Susanne Schaper
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Was eignet sich eigentlich besser für eine Aktuelle Debatte als ein Gedenktag, ein Jubiläum, ein Erinnerungstag? Heute ist zwar nicht der 7. Juni, aber augenscheinlich und sehr nah dran bezieht sich die Debatte auf diesen Tag. Nun war der 7. Juni nicht nur der Tag der Apotheke, sondern er ist auch der Tag des Schokoladeneises. In „apothekisch“ sind das also Stoffe in der Zusammensetzung C , H , O , H , H , N O . 22 11 7 8 4, 2 (Große Heiterkeit und Beifall im Saal) Bei diesen Temperaturen wäre das vielleicht sogar das angenehmere Debattenthema, zumal Speiseeis nicht nur erfrischt. Vielmehr kann ich Ihnen als Krankenschwester und Mutter versichern: Es wirkt bei Halsschmerzen durchaus abschwellend und schmerzlindernd. Versorgungslücken von Eis haben wir im Moment nicht – außer vielleicht hier. Anders sieht das bei Arzneimitteln und Apotheken aus. Deshalb haben wir bereits vor anderthalb Jahren den ersten Antrag zum Thema gestellt. (Zuruf Valentin Lippmann, BÜNDNISGRÜNE) Es freut mich, dass inzwischen viele dieser Forderungen, die damals noch als zu ambitioniert galten, heute deutlich breiter geteilt werden. Das ist nicht zuletzt ein Erfolg der Apothekerinnen und Apotheker sowie ihrer Beschäftigten, die seit Jahren genauso wie wir beharrlich auf das Problem aufmerksam machen. Gleichzeitig sollten wir die Debatte nicht darauf beschränken, wie wir den Status quo erhalten. Die Frage lautet auch: Wie sichern wir die Arzneimittelversorgung der Zukunft? Deshalb haben wir als Linke einen zweiten Antrag vorgelegt. Vielleicht wird es, Herr Kupke, auch wertgeschätzt, dass wir arbeiten, uns Gedanken machen und uns mit den Leuten vor Ort treffen und uns nicht nur hier hinstellen und ningeln, dass andere irgendwie bevorteilt werden. Wir brauchen nicht nur gute Worte für die Apotheken – wie Sie schon sagten –, aber auch nicht ein solch destruktives Geschwätz. Wir brauchen vielmehr einen konkreten Apothekensicherungsplan für Sachsen. Wir wollen nicht erst reagieren, wenn die nächste Apotheke geschlossen wird. Wir wollen Versorgungslücken erkennen, bevor sie entstehen. Deshalb schlagen wir einen Apothekenatlas für Sachsen und ein verbindliches Frühwarnsystem vor, das gefährdete Regionen rechtzeitig in den Blick nimmt. Wir wollen gezielte Unterstützung für Apotheken dort, wo die Versorgung besonders unter Druck steht: bei Nachfolgeregelungen, bei Neugründungen, bei Investitionen in moderne Versorgungs- und Digitalstrukturen und bei der Sicherung von Filialstandorten im ländlichen Raum. Wir wollen mehr Fachkräfte gewinnen und halten; denn die beste Förderpolitik nützt wenig, wenn Apothekerinnen und Apotheker sowie pharmazeutisches Personal fehlen. Deshalb müssen wir über Ausbildungskapazitäten, attraktive Arbeitsbedingungen und neue Wege sprechen, um Fachkräfte gerade für den ländlichen Raum zu gewinnen. Wir müssen außerdem die Apotheken von unnötiger Bürokratie entlasten. Wer jeden Tag mit Lieferengpässen, Beratungsgesprächen und Versorgungsproblemen beschäftigt ist, sollte seine Zeit nicht übermäßig mit Formularen, Dokumentationspflichten und vermeidbaren Verwaltungsverfahren verbringen müssen. An der Stelle geht ein großer Dank an das Ministerium, das hierbei, in so einer Situation, wo Verwaltungsverfahren schräg waren, sehr geholfen hat. Dies betraf eine Apotheke in Chemnitz. Wir brauchen zudem bessere Strukturen im Umgang mit Lieferengpässen. Es kann nicht sein, dass jede einzelne Apotheke immer wieder dieselben Probleme alleine lösen muss. Hierfür braucht es mehr Koordination und Unterstützung. Wir wollen außerdem innovative Versorgungsmodelle fördern, zum Beispiel digitale Beratungsangebote. Gleichzeitig sollten die Kompetenzen der Apotheken stärker genutzt werden, sie können zum Beispiel beim Medikamentationsmanagement in der Prävention, bei der Betreuung chronisch kranker Menschen und in Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten einen wichtigen Beitrag leisten. Wer gleichwertige Lebensverhältnisse ernst meint, darf die Arzneimittelversorgung nicht dem Zufall überlassen. Deshalb sollten wir darüber sprechen, welche Mindeststandards bei Erreichbarkeit und Versorgungsdichte künftig gelten sollen. Apothekerinnen, Apotheken und ihre Teams, die beraten, nachfragen, Probleme lösen und Verantwortung übernehmen, müssen alle an einen Tisch – am besten an einen runden Tisch. Die persönliche Zuwendung lässt sich eben nicht durch eine Versandplattform ersetzen. Vor allem dafür gilt der Dank der Linksfraktion. Sie haben unsere Unterstützung vor Ort und nicht nur am Tag der Apotheke verdient. Vielen Dank. (Beifall Die Linke, SPD und Staatsministerin Regina Kraushaar) Erste Vizepräsidentin Ines Saborowski: Schönen Dank. Für die Fraktion Die Linke sprach Frau Kollegin Schaper. Wir sind am Ende der ersten Rednerrunde. Nun hätte Herr Kollege Berger die Möglichkeit, zu sprechen. – Er möchte nicht. Dann können wir in eine zweite Rederunde einsteigen. Herr Kollege Unger hat diese bereits für die CDUFraktion angekündigt. Sie dürfen, bitte schön.
