Kay Ritter
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! „Sachsen die Wiege der deutschen Automobilindustrie – Standort sichern und gemeinsam die Zukunft gestalten“, so nennen wir heute unsere Aktuelle Debatte. Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir heute über die Zukunft der Automobilindustrie sprechen, sollten wir uns zunächst erinnern, wo diese Geschichte begonnen hat – in Zwickau. Hier begann vor mehr als 120 Jahren eine Entwicklung, die Sachsen und Deutschland weltweit geprägt hat. Einer der Männer, mit denen diese Geschichte verbunden ist, war August Horch. Ein Automobilpionier, ein Ingenieur, ein Unternehmer, aber vor allem ein Mensch mit einer Idee. Die Idee, Automobile zu bauen, die technisch überzeugen und ihrer Zeit voraus sind. Mit August Horch begann in Zwickau eine Automobilgeschichte, die bis heute fortgeschrieben wird. Aus seinen Anfängen entwickelte sich eine der bedeutendsten Industrieregionen Deutschlands. Generationen von Ingenieuren, Facharbeitern, Unternehmern und Zulieferern haben diese Geschichte fortgeschrieben. Genau deshalb ist Sachsen nicht irgendein Industriestandort. Sachsen ist die Wiege der deutschen Automobilindustrie. Geschichte verpflichtet nicht dazu, in der Vergangenheit zu leben. Sie verpflichtet uns aber, Zukunft zu gestalten, und genau darum geht es heute. Zwickau ist ein Standort, der Transformation kann. Wer über die Zukunft der Automobilindustrie spricht, der muss nach Zwickau schauen. Das Volkswagenwerk hat eine Transformation vollzogen, die in ihrer Größenordnung ihresgleichen sucht. Aus einem klassischen Fahrzeugwerk ist ein reiner Standort für die Produktion vollelektrischer Fahrzeuge geworden. Milliarden wurden investiert, Tausende Beschäftige wurden für neue Technologien qualifiziert, Produktionsprozesse wurden neu gedacht, neue Modelle wurden auf die Straße gebracht. Das ist eine gewaltige Leistung. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Hinter diesen Zahlen stehen Menschen: rund 8 000 Beschäftige im Werk, hoch qualifizierte Fachkräfte, Ingenieure, Auszubildende und Meister. Menschen, die nicht nur auf Veränderungen reagieren, sie gestalten Veränderungen. Aber die Stärke des Standorts endet nicht am Werkstor. Hinter den rund 8 000 Beschäftigen bei Volkswagen steht ein weit verzweigtes Netzwerk von Zulieferern, Dienstleistern, mittelständischen Unternehmen in ganz Südwestsachsen. Sie liefern ihre Komponenten, entwickeln Speziallösungen, übernehmen Logistik, Instandhaltung, Werkzeugbau, Software Debatte deutschen Automobilindustrie – die Zukunft gestalten Fraktion CDU Engineering und zahlreiche weitere Leistungen. Viele dieser Unternehmen sind hoch spezialisiert und international erfolgreich. Sie verbinden industrielle Erfahrung mit großer Innovationskraft und sind für die Wettbewerbsfähigkeit des ganzen Standortes unverzichtbar. Wenn in Zwickau ein Fahrzeug entsteht, dann ist es immer auch das Ergebnis regionaler Zusammenarbeit. Deshalb müssen wir bei der Zukunft des Automobilstandortes nicht nur für das Volkswagenwerk sprechen. Wir müssen über die gesamte Wertschöpfungskette sprechen, über die großen und kleinen Zulieferer, über Familienunternehmen und Mittelständler, über Handwerksbetriebe, Logistikunternehmen und technologieorientierte Startups. Ihre Arbeitsplätze und ihre Investitionen hängen ebenso von verlässlichen Rahmenbedingungen ab wie die Beschäftigten im Werk selbst. Zwickau hat etwas ganz Entscheidendes bewiesen. Dieser Standort kann Wandel, und genau deshalb bin ich überzeugt: Zwickau hat Zukunft, vom ersten Automobil zur Mobilität von morgen. Wenn wir heute auf die Geschichte von August Horch zurückblicken, dann erkennen wir etwas Bemerkenswertes: Auch damals war der Fortschritt nicht selbstverständlich. Auch damals brauchte es Menschen, die bereit waren, neue Wege zu gehen. August Horch konnte nicht wissen, wie das Automobil von morgen einmal aussehen würde. Er wusste nur: Die Zukunft entsteht nicht dadurch, dass man an Bewährtem festhält. Sie entsteht dadurch, dass man den Mut hat, Neues zu entwickeln. Dieser Geist gehört zu Zwickau, und dieser Geist muss auch unsere Antwort auf die Frage sein, wie die heutige Transformation zu leisten ist. Vom Verbrennungsmotor zu Elektromobilität, von der klassischen Fertigung zur intelligenten Fabrik, von mechanischer Ingenieurskunst zu Software, künstlicher Intelligenz und autonomen Systemen. Die Technologie verändert sich, aber die Fähigkeit, Zukunft zu bauen, bleibt. Die Zukunft entsteht nicht allein in einer Produktionshalle. Sie entsteht in einem Netzwerk. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Dieses Netzwerk ist Südwestsachsen. Wer die Fachkräfte von heute für die Technologien von morgen qualifiziert, der sichert Wertschöpfung über Jahrzehnte. Genau deshalb ist der Masterplan Südwestsachsen so wichtig. Südwestsachsen hat das Potenzial, eine Modellregion für die industrielle Zukunft Europas zu werden. Wir als CDU wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass das nächste Kapitel ein Kapitel des Aufbruchs, des Fortschritts und des Erfolges für Zwickau und die Region Südwestsachsen wird. Mein Kollege Thomas Schmidt wird in der zweiten Runde über die Möglichkeiten zur Entfaltung dieser Potenziale berichten. Herzlichen Dank. (Beifall CDU, SPD und Staatsregierung) Erste Vizepräsidentin Ines Saborowski: Schönen Dank. Es sprach für die CDU-Fraktion Herr Kollege Ritter. Nun folgt Herr Kollege Gerold für die AfD-Fraktion.
