Zubereitung und gemeinsame Mahlzeiten ist knapp, und Fast Food und Lieferdienste bestimmen inzwischen eher den Speiseplan. Schleswig-Holstein hat die besten Voraussetzungen für ein Lernen an authentischen Lernorten draußen in der Natur oder direkt auf landwirtschaftlichen Betrieben. Hier kann man die Zusammenhänge in der Natur direkt erleben und das Wachsen und Gedeihen im Jahresverlauf erfahren und begreifen. Hier kann man den Einsatz modernster Landtechnik verstehen und eine Wertschätzung für die hier erzeugten Lebensmittel entwickeln. Projekte der Landwirtschaftskammer wie die Bauernhofpädagogik oder das Projekt „Schulklassen auf dem Bauernhof“ leisten ganz wichtige Beiträge, um Kindern die Verbindung von Lebensmittelherkunft und Einkaufsverhalten zu vermitteln. Auch an unseren Schulen gibt es neben der Initiative zur Bildung für nachhaltige Entwicklung im Schulalltag mit dem Schulobstprogramm inzwischen an 214 Schulen im Land oder mit den 224 ausgezeichneten Zukunftsschulen viele gute Beispiele für das Erlernen wichtiger Alltagskompetenzen. (Beifall CDU) Die Vernetzungsstelle Schulverpflegung und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung wirken mit. Zudem haben Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherbildung als wichtige Fachbereiche an den Universitäten und Hochschulen in unserem Land ihren festen Platz. Meine Damen und Herren, stimmen Sie für diesen Antrag für eine Bildungsoffensive der Verbraucherbildung. Gesunde Ernährung könnte zu einem Markenzeichen in unserem Land Schleswig-Holstein werden. – Herzlichen Dank. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
