Sophia Schiebe
Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Liebe Landtagskolleginnen und Landtagskollegen! In unserer früheren Kindheit werden die Grundlagen für unser späteres Leben gelegt. Unsere Fähigkeiten werden gestärkt und unsere Werte im Umgang mit anderen Menschen, mit uns selbst und mit der Umwelt bestimmt. Folglich sind unsere Kindertageseinrichtungen nicht bloße Betreuungsmöglichkeiten und bieten die Chance auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sie sind Bildungseinrichtungen. Damit jedes Kind unabhängig von der Herkunft die gleichen Chancen hat, das Beste aus seinem Leben zu machen, muss Bildung kostenlos sein: von der Kita bis zum Meister oder Master! (Beifall SPD und Lars Harms [SSW]) (Sophia Schiebe) Schleswig-Holstein ist das einzige Bundesland im Norden, das keine Gebührenfreiheit in Krippen, Kitas und in der Kindertagespflege hat. Eine gute Kinderbetreuung ist aber eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Daher muss es das Ziel von uns allen sein, auch in Schleswig-Holstein die Kita für Familien schrittweise beitragsfrei zu machen. Damit fördern wir einen guten Start für alle Kinder und ihre Eltern. Aktuell wird unser Leben aufgrund der gestiegenen Energiekosten immer teurer. Unsere Familien trifft die derzeit hohe Inflation besonders hart. Deshalb müssen wir sie jetzt, wo immer es nur möglich ist, auch entlasten. Dabei reicht es nicht, nur einen Blick in den Bund zu werfen. Auch wir als Land müssen hier Verantwortung übernehmen und einen Beitrag leisten. Wir dürfen den aktuellen Entwicklungen nicht einfach tatenlos zusehen. Liebe schwarz-grüne Landesregierung, machen Sie daher jetzt bitte den Weg in Richtung Kita-Beitragsfreiheit endlich frei. (Beifall SPD und SSW) Gern werden an dieser Stelle die Beitragsfreiheit und die Qualität in unseren Kindertageseinrichtungen gegeneinander ausgespielt: Man könne entweder nur das eine oder das andere haben. – Das sehen wir als SPD-Fraktion anders. Während des Wahlkampfes wurden wir immer belächelt, es sei nicht genügend Geld da, um beides zu realisieren. Siehe da: Dieses Jahr fallen die Steuerschätzungen größer aus als gedacht. Also, liebe Landesregierung: Es scheint ja mehr Geld da zu sein. Jetzt heißt es für Sie: Prioritäten setzen. Der Fachkräftemangel ist in allen Bereichen der Erziehungsberufe deutlich spürbar. Dem müssen wir wirksam begegnen. Ein wichtiger Schritt wäre es, die Rahmenbedingungen und die Entlohnung zu verbessern. Wir brauchen eine echte Fachkräfteoffensive, um dem ansteigenden Personalbedarf entgegenzutreten. Eine Karriere als Erzieher oder Erzieherin fängt mit der Ausbildung an. Deshalb fordern wir eine angemessene Ausbildungsvergütung für alle Erziehungs- und Sozialberufe. (Beifall SPD und Dr. Heiner Garg [FDP]) Das PiA-Modell im Bereich der Erzieherinnenausbildung ist ein erfolgreiches Beispiel dafür, welches stetig weiter ausgebaut werden soll. Das Sozialministerium fördert nun 350 PiA-Plätze. Das ist gut. Uns allen muss aber bewusst sein, dass die Plätze nicht ausreichen und wir weitere Plätze be-- Mittwoch, 31. August 2022 161 nötigen. Das haben wir in der letzten Haushaltsberatung genau so gefordert. Insgesamt müssen die Ausbildungs- und Schulplätze bedarfsgerecht in Schleswig-Holstein vorhanden sein. Für bessere Rahmenbedingungen in der frühkindlichen Bildung brauchen wir jetzt eine Nachbesserung der Kitareform. Das sieht anscheinend auch die Landesregierung so. Andernfalls können wir uns nicht erklären, warum bereits jetzt die bestehenden Mittel des SQKM nicht ausreichen und von der Koalition ein Personalergänzungsfonds gefordert wird. Ein neuer Fonds ist allerdings ein neues Parallelsystem. Wir schlagen daher vor, das Gesetz anzupassen und somit eine langfristige Finanzierung von unterstützendem Personal in unseren Kitas zu gewährleisten. Sprache ist der Schlüssel, mit dem sich Kinder die Welt erschließen können. Der Erwerb sprachlicher Kompetenzen ist das Fundament, auf dem spätere Bildungskarrieren aufgebaut werden können. Von den Sprach-Kitas profitieren alle Kinder, aber insbesondere Kinder, die aus schwierigen Familienverhältnissen stammen, oder Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Deshalb muss die Landesregierung den Fortbestand der Sprach-Kitas sicherstellen oder zumindest, bis ein neues Förderprogramm des Bundes gewährleistet ist, den Übergang finanzieren. Schließlich ist Kitapolitik Landessache. Liebe Landtagskolleginnen, liebe Landtagskollegen, lassen Sie uns unseren Kindern in SchleswigHolstein einen guten Start in ihr Leben ermöglichen und hier in unserer Politik Prioritäten setzen. (Beifall SPD und SSW)
