Karin Prien
Alte Gewissheiten wie die Friedensordnung in Europa werden von heute auf morgen infrage gestellt. Die plötzliche Veränderung wird für junge Menschen fast selbstverständlich zu ihrem Alltag. Aber was macht das mit jungen Menschen? – Gefühle des Kontrollverlusts und die Sorge, eigene Belange nicht mehr steuern zu können, sind eine von vielen Folgen, die die Pandemie gerade für Kinder und Jugendliche gehabt hat. Es ist als Gesellschaft unsere dringliche Aufgabe, die Resilienz, also die psychische Widerstandsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen zu stärken, sie zu befähigen, Krisen und Rückschläge besser zu meistern und mit Zuversicht in die Zukunft zu gehen. Das ist heute eines der wichtigsten Erziehungsziele nicht nur von Eltern und Familie, sondern eben auch von Schule. Deshalb müssen wir den Schülerinnen und Schülern in der Schule Erfahrungen der Selbstwirksamkeit ermöglichen. Wir müssen ihnen die Gewissheit geben, ihr Leben selbst gestalten zu können, etwas zu bewirken, gesehen und gehört zu werden, wie es die Kinder in einer Grundschule in unserem PerspektivSchul-Programm formuliert haben. Nur so ermöglichen wir ihnen langfristig die echte Teilhabe an unserer Gesellschaft und stärken ihre Kompetenz, das eigene Leben selbstverantwortlich und erfolgreich zu gestalten. Das ist die Grundvoraussetzung für die Stabilität unserer Gesellschaft und unserer demokratischen Ordnung. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Meine Damen und Herren, das Schülerfeedback ist ein wirkungsvolles und – das möchte ich betonen – gut erprobtes Instrument, um die Selbstwirksamkeit und auch die Resilienz von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Schülerfeedback macht Schülerinnen und Schüler zu Handelnden im Lehr- und Lernprozess. Sie bekommen eine Stimme und erkennen, dass ihre Perspektive wertgeschätzt wird. Sie entwickeln ein Verständnis für die Bedeutung der freien Meinungsäußerung und erleben, dass sie etwas verändern können. Gleichzeitig lernen sie, andere Meinungen zu akzeptieren und Kompromisse zu finden. Das Schülerfeedback ist damit auch ein wichtiges Instrument zur Stärkung der Demokratiebildung an unseren Schulen. Zudem regt das Schülerfeedback die Schülerinnen und Schüler an, differenziert über den Unterricht und seine Bestandteile sowie über ihre eigene Rolle dabei nachzudenken. Es bietet auch die Gelegenheit, sich mit Kriterien einer konstruktiven Rückmeldung vertraut zu machen und eigene Einflussmöglichkeiten zu erfahren. Nicht zuletzt reflektieren Schülerinnen und Schüler dadurch ihr eigenes Lernverhalten und erkennen, welche Unterstützung sie brauchen, um besser lernen zu können. Viele Lehrkräfte in Schleswig-Holstein nutzen bereits erfolgreich das Schülerfeedback als selbstverständlichen Teil ihrer Unterrichtsentwicklung. Viele Schulen haben Feedbackverfahren in ihrer Schulentwicklung verankert. Auf Grundlage dieser Erfahrungen wollen wir das Schülerfeedback flächendeckend einführen. Um die Schulen bei der Umsetzung zu unterstützen, wird das IQSH in Kürze eine Handreichung herausgeben und die zusätzlichen Fortbildungsangebote und neuen weiterentwickelten Instrumente auch im Fachportal des IQSH zur Verfügung stellen. Für Schulen oder einzelne Lehrkräfte, die dem Schülerfeedback vielleicht sogar ängstlich gegenüberstehen, gibt es zum Beispiel Kommunikationstraining als ersten vertrauensbildenden Schritt hin zur Feedbackkultur. Hat eine Schule sich hingegen schon für das Schülerfeedback entschieden, führt sie zunächst über die zentrale Befragungsplattform LeOniE eine Befragung durch. Auf Basis der Ergebnisse werden gegebenenfalls mit Unterstützung des IQSH Maßnahmen zur Schulunterrichtsentwicklung abgeleitet und ergriffen. Besteht durch die Auswertung der Befragung ein Bedarf zur Begleitung der Schule, bietet das IQSH Unterstützungs- und Beratungsmöglichkeiten an. Das Schülerfeedback ist damit auch wissenschaftlich ein bestätigtes Mittel zur Qualitätssteigerung an unseren Schulen. Wird Schülerfeedback in die Unterrichtsentwicklung einbezogen, fördert es zu- (Ministerin Karin Prien) dem die Motivation der Schülerinnen und Schüler und trägt zu besseren Leistungsergebnissen bei. Mit der vom IQSH begleiteten Nutzung des Schülerfeedbacks ist damit auch das Ziel verbunden, Schülerleistungen in Schleswig-Holstein zu befördern und zu verbessern. Die Bedeutung der Kommunikation mit den Schülerinnen und Schülern wurde zuletzt besonders im Rahmen der fünf Regionalkonferenzen mit Vertretungen aus Schule, Schülerschaft und Elternschaft sowie Verbänden, Politik und Wissenschaft deutlich. Ein Wunsch, der dabei immer wieder genannt wurde, war der Wunsch nach Feedbackmöglichkeiten. Sowohl der Koalitionsvertrag als auch das Rahmenkonzept für das Schuljahr 2022/23 weisen deshalb regelmäßiges Schülerfeedback als Instrument zur Unterrichts- und Schulentwicklung mit aus. Bei der Weiterentwicklung des Verfahrens werden die Landesschülervertretungen einbezogen. Meine Damen und Herren, eine gute Feedbackkultur ist geprägt von Offenheit und gegenseitigem Vertrauen. Es geht um Partizipation und Kommunikation, um das Erkennen von Fehlern und den gemeinsamen konstruktiven Umgang damit. Es geht um die wertvolle Zuversicht, etwas verändern zu können und miteinander besser zu werden. – Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
