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Sandra Redmann

SPD 30.09.2022 Sitzungen 20/9

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 2008 haben wir in der Großen Koalition die Erstellung eines Wolfsmanagements für Schleswig-Holstein auf den Weg gebracht. Ziel war es, die Rückkehr des Wolfes professionell begleiten zu können. 2022 stellt Schwarz-Grün nun den Antrag, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Ich kann mich kaum an ein Thema während meiner Landtagstätigkeit erinnern, das solche Emotionen hervorgerufen hat. Zwischen Euphorie und blankem Hass gibt es eigentlich alles. Stand zu Beginn noch das „Willkommen, Wolf“, geht es mittlerweile fast ausschließlich darum, den Wolf mit allen Mitteln wieder loszuwerden. Bestand regulieren und Obergrenze nennt man es – keine Wölfe in SchleswigHolstein meint man. Ja, das Zusammenleben – das ist eben erwähnt worden – zwischen Wolf, Mensch und Weidetieren ist kein einfaches. Natürlich können wir alle die Betroffenheit der Tierhalterinnen und Tierhalter verstehen, wenn sie ihre Schafe tot oder schwer verletzt vorfinden. Da spielen sich teils dramatische Szenen ab, und auch der finanzielle Schaden ist keinesfalls zu vernachlässigen. Dafür gibt es das sich ständig weiterentwickelnde Wolfsmanagement. Was gerne in der Debatte vergessen wird, ist allerdings, dass die Halterinnen und Halter verpflichtet sind, ihre Tiere zu schützen. Dabei wollen wir sie – so gut es geht – unterstützen. (Beifall SPD und Christian Dirschauer [SSW]) Präventionsmaßnahmen stehen dabei im Vordergrund. Es gibt etliche Förderungen, Beratungen und natürlich auch Entschädigungen. Wolfsbetreuerinnen und Wolfsbetreuer, Rissgutachterinnen und Rissgutachter und auch die zuständigen Mitarbeitenden im Ministerium und LLUR stehen zur Seite. Ich möchte mich im Namen der SPD-Fraktion ausdrücklich für deren Engagement bedanken. (Beifall SPD, Lasse Petersdotter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], Uta Röpcke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Christian Dirschauer [SSW]) Die Präventionsmaßnahmen haben in den bisher am meisten betroffenen Kreisen zu einer deutlichen Verringerung der wolfsbedingten Schäden geführt. Lassen Sie mich hier einfügen, dass die meisten Tode von Schafen nach wie vor nicht durch den Wolf verursacht sind. In fünf Minuten kann ich das leider nicht alles genau ausführen. Vielleicht können wir im Ausschuss darüber noch einmal reden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, was kann und muss man von der Politik erwarten? – Wir sollten die Weiterentwicklung des Managements sachlich begleiten, ein offenes Ohr haben und fachliche Expertise nutzen. Was wir nicht sollten, Herr Kumbartzky, ist, die Debatte anzuheizen, zu polemisieren, mit Halbwahrheiten zu arbeiten und bewusst die Stimmung am Kochen zu halten. Das ist unverantwortlich. Glauben Sie mir, ich war auf genug Veranstaltungen, um das beurteilen zu können. Es ist jedem selbst überlassen, ob er sich neben toten Schafen fotografieren lässt und das dann medienwirksam präsentiert, keine Frage. Andere posten auch Lammkoteletts. Und natürlich ist es für die Öffentlichkeit leider auch interessanter, Berichte über halbangefressene Schafe zu lesen als etwas über die vielen guten Beispiele des Herdenschutzes. Es gibt viele Schafhalter, die in Schleswig-Holstein gut zurechtkommen. Natürlich ist der Schutz mühsam, aber die machen das. Liebe Kolleginnen und Kollegen, nun zur Aufnahme ins Jagdrecht. Was mit der FDP nicht gelungen ist, mit den Grünen klappt es! (Zuruf Oliver Kumbartzky [FDP]) (Sandra Redmann) Die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht dürfte Jägerinnen und Jägern eine Nottötung ermöglichen und macht es damit für diese erst so richtig kompliziert. Denn jeder von Jägerinnen und Jägern erlöste Wolf muss bei den Behörden abgegeben und von diesen untersucht werden. Die Tötung eines überlebensfähigen Wolfs wird zu einer strafrechtlichen Verfolgung gegen den Jäger führen. Mit der Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht werden bei maßgeblichen Entscheidungen nun immer zwei Behörden einvernehmlich entscheiden müssen, nämlich die Jagdund die Naturschutzbehörde. Für eine tierschutzgerechte Tötung haben wir seit 2016 bereits ein bewährtes Verfahren. Was also veranlasst Sie zu der Annahme, dass die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht wirksamer ist als die Präventionsförderung? Es sind dadurch so viele Fragen offen und müssen mühsam neu geklärt werden. Eine für uns ganz wesentliche Frage: Die in den Naturschutzbehörden aufgebaute Kompetenz im Wolfsmanagement ist vorhanden und bewährt. Der Aufbau einer Parallelstruktur – und das haben Sie sich selbst zuzuschreiben – im Jagdministerium ist langwierig, teuer und aufgrund begrenzter Experten und begrenzten Ehrenamtspersonals eigentlich unmöglich. Viele Jägerinnen und Jäger wollen das eigentlich auch gar nicht. Liebe Grüne, da haben Sie sich leider über den Tisch ziehen lassen. Das weiß auch die FDP und setzt deshalb noch einen obendrauf. (Zuruf Eka von Kalben [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Sie will im Grunde gar keine Wölfe mehr, sagt es nur nicht direkt. Dabei schrecken sie vor keiner noch so billigen Begründung zurück. Fakten stören da eher. Coole Sprüche, ein paar markige Sätze hier und da, auf Veranstaltungen den Anti-Wolf machen. Sie zerstören hier bewusst gewachsene Strukturen, die natürlich immer wieder mit Nachbesserungen funktioniert haben, ob mit Tierschutzbegründung oder mit Populismus ist eigentlich egal. Sie werden dem Wolfsmanagement und auch den Weidetierhaltern in Schleswig-Holstein damit einen Bärendienst erweisen. – Vielen Dank. (Beifall SPD und Eka von Kalben [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

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