Martin Habersaat
Vielen Dank, Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Als ich 2004 mein Referendariat an der - Freitag, 2. September 2022 327 Sachsenwaldschule in Reinbek angetreten habe, da erhielt ich die Broschüre „Informations- und Vorbereitungsdienst für Lehrkräfte in Ausbildung“. Die Herren Riecke-Baulecke und Glindemann schrieben seinerzeit im Vorwort: „Um eine möglichst hohe Qualität der Ausbildung zu gewährleisten, orientiert sich die Ausbildung durch Schule und IQSH an Standards. Sie erhalten mit den allgemeinen Ausbildungsstandards und mit den Ergänzungen in den Fächern und Fachrichtungen einen genauen Überblick darüber, welche Ziele erreicht werden sollen.“ Ausbildungsstandard 14 lautete seinerzeit: „Die Lehrkraft i. A. evaluiert den eigenen Unterricht systematisch unter Einbeziehung der Lernenden.“ Das war also bereits vor knapp 20 Jahren ein Standard, an dem angehende Lehrkräfte in SchleswigHolstein gemessen wurden. Seit 2015 enthält die Handreichung des IQSH für Ausbildungslehrkräfte eine ganze Seite mit Feedbackitems und dazu passenden Fragen, die Lehrkräfte an die Schülerinnen und Schüler richten können. Seit Februar 2016 können Schulen an einem dialogorientierten Rückmeldesystem teilnehmen. Im Blickpunkt des Verfahrens steht dabei die Unterrichtsentwicklung. Sie wird auf der Basis eines Orientierungsrahmens Schulqualität unterteilt. Er beschreibt in fünf Dimensionen, was in SchleswigHolstein unter einer guten Schule verstanden wird. Um das Verfahren transparent zu gestalten, gibt es zum Schulfeedback ein Handbuch. Auch da ist das Thema Schülerfeedback ausdrücklich als Kriterium guter Schule beschrieben. Das ist alles schon ziemlich strukturiert und systematisch, und das gibt es alles schon. Das haben Sie ja auch gesagt. Ich gespannt darauf, dass Sie mir beizeiten einmal den Unterschied zwischen strukturiert und systematisch erklären, weil das eine in der Überschrift steht und das andere im Berichtsantrag und beides ein bisschen durcheinanderläuft. Aber irgendwie geht es um Schülerfeedback, und das finden alle wichtig. Ich dachte, jetzt kommt etwas Neues, wenn Sie finden, dass der SchleswigHolsteinische Landtag sich damit eine halbe Stunde befassen soll. Allerdings war es andererseits auch Punkt Nummer 7 von 110 Punkten aus einem 100- Tage-Programm, die auch nicht alle so richtig bedeutungsschwanger waren. (Zuruf Dr. Bernd Buchholz [FDP]) (Martin Habersaat) Interessieren würde mich die Frage, was denn passiert, wenn Lehrkräfte das nicht tun. Das ist ja immer die spannende Frage. Wir debattieren hier Dinge, die wir den Schulen vorschreiben. Wir wissen, dass es viele Schulen nicht machen. Viele Kolleginnen und Kollegen sind auch nicht dabei. Und wie strukturiert und systematisch gehen wir dann damit um? Darauf kommen wir am Beispiel des Schwimmunterrichts sicherlich im nächsten Monat noch einmal zurück. Ich habe mir dieses 110-Punkte-Programm anlässlich der heutigen Debatte noch einmal angeschaut. Dem Kollegen Koch, der jetzt leider nicht da ist, wollte ich noch gratulieren, weil 110 immerhin doppelt so viele wie 55 sind, allerdings nur die Hälfte von 220. (Lukas Kilian [CDU]: So kann man auch die Zeit füllen!) Wenn man sich das genau anschaut, stellt man fest: 20 von den Punkten sind schlicht die Fortsetzung bestehender Maßnahmen. (Zuruf Lukas Kilian [CDU] – Weitere Zurufe) Fünfzehnmal finden sich Dinge, die in diesem 100- Tage-Zeitraum ohnehin anstanden. Dreizehnmal werden Dinge geprüft oder Gespräche geführt, neunmal werden Initiativen vorbereitet – immerhin –, und zweimal werden Arbeitsgruppen gegründet. Bleiben nur 51 Punkte übrig. Und das ist dann nicht einmal mehr die Hälfte von 110. Ich halte fest: Mindestens seit 2004 ist Schülerfeedback Teil der Lehrkräfteausbildung in SchleswigHolstein. (Zuruf Lukas Kilian [CDU]) Seit 2016 ist Schülerfeedback Kriterium einer externen Evaluation von Schulen. 2022 bittet nun die Koalition die Landesregierung in einem ihrer hammerharten Anträge um einen mündlichen Bericht zur Einführung eines systematischen Schülerfeedbacks in Schleswig-Holstein, das es in weiten Teilen schlicht und ergreifend schon gibt. Interessant wäre vielleicht, über einen anderen Punkt in dem 110-Punkte-Programm zu lesen. Da steht die Erstellung eines Katalogs zur Lehrkräftesicherung. Das wird eine der großen Herausforderungen für uns in der kommenden Legislaturperiode sein, Kollege Kilian. (Vereinzelter Beifall SSW – Zuruf Lukas Kilian [CDU]) Das Thema fand sich interessanterweise auch schon im 100-Tage-Programm von 2017. Damals kündigte sie an, Vorbereitungen für ein Lehrkräftebedarfsanalyse-Tool zu treffen. Für das haben Sie inzwischen über 100.000 Euro ausgegeben, und jedenfalls fünf Jahre danach hatte dieses Tool noch keine brauchbaren Zahlen geliefert. Vielleicht haben Sie auch einfach mit 100-Tage-Programmen kein Glück, und der heutige Tagesordnungspunkt ist in dieser Rubrik zu verbuchen. – Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit. (Beifall SPD und SSW)
