Martin Balasus
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst einmal möchte ich die Gelegenheit nutzen, um mein Feedback zu geben: Es war ein wirklich gelungener Bericht unserer Bildungsministerin. Außerdem möchte ich ihr und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bildungsministeriums für die gute Arbeit danken, die sie Tag für Tag leisten. (Beifall) - Freitag, 2. September 2022 325 Nun aber vom Ministerfeedback zum Schülerfeedback. Hand aufs Herz, wir wüssten doch alle gern, wie andere Menschen uns sehen, wie sie über uns und unsere Arbeit denken, was sie an uns schätzen und was vielleicht auch nicht so sehr. Nur so können wir reflektieren und überlegen, wie wir handeln müssen, damit wir besser mit unseren Mitmenschen zurechtkommen. Ein offener, ehrlicher Austausch kann Frustrationen und manchmal vielleicht sogar Streitigkeiten vermindern und die Zusammenarbeit gedeihlicher gestalten. Genau diese Chance möchten wir Lehrerinnen und Lehrern und Schülerinnen und Schülern einräumen. Die Zeiten von oben nach unten sind ja zum Glück auch in der Schule längst passé. Es geht stattdessen um Begegnungen auf Augenhöhe, um gegenseitige Wertschätzung. Besseres Klima bringt auch bessere Lernergebnisse. Genau die brauchen und wollen wir an unseren Schulen. Die Basis dafür ist Offenheit. Deshalb möchten wir ein strukturiertes Schülerfeedbacksystem einführen, mit dem Schülerinnen und Schüler ihren Lehrerinnen und Lehrern ihre Meinung kundtun können. Auf diese Weise kann der Unterricht auf die Lernvoraussetzungen und Lernbedürfnisse abgestimmt werden. Gleichzeitig werden die Heranwachsenden ernst genommen, sie sind zufriedener und lernen intensiver und auch nachhaltiger. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Jetzt wird vielleicht der eine oder andere sagen: Halt, stopp! Das gibt es doch bereits, das mache ich doch schon. Das sagte die Ministerin ja auch gerade. Feedbackmethoden sind bereits Bestandteil der Lehrerausbildung, und viele Pädagoginnen und Pädagogen wenden sie bereits im Unterricht an. Es gibt Methoden wie die Zielscheibe, den Fragebogen oder die Fünf-Finger-Feedbackmethode. All das habe ich selbst im Referendariat kennengelernt. Nun geht es aber darum, dass wir einen verbindlichen Werkzeugkasten entwickeln. Das IQSH erarbeitet dazu die Details mit dem Ziel, dass der Austausch zwischen Schüler- und Lehrerschaft professionalisiert und standardisiert wird. Wir etablieren damit eine feste Dialogkultur an unseren Schulen. Meine Überzeugung dabei ist: Schülerinnen und Schüler fühlen sich durch diese Art der Partizipation wertgeschätzt und ernst genommen. Gerade nach den beiden letzten Jahren, die von der Pandemie geprägt waren, die weiß Gott nicht leicht waren für unsere Schülerinnen und Schüler, halte ich das für ein ganz besonders wichtiges Instru- (Martin Balasus) ment, das genau zur richtigen Zeit kommt. Mit dem Schülerfeedback geben wir den Schülerinnen und Schülern einen weiteren Baustein im Demokratisierungsprozess von Schulstrukturen an die Hand. Jetzt wechsele ich die Perspektive von den Schülerinnen und Schülern zu den Lehrerinnen und Lehrern: Auch die Lehrenden werden profitieren. Viele werden tolle Anregungen und schöne Rückmeldungen erhalten. Mir selbst wurde einmal gesagt, dass ich an manchen Tagen vielleicht zu viel Hausaufgaben aufgebe. Das konnte ich dann anders verteilen. Natürlich gibt es auch andere Formen. Wie in jedem Beruf, so wird es auch unter Lehrerinnen und Lehrern sicher einige geben, denen so Verbesserungspotenzial aufgezeigt werden wird. Ihnen täte eine konkrete Rückmeldung zu ihrer Unterrichtsqualität vielleicht ganz gut. Sie können so frühzeitig verstehen, wo Kindern und Jugendlichen der Schuh drückt. Das ist auf jeden Fall viel besser als das allgemeine Schulhofgeraune oder komplizierte Elterngespräche. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Aus diesen Gründen halten wir das strukturierte Schülerfeedback für ein wertvolles Instrument für mehr Beteiligung und für mehr Transparenz an unseren Schulen. Wir freuen uns darauf, wenn das zeitnah eingeführt wird. – Vielen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
