Silke Backsen
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Verehrte Gäste! Ich danke dem Minister für seinen Bericht. Wir haben sicher alle in den Medien gehört, dass Corona und die damit verbundenen Reise- und auch Lebenseinschränkungen zu einem Run auf die heimische Natur geführt haben. – Auch ich habe keine Zahlen mit, Kollege Buchholz, glaube aber, dass wir sicherlich noch Zahlen bekommen werden, wenn Sie darauf bestehen. Ich war ein bisschen irritiert über Ihre sehr lockere Wortwahl eben. (Heiterkeit CDU – Unruhe) Die Schilderungen der betreuenden Verbände haben uns gezeigt, dass auch Naturschutzgebiete in Schleswig-Holstein überrannt wurden und eine natürlich auch verständliche intensivere Nutzung der Natur durch uns Menschen stattgefunden hat. Warum brauchen wir Menschen überhaupt die Natur? Warum wird dies vielleicht erst durch ein verändertes Verhalten in einem sogenannten Lockdown wieder sichtbar und spürbar? – Wie alle Lebewesen hier auf dem Planeten gehört auch der Mensch zur Natur. Wir brauchen Sauerstoff, um zu atmen, Wasser und Nahrung und ein Klima, in dem wir leben können. Manchmal brauchen wir die Natur einfach nur, um sprichwörtlich Luft zu holen, den Kopf freizubekommen oder mal wieder inneren Frieden zu finden. Wir sind ein Teil der Natur. Deshalb sind der Naturschutz und der Erhalt unserer vielfältigen Ökosysteme auch so elementar wichtig. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Wir verlieren allerdings oft den Blick dafür und fühlen uns vielleicht abgetrennt von der Umwelt. Mir geht es tatsächlich oft so, wenn ich hier bin – auch wenn ich jetzt Kollegen schmunzeln sehe. Wir brauchen Informationen, Hilfe und Menschen, die uns wieder den Blick für die unfassbare Vielfalt der Natur öffnen, für die dynamischen Veränderungen und die komplexe Verbundenheit zwischen allen Elementen. Ja, es wird nicht mehr viel darüber berichtet – auch hier nicht –, aber der Verlust unserer Arten, also die Biodiversitätskrise – ein Wort, das wir wirklich lange nicht mehr gehört haben – und die Zerstörung unserer Ökosysteme, gehen weiterhin weltweit ungebremst voran. Ich freue mich immer sehr, wenn ich sehe, dass es die Menschen in die Natur hinauszieht, dass sie bereit sind, die Vielfalt und Schönheit wiederzuentdecken. Denn genau dann wird wieder ein Verständnis für den Naturschutz wachsen. Wenn wir Menschen spüren, wie viel die Natur zu bieten hat, sind wir eher bereit, sie zu schützen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Wir wollen die Menschen auf keinen Fall aus der Natur aussperren, auch nicht aus den störungsempfindlichen Gebieten, denn die sind natürlich besonders reizvoll. Wir wollen die Menschen mitnehmen, aufklären und informieren. Dennoch müssen wir feststellen, dass die Natur Schaden nimmt, wo der Freizeitdruck zu hoch ist, wenn die Menschen sich unachtsam verhalten. Meist geschieht dies nicht mit Absicht, sondern aus Unwissenheit oder mangelndem Bewusstsein. Unser aller Ziel muss es sein, das Wissen um die Zusammenhänge in der Natur und das Bewusstsein für die Störungsanfälligkeit zu stärken, denn – Zitat Konrad Lorenz –, Nur, was ich kenne, das liebe ich, und nur, was ich liebe, das kann ich auch schützen. Wir sind davon überzeugt, dass die allermeisten Menschen eigentlich das erhalten und schützen möchten, was sie kennen und lieben gelernt haben. Überall dort, wo wir hier im Land wertvolle Flächen für den Naturschutz haben, gibt es erfreulicherweise auch viele Menschen, die sich um die Entwicklung und die Betreuung dieser Gebiete kümmern und über deren Besonderheiten und Empfindlichkeiten aufklären. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal wirklich sehr herzlich all diesen Menschen, die oft ehrenamtlich arbeiten und mit so (Silke Backsen) viel Herzblut dabei sind, unseren herzlichen Dank für diese wichtige Aufgabe aussprechen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU und Marc Timmer [SPD]) Wir möchten mit diesem Antrag – mit dem Bericht oder dem Weg, der jetzt gegangen wird – die bestehenden Strukturen einfach durch hauptamtliche Stellen stärken und Synergieeffekte nutzen. Wir wollen die qualitativ hochwertige Naturschutzarbeit vor Ort mit einem System hauptamtlicher Rangerinnen und Ranger unterstützen und dieses System aufbauen. Die Landesregierung hat, wie im Koalitionsvertrag beschrieben, diesen Aspekt aufgegriffen und bereits die Ansätze für ein Konzept entwickelt. Ich begrüße das wirklich sehr und freue mich, dass diese wichtige Aufgabe umgesetzt wird. Die Rangerinnen und Ranger werden die ehrenamtliche Schutzgebietsbetreuung mit Informations- und Bildungsarbeit tatkräftig unterstützen. Sie werden vor allen Dingen präventiv dafür sorgen, dass es möglichst gar nicht erst zu Verstößen gegen das Naturschutzrecht kommt. Ich freue mich wirklich sehr, dass wir in dieser wichtigen Aufgabe ein Stück vorankommen, und danke sehr für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, SSW, Sandra Redmann [SPD], Thomas Hölck [SPD] und Marc Timmer [SPD])
