Gerald Eisenblätter
Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Selbstverständlich teilen auch wir das Ziel, die mathematisch-naturwissenschaftlichen Kompetenzen unserer Schülerinnen und Schüler zu stärken. Denn klar ist: Die Zukunft Sachsens hängt entscheidend davon ab, ob wir junge Menschen für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik begeistern können. Die Herausforderungen unserer Zeit – Digitalisierung, Energiewende, moderne Industrieproduktion oder medizinischer Fortschritt – brauchen gut ausgebildete Fachkräfte. Deshalb ist es richtig, dass wir über MINT-Bildung sprechen. Aber gute MINT-Bildung entsteht nicht durch Überschriften oder geduldige Kooperationsvereinbarungen. Sie entsteht durch engagierte Pädagoginnen und Pädagogen, moderne Lernkonzepte, verlässliche Strukturen, innovative Lernorte und echte Chancengleichheit. Der MINTHub kann als Drehscheibe für Lernbegleitung dabei eine wichtige Rolle spielen; Kollege Kromer führte dazu bereits aus. Er kann Unterstützung organisieren, die Freude am Lernen schafft sowie Begeisterung fürs Entdecken weckt; denn Kinder und Jugendliche müssen erleben können, dass Mathematik und Technik nicht abstrakt und abschreckend sind, sondern logisch, verständlich und spannend. Für mich als Chemiker ist genau das bis heute faszinierend: Hinter dem Periodensystem der Elemente steckt eine beeindruckende Logik. Wer diese einmal versteht, dem eröffnen sich neue Horizonte. Dafür braucht es gute Lernbegleiter. In meinem Fall waren es engagierte Chemielehrerinnen, die diesen Weg ermöglicht haben. Sie sehen: Erzieherinnen und Erzieher ebenso wie Lehrerinnen und Lehrer sind der entscheidende Schlüssel. Wir müssen deshalb die Ausbildung von pädagogischen Fachkräften und die Lehrerbildung weiter stärken und zukunftsfähig entwickeln. Wer motivierende MINT-Lehrkräfte in den Schulen will, braucht motivierte Lehramtsstudierende. Es braucht ihren Studienerfolg. Das organisieren wir mit guten Studienbedingungen, speziellen Seminaren sowie Übungen und Praktika, die Fachwissen und Didaktik sinnvoll und praxisorientiert verbinden. MINT-Förderung beginnt aber nicht erst in der Hochschule, sie beginnt im Kindergarten und setzt sich in der Grundschule fort. Dabei dürfen wir nicht vergessen: Basale Kompetenzen entstehen immer im Zusammenspiel verschiedener Bereiche. Sprache und Kommunikation, soziale Entwicklung, Bewegung und eben auch MINT. Genau so beschreibt es der neue sächsische Bildungsplan, der in dieser Woche vorgestellt wurde. Zur MINT-Bildung gehören deshalb ebenso Projekte wie die Forscher-Olympiade im Kindergarten, moderne Ansätze im Anfangsunterricht in Mathematik oder außerschulische Lernorte wie das Erlebnisland Mathematik in der Technischen Sammlung Dresden und die INSPIRATA in Leipzig. Sachsen hat bereits viele starke Initiativen: Schülerlabore, Wettbewerbe, Technikgaragen. Vereine, Unternehmen, Hochschulen und regionale Projekte leisten hervorragende Arbeit. Oft fehlt nicht das Engagement, sondern die bessere Vernetzung, Koordination und Sichtbarkeit. Genau hier kann der MINT-Hub einen wichtigen Beitrag leisten: Er kann insbesondere Lernbegleitung organisieren. Meine Damen und Herren, wenn wir über MINT sprechen, müssen wir auch über Chancengerechtigkeit sprechen. Noch immer entscheiden sich zu wenige junge Frauen für technisch-naturwissenschaftliche Berufe. Das liegt nicht an fehlenden Fähigkeiten, sondern häufig an gesellschaftlichen Erwartungen und Rollenbildern. Deshalb müssen wir Mädchen und junge Frauen gezielt darin stärken, ihre Interessen für MINT-Themen zu entdecken und weiterzuentwickeln. Mit dem Gastprofessorinnenprogramm und dem Sachsen-Technikum haben wir bereits gute Instrumente entwickelt. Solche Brücken sollten wir weiter ausbauen, der MINT-Hub könnte dies tun. Es ist richtig, gemeinsam mit Wirtschaft und Wissenschaft gezielt für MINT-Berufe zu werben, Beratungsangebote zu schaffen und weibliche Vorbilder sichtbarer zu machen; denn ein modernes Sachsen kann es sich nicht leisten, auf die Talente aus der Hälfte seiner Bevölkerung zu verzichten. Aber eines ist mir ebenso wichtig: MINT-Bildung darf nicht allein unter dem Blickwinkel kurzfristiger Fachkräftebedarfe betrachtet werden – Bildungspolitik hat einen umfassenden Bildungsauftrag. Wir wollen junge Menschen befähigen, kritisch zu denken, Probleme zu lösen, Zusammenhänge zu verstehen und unsere Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Dafür braucht es moderne Bildungsangebote, eine gute Ausstattung und vielfältige Lernorte. Ein solcher kann der MINT-Hub sein: eine Drehscheibe, um Lernbegleitung zu organisieren. Vielen Dank. (Beifall SPD, CDU und Staatsregierung) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Für die SPD-Fraktion sprach Kollege Eisenblätter. Für die Fraktion BÜNDNISGRÜNE spricht nun Frau Kollegin Melcher; bitte schön.
