landtag.sachsen.de ↗

Simone Lang

SPD 24.06.2026 Sitzungen 8/30

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Apotheken sind weit mehr als Orte, an denen Arzneimittel ausgegeben werden. Sie sind niederschwellige Anlaufstellen im Alltag. Sie beraten und erklären. Sie prüfen Wechselwirkungen und sie helfen bei Lieferengpässen. Sie leisten Notdienste und sie unterstützen ältere Menschen, Familien, chronisch Kranke und Menschen, die nicht so schnell in die Stadt fahren können. Deshalb ist es wichtig, dass wir heute erneut über die Apothekerversorgung in Sachsen sprechen. Und ja, Apotheken sind Eckpfeiler der Gesundheitsversorgung, vor allen Dingen im ländlichen Raum. Die Zahlen zeigen deutlich, dass wir es nicht mit einer abstrakten Debatte zu tun haben. In Sachsen ist die Zahl der öffentlichen Apotheken in den letzten zehn Jahren spürbar gesunken. Gleichzeitig versorgt eine Apotheke im Durchschnitt immer mehr Menschen. Hinter diesen Zahlen stehen längere Wege, mehr Druck auf die verbleibenden Apotheken und eine wachsende Belastung für die Teams vor Ort. Wer einmal mit Apothekern und Apothekerinnen gesprochen hat, merkt schnell: Das Problem ist nicht das mangelnde Engagement, im Gegenteil. Die Beschäftigten in der Apotheke leisten jeden Tag sehr viel. Sie fangen Probleme auf, die an anderer Stelle entstehen, wie Lieferengpässe, Bürokratie, Fachkräftemangel, steigende Kosten und einen zunehmenden wirtschaftlichen Druck. Deshalb reicht es nicht, den Apotheken nur freundlich zu danken. Dankbarkeit ist wichtig, aber sie ersetzt keine tragfähigen Rahmenbedingungen. Auf Bundesebene ist inzwischen Bewegung entstanden. Der Bundestag hat das Gesetz zur Weiterentwicklung der Apothekerversorgung beschlossen und der Bundesrat hat es passieren lassen. Das ist ein wichtiger Schritt. Apotheken sollen wirtschaftlich gestärkt, von Bürokratie entlastet und breiter in die Versorgung eingebunden werden. Es geht um neue Aufgaben für Prävention und Diagnostik, um Impfangebote und bessere Möglichkeiten für Zweigapotheken, Telepharmazie und um mehr Flexibilität zur Sicherung der Versorgung. Das ist ausdrücklich zu begrüßen. Aber klar ist auch: Ein Gesetz allein stabilisiert noch keine Apotheke, wenn Mieten, Löhne, Energiekosten und Betriebskosten weiter steigen. Ein Gesetz allein löst noch keinen Fachkräftemangel und verhindert noch nicht, dass Patienten und Patientinnen bei Lieferengpässen von Apotheke zu Apotheke geschickt werden. Deshalb kommt es jetzt auf die Umsetzung an. Die Honorarfragen müssen zügig und verlässlich geklärt werden. Die angekündigten Verordnungen müssen so ausgestaltet werden, dass sie in der Praxis tatsächlich helfen. Und Bürokratieabbau darf nicht nur im Gesetzestext stehen, sondern muss am Ende – am Tresen und im Backoffice der Apotheken – spürbar sein. Auch Sachsen hat dabei seine eigenen Aufgaben. Wir müssen die Apothekerversorgung im Freistaat genau beobachten. Wir brauchen ein klares Bild davon, wo Versorgungslücken drohen, wo Nachfolgeprobleme bestehen und wo es im ländlichen Raum besonders eng wird. Wir müssen gemeinsam mit dem Sächsischen Landesapothekerverband, der Landesapothekerkammer, den Kommunen, der Universität Leipzig und den Krankenkassen überlegen, welche Maßnahmen auf Landesebene sinnvoll und umsetzbar sind. Dazu gehören die Fachkräftesicherung und eine praxisnahe pharmazeutische Ausbildung. Dazu gehört auch die Frage, wie wir junge Menschen dafür gewinnen, in Sachsen Pharmazie zu studieren und anschließend dazu zu bewegen, hier zu bleiben, außerhalb der großen Städte. Dazu gehört, dass wir neue Versorgungsformen nicht gegeneinander ausspielen. Botendienste, digitale Beratung, Telepharmazie und Zweigapotheken können helfen. Sie können die Versorgung ergänzen und stabilisieren, aber sie dürfen nicht der Ersatz für eine wohnortnahe Vorortapotheke sein. Für viele Menschen bleibt der persönliche Kontakt entscheidend, gerade dann, wenn es um mehrere Medikamente, Unsicherheit, Pflegebedürftigkeit oder akute gesundheitliche Versorgung geht. Meine Damen und Herren! Wer Apotheken stärkt, stärkt nicht nur den Berufsstand. Wer Apotheken stärkt, stärkt die Versorgungssicherheit, den ländlichen Raum und das Vertrauen der Menschen in eine erreichbare Gesundheitsversorgung. Deshalb sollten wir diese Debatte nicht parteipolitisch verengen. Entscheidend ist, dass Bund, Land, Kammern, Verbände, Kommunen und Krankenkassen gemeinsam handeln. Die Richtung ist klar: weniger unnötige Bürokratie, verlässliche Finanzierung, bessere Fachkräftegewinnung, moderne Versorgungsformen und ein klares Bekenntnis zur Apotheke vor Ort. Sachsens Apotheken sind Eckpfeiler der Gesundheitsversorgung. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass es auch in Zukunft so bleibt! Vielen Dank. (Beifall SPD und Sören Voigt, CDU) Erste Vizepräsidentin Ines Saborowski: Schönen Dank. Es sprach für die SPD-Fraktion Frau Kollegin Lang, und es folgt für die BÜNDNISGRÜNEN Herr Abg. Löser; bitte.

Alle Reden von Simone Lang Protokoll ↗