Conrad Clemens
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Kollegen Abgeordneten! Von mir noch ein paar Aussagen der Staatsregierung zu dieser sehr, sehr wichtigen und in der Tat etwas positiv gestimmten Debatte. Aber das muss nichts Schlechtes sein. Der erste Punkt ist: Sachsen kann MINT. Sachsen ist sogar im Ländervergleich MINT-Land Nummer eins. Das soll so bleiben. Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik haben im sächsischen Schulsystem eine herausragende Bedeutung. In allen Schularten beträgt der Anteil dieser Fächer ein Drittel am Gesamtunterricht. Jede dritte Stunde ist also in einem dieser Fächer. Informatik ist seit Anfang der Neunzigerjahre ab der fünften oder sechsten Klasse Pflicht. Einige Länder in Westdeutschland basteln noch heute an Informatik-Lehrplänen. Es ist erschütternd zu sehen, wie lange der Einheitsprozess an dieser Stelle dauert. Hier kann man sich ein wenig an uns orientieren. Darüber sind wir sehr zufrieden. Aber wir sehen – und das ist der zweite Punkt – auch bei uns Herausforderungen. Die IQB-Bildungstrends zeigen – zuletzt im letzten Herbst, Sie haben das hier wahrgenommen –, dass die Fähigkeiten in den MINT-Fächern in Deutschland zurückgehen. Wir sind immer noch mit weitem Abstand auf Platz 1. Aber auch in Sachsen gehen die Fähigkeiten in diesen Fächern zurück. Deshalb habe ich diese Debatte heute zum Anlass genommen, Ihnen eine Neuerung zum neuen Schuljahr bekanntzugeben, über die wir hier noch nicht berichtet haben. Wir wollen in der Grundschule eine Stunde wieder einführen, die wir 2018 wegen Lehrermangel kürzen mussten. Das ist die Stunde Sachunterricht, die wir herausgenommen haben. Sachunterricht ist, wie Sie wissen, in der Grundschule eine Grundvoraussetzung. Er bildet die Basiskompetenzen für die Naturwissenschaften. Deshalb ist es gut, dass wir diese gekürzte Stunde wieder einführen können. Wir können das, weil wir sehen, dass sich die Schülerzahlen in der Grundschule und das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern durch zurückgehende Schülerzahlen und steigende Absolventenzahlen so entspannen, dass wir uns erlauben können, diese Stunde wieder einzuführen. (Beifall CDU und SPD) Ich glaube, es ist richtig, dass wir das im neuen Schuljahr machen. Ich möchte als dritten Punkt herzlich der VSW danken, dass sie sich im Bereich MINT-Hub und auch in der Struktur SCHULEWIRTSCHAFT verstärkt engagieren möchte. Es ist schon angesprochen worden, dass es eine sehr erfolgreiche Struktur ist. Es gibt sie auch schon sehr lange, sie ist dezentral sehr gut organisiert mit den regionalen Koordinierungsstellen und diesem Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT, der viel ehrenamtliches Engagement hat. In der Vergangenheit hat sich die VSW vor allen Dingen über das Ehrenamt engagiert, aber nicht finanziell verstärkt beteiligt. Das möchte sie jetzt ändern. Deswegen haben wir diese Kooperation unterschrieben. Ich finde es richtig, dass sich die Wirtschaft mitbeteiligen möchte, wenn man einen Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT macht. Ich bin dafür sehr dankbar. Ich finde auch, dass sich das wunderbar in die bestehende Struktur einfügen kann. Frau Melcher, Sie haben das schon angesprochen. Die Finanzierung der regionalen Koordinierungsstellen läuft sowieso unabhängig davon. Die fördern wir als Kultusministerium mit 90 %. Davon sind die Landkreise mit ihren Wirtschaftsförderungen auch noch betroffen. Das soll sich schon in das sehr erfolgreiche bestehende System einfügen. Es geht um ein Mehr an Engagement der sächsischen Wirtschaft. Und ja, Herr Kromer hat es angesprochen, mir ist auch klar, dass da auch ein bisschen Eigeninteresse der Wirtschaft dabei ist, dort die Fachkräfte der Zukunft zu gewinnen. Ich finde, das ist für uns als Gesellschaft schon in Ordnung, wenn auch Mädchen noch mehr für MINT-Berufe begeistert werden können. Natürlich kann man schon in der Schule an Berufsorientierung denken und an Jobs, die man später machen will. Das ist nichts Verwerfliches, sondern es ist gut, wenn sich gesellschaftliche Gruppen für Schule interessieren und sich engagieren wollen. Vierter Punkt. Ich stehe noch sehr unter dem Eindruck von Montag. Da war ich bei einem MINT-Projekt, dem DLR_School_Lab der Hochschule Zittau-Görlitz. Dort hat Infineon etwas ganz Großartiges für Schüler der zehnten Klasse gemacht, nämlich einen kleinen Reinraum simuliert. Schüler durften diese Anzüge anziehen und mit einem Waver arbeiten. Wir wissen, dass es gut ist, im Klassenzimmer aufzupassen, Bücher zu lesen und auf die Tafel zu schauen, aber es ist natürlich noch mal was ganz Besonderes, weil man in außerschulischen Lernorten tatsächlich mal so einen Anzug anzieht und sich mit so einem Mikrochip beschäftigt. Das ist großartig, und ich bin allen dankbar, die solche berufspraktischen, außerschulischen Lernorte aufbauen und erhalten. Herzlichen Dank an alle, die sich so für die Schule engagieren und Schülerinnen und Schülern so etwas ermöglichen. Danke sehr. Und dazu gehören auch – und das möchte ich zum Schluss noch einmal betonen – eine Reihe von Projekten, die wir seit 2024 gemeinsam mit der Beisheim-Stiftung und der Wissensfabrik durchgeführt haben. 105 Bildungspartnerschaften wurden so ermöglicht. Beispiele sind die Future City Hackathon, Werkbank32 in Mittweida, die IT2- School-Projekttage an der Oberschule Hainichen, die Bildungspartnerschaft mit Infineon an der 82. Oberschule Dresden, der Amazon Code Day in Lampertswalde mit der Oberschule Schönfeld. Es waren elf Fortbildungen mit über 100 Lehrkräften, die Projekte an Schulen umsetzen. Und es soll weitergehen. Wir wollen uns dem Trend entgegenstellen, dass Schülerinnen und Schüler abnehmende Kompetenzen im MINT-Bereich haben. Sie sollen mehr Kompetenzen haben, denn es ist ganz essenziell für uns, dass wir diese MINT-Welt verstehen. Deswegen herzlichen Dank für diese sehr wichtige und wegweisende Debatte. (Beifall CDU, SPD und Staatsregierung) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Staatsminister Clemens sprach für die Staatsregierung. Meine sehr verehrten Damen und Herren! Damit ist die dritte Aktuelle Debatte abgeschlossen und der Tagesordnungspunkt ist beendet. Meine Damen und Herren! Es folgt nun Tagesordnungspunkt Zweite Beratung Gesetz zur Anpassung Versorgungsbezüge 2026/2027/2028 weiterer besoldungsrechtlicher Drucksache 8/6566, Gesetzentwurf Drucksache 8/6877, Beschlussempfehlung Bevor ich den Fraktionen das Wort erteile, frage ich den Berichterstatter des Ausschusses, Herrn Hentschel, ob er das Wort wünscht. – Das ist nicht der Fall. Die Fraktionen haben jetzt die Möglichkeit, zum Gesetz zu sprechen. Die Reihenfolge in der ersten Runde lautet: CDU, SPD, AfD, BSW, BÜNDNISGRÜNE, Die Linke, fraktionsloser MdL und Staatsregierung, wenn gewünscht. Wir beginnen mit der CDU-Fraktion. Herr Kollege Löffler, bitte schön.
