Tobias Heller
Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Abgeordnete! Die vorliegende Petition greift ein wichtiges Spannungsfeld auf, nämlich die Frage, wie wir die notwendigen Ziele des Waldumbaus mit einem verantwortungsvollen Umgang mit unserem Wild in Einklang bringen. Der Petent verfolgt dabei im Wesentlichen zwei Anliegen: Erstens. Bewegungsjagden durch den Staatsbetrieb Sachsenforst sollen ab Weihnachten grundsätzlich unterbleiben. Ausnahmen sollen hiervon nur möglich sein, wenn sie stichhaltig begründet sind. Der Hintergrund ist nachvollziehbar. Wiederkäuendes Schalenwild befindet sich im Winter in einer besonderen psychologischen Situation. Stoffwechsel und Bewegungsaktivität werden reduziert, das Nahrungsangebot ist eingeschränkt und die Energiereserven nehmen ab. Gerade in dieser Phase können großflächige und wiederholte Störungen durch Bewegungsjagden eine erhebliche Belastung für das Wild darstellen. Gleichzeitig bedeutet mehr Jagd nicht automatisch weniger Verbiss. Eine pauschale Intensivierung der Jagd zur Erfüllung von Abschussplänen kann deshalb sogar kontraproduktiv sein. Deshalb sollte der Sachsenforst stärker auf ein integriertes Konzept aus Waldumbau, gezielter Bejagung und Wildruhezonen setzen. Jagd sollte möglichst dort konzentriert werden, wo sie tatsächlich notwendig ist, und insbesondere an Verjüngungsschwerpunkten und möglichst in den Monaten August bis Dezember erfolgen. Außerdem sollte einmal die Frage gestellt werden, was tatsächlich wirtschaftlicher und langfristiger wirksam ist: eine große Bewegungsjagd mit erheblichem Personal- und Organisationsaufwand oder ein gezielter mechanischer Schutz besonders gefährdeter Flächen, beispielsweise durch Einzelschutz oder Zäune. Das zweite Anliegen betrifft die Notzeiten. Der Petent fordert, bei starker Schneelage oder anhaltendem Frost und Berichte zu Petitionen – 8/8307 verbindliche Notzeiten auszurufen. Hierzu besteht aus meiner Sicht weiterer Klärungsbedarf. Nach dem Sächsischen Jagdgesetz liegt eine Feststellung von Beginn und Ende einer Jagdzeit beim Jagdausübungsberechtigten. Gerade in den Verwaltungsbezirken des Sachsenforstes selbst ist dieser Jagdausübungsberechtigter. Dadurch könnte sogar ein Zielkonflikt entstehen; denn auf der einen Seite stehen Waldumbau und Abschusspläne, auf der anderen Seite Hege, Tierschutz und Waldgerechtigkeit. Gerade mit Blick auf die letzte Wintersaison in Brandenburg hatten wir teilweise ausgewiesene Notzeiten, im Erzgebirge in Sachsen zum Beispiel kurioserweise gar nicht. Hier muss unser Ziel ein Waldumbau sein, der funktioniert – aber nicht auf dem Rücken der Tiere, die in ihm leben. Leider wird genau darüber in dem Petitionsbericht, der den Petenten zugeht, nicht informiert. Deshalb wollen wir noch einmal etwas Bewegung in die Sache bringen und mit diesen sachlich fundierten Sichtweisen das Ganze unterstreichen. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall AfD)
