Eka von Kalben
Ich erteile nun dem Minister für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur, Tobias Goldschmidt, das Wort. Tobias Goldschmidt, Minister für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Das Gänsemanagement ist immer wieder Thema im Landtag gewesen. Die Diskussionen sind immer emotional. Das hat damit zu tun, dass es eigentlich um etwas ganz anderes geht. Es geht um das Verhältnis von Natur und menschlicher Nutzung. Da gibt es Reibung. Und wenn Reibung da ist, entstehen Energie und Emotion. So ist das auch bei diesem Thema. Es geht darum, die menschliche Nutzung mit dem Naturschutz in Einklang zu bringen, denn beides gehört zusammen. Das eine funktioniert gar nicht ohne das andere. Menschliches Leben ohne Nutzung von Flächen funktioniert nicht, aber menschliches Leben funktioniert auch nicht ohne funktionierende Lebensräume. Deswegen geht es darum, beides zusammenzubringen. Deswegen diskutieren wir darüber so gerne, so viel und so emotional. Das war jetzt eine etwas technische Beschreibung der Situation. Ganz praktisch gibt es aber viele Probleme. Die sind hier heute auf den Tisch gekommen. Es gibt reale Schwierigkeiten und Belastungen für einige Landwirtinnen und Landwirte im Land. Mit denen muss Politik umgehen, und mit denen muss auch Naturschutzpolitik umgehen. Deswegen haben Herr Minister Schwarz und ich einen Antrag in Brüssel gestellt, die Nonnengans in den Anhang II der Vogelschutzrichtlinie zu übernehmen. Das würde ermöglichen, sie auch ins Jagdrecht zu übernehmen und sie zu bejagen, als einen Baustein zum Bestandsmanagement der Weißwangengans. Anders als die FDP es gerade dargestellt hat, ist es nicht so, dass wir landespolitisch nichts machen. Erstens haben wir den Brief geschrieben, und zweitens sind wir das einzige Bundesland, das schon heute eine Bejagung von Weißwangengänsen im Zuge von Ausnahmen ermöglicht. (Oliver Kumbartzky [FDP]: Wow!) Etwa 3.000 Weißwangengänse sind entnommen worden. Die Jagd ist aber nicht das einzige Instrument. Das ist mehrfach angesprochen worden. Es gibt einen ganzen Kasten an Bausteinen des Gänsemanagements. Dazu gehören der Vertragsnaturschutz, die Gänsepoolflächen und Pachtnachlässe – all das machen wir, um die Landwirtschaft und den Naturschutz zusammenzukriegen. Das werden wir weiter tun. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Oliver Kumbartzky [FDP]: Weiter so hilflos!) – Ja, aber was wir über das Weiter-so hinaus tun werden, habe ich gerade beschrieben und werde ich auch weiter beschreiben. Denn im Antrag wird gefordert, dass wir die landeseigenen Flächen so bewirtschaften, dass sie für die Gänse interessant werden und so den Druck von den landwirtschaftlichen Flächen runternehmen. Das tun wir zum Beispiel in den Naturschutzkögen. Wir sind dabei, das Land offenzuhalten, Röhricht und Gehölze zurückzudrängen und so die Flächen für die Gänse zu öffnen, sodass sie da Nahrung finden und von den landwirtschaftlichen Flächen wegbleiben. Das hat einen doppelten Nutzen. Denn das hilft auch den Wiesenvögeln. Die Wiesenvögel sind bedroht, und es ist eine ganz wichtige Aufgabe des Landes Schleswig-Holstein, sich um die Wiesenvögel zu kümmern. Es ist richtig, was Herr Dirschauer gesagt hat, dass Gänsemanagement und Wiesenvogelschutz zusammen gedacht werden müssen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SSW und Cornelia Schmachtenberg [CDU]) Wir sind auf einem Weg der fortlaufenden Optimierung und Nachsteuerung auf den landeseigenen Flächen. Dazu gehört natürlich auch, dass wir uns die (Minister Tobias Goldschmidt) verpachteten Deich- und Vorlandflächen angucken und darauf achten, dass sie für die Gänse attraktiv bleiben, sodass sie von den landwirtschaftlichen Flächen wegbleiben. Wichtig ist aber – das ist in der Debatte auch angeklungen –, einmal festzuhalten, dass auch Meeresvögel zu Schleswig-Holstein gehören, dass auch die Weißwangengans zur Kultur des Landes SchleswigHolstein gehört und unbedingt geschützt werden muss. Deswegen werden wir darauf achten, falls es eine positive Antwort der Kommission gibt und die Weißwangengans ins Jagdrecht überführt wird, dass das nicht dazu führt, dass der Erhaltungszustand in irgendeiner Art beeinträchtigt wird. (Oliver Kumbartzky [FDP]: Das Antwortschreiben öffnen Sie schon, ja?) – Natürlich, ich habe gerade von der möglichen Übernahme ins Jagdrecht gesprochen und worauf wir dann achten werden. Wichtig ist auch – damit möchte ich enden –, dass wir uns noch einmal mit den Ursachen befassen, warum die Population in den Wintermonaten so ist, wie sie ist, nämlich zu hoch für die Landwirtschaft. Das hat mit dem Klimawandel zu tun. Die Weißwangengans zieht eigentlich durch und rastet hier nur kurz zwischen. Wir beobachten aber, dass die Rastzeiten immer länger werden, dass die Anzahl der Tiere höher wird und dass die Gänse vor allem auch deshalb länger bleiben, weil sie viel Nahrung finden. Viel Nahrung finden sie deshalb, weil hier eine intensive Landwirtschaft betrieben wird. Wir müssen an beides ran: Wir müssen den Klimawandel stoppen und bremsen, und wir müssen zu einer klimaangepassten, klimagerechten Landwirtschaft kommen. Nur das wird das Problem mit dem Gänsefraß gerade an der Westküste an der Wurzel lösen. Es ist in der Umweltpolitik immer so, dass Probleme am besten an der Wurzel gepackt werden. Das sollten wir gemeinsam tun. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU)
