Dr. Frank Kromer
Sehr verehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Herr Kollege Wurzler, von einer alleinigen Fokussierung auf den MINTBereich in der Schule kann nach meiner Einschätzung keine Rede sein. Meine Kinder waren sehr oft mit ihrer Klasse im Theater, und das ist auch eine Art von Erfahrung, um die es geht. Genau so etwas kann eben der MINT-Hub an Erfahrung im schulischen Bereich vermitteln. Das ist auch das, was ich dem Kollegen Peschel gern mitgeben möchte: Es geht hier gerade nicht um die Basis, um Basiswissen, um das Grundwissen in Naturwissenschaften, das der MINT-Hub vermitteln soll, sondern es geht um das Erlebnis, um Erfahrungen und um die daraus mögliche Motivation. Was kann nun die VSW ganz speziell einbringen? Natürlich, durch den Verbandscharakter können weitere Unternehmen als Partnerunternehmen für Schulen gewonnen werden. Darum geht es, und es geht auch darum, die inhalte- und zielgruppenbezogene Förderung in den Fokus zu nehmen; Sie haben es eben schon gehört. Ein spezieller Aspekt dieser zielgruppenspezifischen Förderung ist die Förderung von Mädchen und jungen Frauen im MINT-Bereich. Die Statistiken sind hier ja eindeutig. Wenn wir auf die Ausbildungsverträge schauen, stellen wir fest, dass im Jahr 2023 nur 12 % Frauen im MINT-Bereich eine Ausbildung begonnen haben. Zehn Jahre zuvor waren es auch nur 11 %; da hat sich also kaum etwas getan. Handlungsbedarf gibt es hier offensichtlich. Schauen wir auf das Studium, wo es ähnlich ist: 36 % der Studierenden im MINT-Bereich sind Frauen – auch hier also deutlich unterrepräsentiert. Eine kleine Veränderung gab es in den letzten zehn Jahren: Vor zehn Jahren waren es 31 %. Als ich in den Neunzigerjahren Physik studiert habe, waren im Studiengang nur 10 % Frauen, und übrigens nahezu alle kamen von reinen Mädchenschulen. Wenn wir auf die Leistungskurse im Gymnasium schauen, wird klar: Wir verlieren viele junge Frauen bereits in der Schule für den MINT-Bereich. Es ist daher richtig, geschlechtsspezifische Angebote in den Klassen 7 bis 9 in den Blick zu nehmen. Persönlich würde ich mir wünschen, auch einmal einen Piloten, vielleicht zu geschlechtsgetrenntem Unterricht in der Mittelstufe, zu probieren, zum Beispiel für Physik oder Informatik. Wenn man Schülerinnen nach so etwas fragt, ist die Skepsis zwar groß; aber wer es mal erlebt hat, der hat es meist als motivierend und positiv wahrgenommen. Es geht aber nicht nur darum, das Potenzial junger Frauen für den MINT-Bereich zu erschließen. Es geht auch darum, dass junge Frauen, die in Sachsen ausgebildet werden, eine berufliche Perspektive bei uns in Sachsen haben. Denn wenn sie gut ausgebildet sind, etwa in den Bereichen Banking, Versicherung, Medien, bei denen bei uns die Nachfrage gar nicht so groß ist, dann gehen sie oft in andere Bundesländer und nehmen ihren im MINT-Bereich arbeitenden Lebenspartner gleich mit; denn der findet auch woanders einen passenden Job. Es geht also auch darum, ganze Familien hier in Sachsen halten zu können, und zwar dadurch, dass wir Frauen und junge Mädchen im MINTBereich fördern. Wo kann sich die VSW noch einbringen? Zum Beispiel im Bereich der Gymnasien und der Gemeinschaftsschulen mit dem schulspezifischen Profil unternehmerischer Bildung. Wirtschaftsvertreter liefern einen aktuellen Input und Einblick in ihre Arbeit. So wird Unternehmertum positiv erfahrbar. Die Möglichkeit, einmal selbst Unternehmerin oder Unternehmer zu werden, rückt in den Bereich des Möglichen. Für Oberschulen bietet die VSW an, sich um Fachexperten aus dem Unternehmen zu kümmern, die im Rahmen von GIP, also Grundlagen der industriellen Produktion, den WTH-Unterricht der Klassen acht und neun bereichern können. Meine Damen und Herren! Das Engagement der Wirtschaft ist selbstverständlich nicht uneigennützig; das ist doch klar. Es geht auch um die Fachkräftegewinnung und um die Zukunftssicherung von Unternehmen und Betrieben. Aber genau das liegt doch im gesamtgesellschaftlichen Interesse. Wir sind Industrieland, und wir wollen es bleiben. Dafür braucht es junge Menschen, die sich für MINT interessieren. Der MINT-Hub kann mit seinen Aktivitäten genau dieses Interesse hervorkitzeln und vertiefen. Mit ihrem Beitrag zum MINT-Hub übernimmt die sächsische Wirtschaft Verantwortung. Das, was Schülerinnen und Schüler in Betrieben oder durch Vertreter der Unternehmen erleben, prägt ihr Bild von Wirtschaft ganz allgemein. Es prägt aber auch ihr Bild einer ganzen Branche oder das Bild eines konkreten Berufes. Ich bin sicher, die VSW als Verband und seine Unternehmen werden dieser Verantwortung gerecht werden und den MINT-Hub mit ihrer Expertise bereichern. Damit werden noch mehr sächsische Schülerinnen und Schüler von den Angeboten profitieren und ihre Kompetenzen und ihre Freude im MINT-Bereich entdecken können. Vielen Dank. (Beifall CDU und Staatsregierung) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Für die CDUFraktion sprach in dieser zweiten Rederunde Kollege Dr. Kromer. Nun spricht für die Fraktion der AfD Kollege Heller.
