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Sandra Redmann

SPD 23.11.2022 Sitzungen 20/10

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Charlie ist zweieinhalb Jahre alt und einer von vielen Hunden, der in der Coronazeit im Internet bestellt wurde. Er ist einer von vielen, der jetzt im Tierheim lebt. Die Familie wollte – wahrscheinlich sogar mit guter Absicht – einen Spielkameraden für die Kinder. Jetzt hat er seine Schuldigkeit getan, man hat keine Zeit mehr, der Arbeitsalltag hat einen wieder, und da passt der Hund nun doch nicht so rein. Das kann man so im Tierheim natürlich nicht sagen. Es werden oft Ausreden vorgeschoben. Eine der am meisten verwandten Aussagen ist übrigens: „Wir haben eine Allergie“, und der Hund landet dann im Tierheim. Randy ist ein Jahr alt und lebt jetzt im Tierheim. Er ist aus einem Kofferraum heraus an ein Paar verkauft worden. Es war richtig einfach, diesen Hund zu bekommen. Er stammt aus illegalem Welpenhandel, seine Mutter ist eine Gebärmaschine, die bis zu ihrem Tod nichts anderes macht, als Junge zu bekommen. Damit lässt sich auch in Schleswig-Holstein richtig gut Geld verdienen. Das ist kriminell, liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist widerlich. Jetzt ist Randy ständig krank, die Tierarztkosten sind hoch, und das Pärchen kann sich den Hund nicht mehr leisten. Lia ist fünf Jahre alt und lebt jetzt im Tierheim. Sie wurde aus einer Wohnung mit 25 anderen Tieren geholt. Animal Hording ist das Stichwort. Sie kann kaum gehen. Sie hat nämlich ihren Alltag in einer Katzenkiste gelebt und muss jetzt erst einmal aufgepäppelt werden. Dann sind da noch die viele anderen, die kaum zu vermitteln sein werden, weil ihre Besitzerinnen und Besitzer nur darauf aus waren, dass der Hund kampfstark und aggressiv ist. Das sind übrigens alles Originalfälle, über die ich in den letzten Wochen in Tierheimen gehört habe. Natürlich gibt es auch die Hunde, bei denen es ganz andere Gründe gibt, warum sie im Tierheim leben. Zum Beispiel muss die Besitzerin in eine Senioreneinrichtung oder ist krank geworden. Die Gründe sind vielfältig. Klar ist in jedem Fall, dass die Tierheime am absoluten Limit sind, und zwar ausnahmslos alle. Wir werden ein Bündel an Maßnahmen brauchen, den Tierheimen zu helfen und Lösungen zu schaffen. Einschränkung des Onlinehandels ist ein Beispiel. Anreize zu schaffen, einen Hund aus dem Tierheim zu nehmen, ist auch eine mögliche Maßnahme. Das allein wird allerdings nur teilweise helfen. Das nehmen auch die Tierheime an. Einige Kommunen machen das bereits und haben die Hundesteuer ausgesetzt. Nicht die Hundesteuer verursacht aber die riesigen Kosten – das ist eben schon erwähnt worden –, sondern das sind die allgemeinen Kosten und vor allem die ärztliche Versorgung und mögliche operative Eingriffe. Die Kostensteigerungen – ich möchte das ausdrücklich sagen – führen dazu, sodass das absolut in Ordnung geht; über die neue Gebührenordnung für Tierärzte können wir ja heute auch etwas in der Zeitung lesen. Ich nenne einige Beträge, die in Schleswig-Holstein an Steuern gezahlt werden müssen: Ahrensbök nimmt 105 Euro, Flensburg 132 Euro für den ersten Hund, Heide 120 Euro, Norderstedt 85 Euro. Es mag nicht die riesige Summe sein. Wir sind aber bereit, den vorgeschlagenen Weg der FDP im Ausschuss positiv zu begleiten; die Hundesteuer für Heimtiere nicht zu erheben kann nämlich ein Baustein sein. Im Ausschuss können wir dann auch noch über die brauchbaren Jagdhunde reden. Im Zuge dessen würden wir dann allerdings auch noch über andere Hunde – in Klammern: Gebrauchshunde – sprechen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich abschließend feststellen: Die allermeisten Menschen lieben ihr Haustier, auch Winston. Es sind Familienmitglieder, die ihren festen Platz haben. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Tier- (Sandra Redmann) heimen in Schleswig-Holstein machen einen großartigen Job. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und SSW) Trotz Personalmangels und der großen Herausforderungen arbeiten sie mit viel Liebe und viel Einsatz für die Tiere, auch ehrenamtlich, und das ist nicht selbstverständlich. Denn – Frau Prien hat es auch in der Begründung des Antrags geschrieben – die Kommune ist nämlich in der Pflicht, die Hunde tierschutzgerecht zu verwahren. Ich möchte mal sehen, was passiert, wenn die Tierheime sagen: Wir machen nicht weiter, weil wir nicht können. – Dann sind die Kommunen ohnehin gefragt. Die grundlegenden Gesetze werden allerdings im Bund und im Land gemacht, und das führt schnell zu Konflikten. Lassen Sie uns einen Teil der Verantwortung übernehmen. Wir beantragen die Überweisung an den Finanz-, Innen- und Umweltausschuss, und dann kann man auch die kommunalen Landesverbände und den Tierschutzverband zu einem Gespräch hinzuholen. Damit ist sicherlich uns allen gedient. – Vielen Dank. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und SSW)

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