Lasse Petersdotter
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Bei den aktuellen Zahlen, die wir rund um Corona gerade beobachten – viele von uns schauen vielleicht gar nicht mehr so genau jeden Tag darauf, wie wir das noch vor einiger Zeit gemacht haben –, sehen wir auf der einen Seite, dass die Tendenz deutlich sinkend ist, während auf der anderen Seite diese Zahlen vor Kurzem noch Anlass zu großer Sorge und weitreichenden Maßnahmen gewesen sind. Heute ist das anders. Ich kann gut nachvollziehen, dass für viele Menschen nicht oder nur schwer nachvollziehbar ist, dass sich die Welt vermeintlich so schnell verändert hat und die Bewertungsgrundlagen auch. Aber es ist so. Die Lage hat sich verändert. Wir befinden uns im Ausklang einer pandemischen Phase und am Beginn einer endemischen Phase. Dazu gehört beispielsweise, dass heute im Unterschied zu 2020 oder weiten Teilen von 2021 nicht mehr ein Virus auf eine weitgehend unimmunisierte Gesellschaft trifft, sondern dass wir gerade in Schleswig-Holstein eine sehr hohe Basisimmunität haben, auf der einen Seite durch eine überdurchschnittlich hohe Impfquote und auf der anderen Seite durch durchgemachte Infektionen. Darüber hinaus gibt es mehr Erkenntnisse über Corona und die Möglichkeiten, sich individuell zu schützen. Das ist beispielsweise durch eine FFP2- Maske möglich. Aber es gibt eben auch all die anderen Maßnahmen, von denen wir in den letzten Jahren so viele gelernt haben. Darunter sind einige, die sehr wirksam sind. Es gibt Medikamente, die die Verläufe abmildern oder das Risiko schwerer Verläufe verhindern. Wir sehen also: Die Lage ist heute eine andere. Wir müssen immer die Bereitschaft haben, individuell in diesen Lagen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Trotzdem gibt es Risiken und Post und Long Covid. Deshalb wollen wir die Ambulanzen und ebenso die Forschung stärken. Die Anhörung hat gezeigt, wie wichtig eine gute und unabhängige Forschung und Wissenschaft sind. Das Votum gerade der Wissenschaft am Vormittag in der Anhörung war relativ deutlich für eine Abschaffung der Isolationspflicht. Zum Gesamtbild gehört aber auch, dass gerade am Nachmittag einige kritische Stimmen zu Wort kamen, gerade aus der Praxis, und wir das ernst nehmen müssen. Deswegen halte ich den Weg, den wir jetzt gewählt haben, für einen gut abgewogenen Kompromiss, der uns alle voranbringen wird und offensichtlich auch für andere Bundesländer beispielgebend ist, wie wir das in den letzten Tagen in den Nachrichten gelesen haben. Das, was uns Grüne in der Debatte um die Abschaffung der Isolationspflicht immer besorgt hat, ist, dass die Kultur des Trotzdemarbeitens bewirkt, dass Menschen mit Coronaerkrankung arbeiten gehen. Letztlich entkräftet sich dieses Argument genauso (Lasse Petersdotter) schnell durch eine Kultur des Nichttestens oder durch eine Kultur des Testergebnisverschweigens. Wir alle haben, glaube ich, in der letzten Zeit mit Soloselbstständigen gesprochen, die sich einfach nicht mehr testen lassen, weil sie sagen: Ich habe Angst vor einem positiven Test. – Das ist natürlich nicht das Ziel der Veranstaltung. Gerade in prekären Beschäftigungsverhältnissen, gerade dann, wenn Menschen eben keinen festen Monatslohn haben, sondern das, was sie am Ende des Monats haben, unmittelbar damit zusammenhängt, wie viele Stunden sie in diesem Monat gearbeitet haben, ist der Druck umso höher, dass sich Menschen entweder nicht testen lassen oder krank zur Arbeit gehen. Deswegen ist es so wichtig und im Interesse aller, dass wir diese Kulturen durchbrechen. Da sehen wir die Arbeitgeber in besonderer Verantwortung, das zu ermöglichen, (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) denn nur so kann die Abschaffung der Isolationspflicht gelingen. Die Lage heute ist anders, und damit sind die Herausforderungen auch anders. Das ist die Überschrift zu unserem heutigen Antrag, aber ich glaube, es ist auch die Leitschnur für die kommenden Monate. Die Folgen der Pandemie sind jetzt zu bewältigen, die psychische Entlastung zu gewährleisten und die Traumapädagogik auch in der Schule weiter zu stärken, Fachkräfte also zu sensibilisieren und zu stärken im Umgang mit Kindern, die in den letzten Jahren ein ganz anderes Leben geführt haben, als wir alle das in der Schule geführt haben.
