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Dr. Kai Dolgner

SPD 24.11.2022 Sitzungen 20/11

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich wäre mit dem Begriff „endemische Lage“ etwas vorsichtig, was das individuelle Risiko anbelangt. Die jeweilige Virusvariante interessiert sich nämlich überhaupt nicht dafür, ob die Lage endemisch oder epidemisch ist. Es gibt eine Ansteckungsfähigkeit. (Zurufe) – Wir können gern intensiv darüber reden, wenn eine ernsthafte Diskussion gewünscht ist. (Unruhe) Übrigens war auch die Pest jahrelang, jahrzehntelang endemisch. Das machte sie nicht automatisch weniger gefährlich. So viel als Anmerkung dazu. (Zuruf Lukas Kilian [CDU]) – Kollege Kilian, stellen Sie mir doch einfach eine Zwischenfrage. Dann könnte ich Ihre Bemerkung wenigstens einigermaßen verstehen oder einordnen und auch entsprechend würdigen. (Lukas Kilian [CDU]: Lockdown?) – Stellen Sie mir eine Zwischenfrage! Ich rede jetzt über das, worüber ich selbst reden möchte, und nicht darüber, wozu Sie dazwischenrufen. Und zwar möchte ich den Aspekt von Frau Pauls ansprechen, der teilweise bewusst missverstanden worden ist. Jemand, der keine Symptome hat, kann infektiös sein, und jemand, der noch Symptome entwickelt, kann hochinfektiös sein. Das bedeutet mitnichten, dass er das in dem Moment weiß oder dass ein Arzt ihn dann auch krankschreibt, es sei denn, er hat einen Arzt, der für Krankschreibungen an dieser Stelle offen ist. Nein, man ist nicht krank, aber man ist trotzdem vielleicht hochinfektiös. Denn wenn der entsprechende Test, der Antigentest, anschlägt, dann schlägt er auf aktive Virusmengen an. Ich habe auch früher für die Schnelltests geworben. Ich weiß auch, warum ich dafür geworben habe, denn im Gegensatz zum PCR-Test zeigt der Antigentest: Sie haben aktive Viren in sich, die andere Menschen anstecken können, und zwar in einem solchen Maße, dass ein Antigentest anschlägt. Wer die Isolationspflicht aufhebt, der muss auch die Frage beantworten – und das macht man nicht mit irgendwelchen mehr oder weniger qualitativ hochwertigen Zwischenrufen –, was der- oder diejenige machen kann, der oder die nicht mit einer offenen Infektiosität unter andere Menschen treten möchte, auch nicht mit Maske. (Lukas Kilian [CDU]: Täglich testen!) – Ja, und dann hat er einen positiven Test, Herr Kollege Kilian. Dann muss er trotzdem zur Arbeit, weil ihn der Arzt deshalb nicht krankschreibt, außer wir sagen, die Ärzte sollen in solchen Fällen krankschreiben und die Krankenkassen die Kosten übernehmen. Oder wir sagen, es gibt ein Isolationsrecht, und der Staat übernimmt die ausgefallenen Arbeitstage. (Beifall SPD) Oder man findet Arbeitgeber, wie zum Beispiel die SPD-Fraktion oder meine Frau, die von sich aus sagen: Wir übernehmen die Lohnkosten für diejenigen, die infektiös, aber nicht krankgeschrieben sind. Ganz viele Menschen haben nicht die Freiheit eines Abgeordneten, der jederzeit entscheiden kann, wohin er gehen will. Ich finde, dass man den Menschen auf diese Frage eine Antwort schuldig ist. Herr Kilian, wenn Sie Antworten haben, machen Sie einen Dreiminutenbeitrag. Wenn Sie konstruktiv sein wollen, dann geben Sie diese Antworten. (Beifall SPD) Sonst ist das weder konstruktiv noch respektvoll. (Beifall SPD – Werner Kalinka [CDU]: Was bilden Sie sich eigentlich ein! Wie Sie hier auftreten!)

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