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Alexander Dierks

17.09.2026 Sitzungen 8/34

Das war Staatsminister Conrad Clemens für die Staatsregierung in der ersten Aktuellen Debatte, die meinem Dafürhalten nach nun abgeschlossen zu sein scheint. – Das ist so. Wir kommen zu Debatte nicht wegbaggern – weiter ausbauen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Deswegen ist dieses Thema damals einfach fallen gelassen worden. Das war schon 1990. Sie wollen nicht wissen, wie sich mögliche Kostensteigerungen heute auf dieses Projekt auswirken würden. Seitdem hat der Freistaat Sachsen – wenn es um eine Beteiligung auf tschechischer Seite ging – klar gesagt: Nein, das Kosten-Nutzen-Verhältnis spricht dagegen. Die Risiken und die Schäden, die angerichtet werden, sind viel größer als der Nutzen. Nun hören wir, dass es dazu neue Überlegungen bei unserem sächsischen Umweltminister gibt. Um für alle, die sich nicht täglich mit der Elbe beschäftigen, kurz zu erläutern, warum das so ist: Die Elbe ist einer der längsten Flüsse Europas. Über die Bedeutung dieses Flusses für unsere Heimat – gerade für Sachsen und für Deutschland – müssen wir nicht sprechen. Seit dem Wiener Kongress 1815 ist die Elbe internationalisiert, seit den 1840er-Jahren wird sie ausgebaut. In dieser Zeit hat man die Elbe begradigt und eingedeicht. Dabei hat sie – und auch das ist eines ihrer Hauptprobleme – einen großen Teil ihrer 6 200 Quadratkilometer Auenfläche verloren, also Retentionsraum, der Hochwasser aufnimmt und Wasser speichert, wenn zu viel vorhanden ist, auch für die Zeiten, in denen es trocken ist. Von diesen 6 200 Quadratkilometern sind seitdem noch 840 Quadratkilometer übrig, somit nur ein Bruchteil. Das haben wir 2002 bei dem Elbehochwasser schmerzhaft erlebt. Das Wasser konnte nirgendwohin. Das erleben wir auch heute in Trockenphasen, weil das Wasser nicht mehr in der Landschaft gespeichert werden kann. Gleichzeitig machen durch Flussregulierung und Stromausbaumaßnahmen 6 000 Buhnen die Elbe schmaler. Sie sollen für einen schnelleren Abfluss sorgen und verhindern, dass sich Sediment ablagert. Das führt zu einer Elbvertiefung. Es lagert sich nichts mehr ab, und die Elbe hat sich seit diesem Ausbau an verschiedenen Stellen deutlich eingetieft, etwa bei Magdeburg, aber auch bei Torgau um 2 Meter. Wozu führt das? Die Elbe hat sich von einem Fluss mit einer lebendigen Auenlandschaft zu einer großen Drainage entwickelt. Sie entwässert die Landschaft. Das hat dramatische Folgen. Die alte Aue ist nicht mehr an das Wasser angeschlossen. Das hat auch Folgen für die Landwirtschaft, weil dadurch der Grundwasserpegel sinkt. Es geht nicht nur um Natur, sondern auch um knallharte wirtschaftliche Interessen. Man versucht nun mühsam, mit großen Schiffen Schotter hineinzuschütten, damit sich die Sohle hält. Aber das ist ein Kampf gegen Windmühlen. Deshalb ist beim Thema Elbe eigentlich die Frage: Wie schaffen wir es, die Elbe so zu ertüchtigen, dass sie ihrer Funktion als Fluss nachkommen kann? Die Elbe soll ein Fluss in einer lebendigen Auenlandschaft und zugleich ein Fluss mit wirtschaftlichen Funktionen, etwa für die Wasserversorgung, sein. Wir leben in Zeiten des Klimawandels. Bereits 2023 hat man festgestellt, dass es in den 25 Jahren zuvor – wir wissen, was danach passiert ist – allein acht extreme Hochund Niedrigwasserereignisse gab. Die Zeit von 2014 bis 2020 war die abflussärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Man muss nur aus dem Fenster schauen und sehen, was in den letzten Jahren passiert ist. Das wird jedes Jahr schlimmer. Obwohl weniger Wasser in der Elbe ist, sie sich immer weiter eintieft und die Probleme immer größer werden, haben wir gleichzeitig immer größere Bedarfe. Dresden – das ist nur ein Punkt an der Elbe – erwartet, dass sich der Wasserbedarf bis in die 2030er- und 2040er-Jahre auf 235 000 Kubikmeter pro Tag verdoppelt, etwa für unsere Chipindustrie.

Protokoll ↗