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Wolfram Günther

GRÜNE 26.03.2026 Sitzungen 8/27

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Zunächst einmal: Wir freuen uns alle und atmen auf, weil die Borkenkäferkalamität ihren Zenit offenbar deutlich überschritten hat. Insgesamt gibt es aber keinen Grund zur Entwarnung, was unseren Wald anbelangt, da wir feststellen, dass nur noch 20 bis 25 % unserer Bäume als gesund bezeichnet werden können, aber 35 % als stark geschädigt. Das betrifft auch genau unsere Zukunftsbäume: nicht nur die Buche, sondern auch die Eiche. Es wurde gerade angesprochen: Fast drei Viertel unserer Eichen sind entsprechend geschädigt. Daran sehen wir, vor welchen Aufgaben wir noch stehen. Wir haben dort beileibe seit Jahren kein Erkenntnisdefizit. Wir wissen, dass auch die Mischung aus Klimawandel und der Art, wie wir in den vergangenen Jahrzehnten, im vergangenen Jahrhundert unsere Wälder bewirtschaftet haben, die Mischung bildet, die sie jetzt so anfällig machen. Erstens. Es gibt kein Waldsterben in dem eigentlichen Sinne. Dort werden wieder Wälder entstehen. Wir haben ein Forststerben. Das, was wir in den vergangenen Jahrzehnten betrieben haben, also Altersklassen, Monokulturen auf einer Fläche – ja, das ist in allen Bereichen der Volkswirtschaft oder Landwirtschaft so –, ist anfällig für Schadereignisse. Die erleben wir jetzt. Diese Altersklassen und Monoreinbestände sind anfällig. Das sind genau die Bestände, die jetzt dem Borkenkäfer zum Opfer fallen. Deshalb ist die Antwort nicht, zu hoffen, man würde neben den alten Brotbäumen – der Kiefer in den nördlichen sandigeren Regionen und in den anderen der Fichte – jetzt einen neuen Brotbaum finden, der dann alle Probleme löst und möglichst noch ein Baum, vielleicht aus dem Mittelmeerraum oder Nordamerika, diskutiert wird. Nein, wir brauchen Vielfalt. Nur Vielfalt sorgt für Resilienz; denn unsere Wälder haben viele Funktionen zu erfüllen. Ja, die Wälder sind für die Produktion eines nachwachsenden Rohstoffs, von Holz da. Das müssen wir gewährleisten und wir wollen das auch; denn wenn wir aus der Nutzung fossiler Rohstoffe herauswollen, brauchen wir diesen Rohstoff. Die Wälder sind aber auch Lebensraum für eine große Anzahl von Tieren und Pflanzen. Sie sind für uns Erholungsraum. Sie sind die Orte, in denen Wasserspeicher sind. Wenn 40 % unseres Trinkwassers in Sachsen aus Talsperren kommen, dann kommen sie aus Einzugsgebieten von Wäldern. Das ist essenziell. Wälder sind auch eine riesige Klimaanlage, weil sich dort die Luft abkühlen kann. Sie sind für den Klimaschutz gut, weil dort CO gebunden wird, davon zwei Drittel im Boden und nur ein Drittel in den Bäumen. Hier geht es auch um gesunde Böden, die ich nicht unter Monokulturen habe. Deshalb sind die Vielfalt der Standorte, die Vielfalt der Arten, die dort wachsen, und die Vielfalt der Altersklassen wichtig. Das fällt nicht vom Himmel, wenn man aus einer Struktur von Monokultur und Altersklassenwäldern kommt, sondern das ist eine große Herausforderung. Ich bin sehr froh, dass wir in Sachsen kein Erkenntnisdefizit haben und schon seit den Neunzigerjahren Waldumbau betreiben. Wir merken aber, dass wir hierbei noch mehr Geschwindigkeit brauchen. Wir müssen den Mut haben, weil es darum geht, überhaupt Wald auf der Fläche zu erhalten. Hier geht es um Prozessschutz, darum, die Kräfte der Natur walten zu lassen, sowie um die Vielfalt der Baumarten. Das ist eine Herausforderung. Wir brauchen die Nutzung des nachwachsenden Rohstoffs Holz. Wenn man von quasi industriell genormten Produkten kommt, die man bisher großflächig ernten konnte, und dann einen vielfältigen Wald hat, in dem man mit Plenterwirtschaft und anderen Systemen einzelne Bäume herausnimmt und auch Laubbäume nutzen will, dann braucht man eine ganz andere Struktur an Logistik, an Sägewerken und an Weiterverarbeitung. Deshalb werden wir die Probleme des Waldes nicht nur mit einer anderen Forstwirtschaft lösen, sondern mit einer forstwirtschaftlichen Struktur, die dahintersteht und in die wir investieren müssen. Dabei können wir viel Vertrauen in unsere Försterinnen und Förster haben. Es gibt auch das Interesse in der Wirtschaft, darin zu investieren. Aber auf diesem Weg müssen wir unterstützen. Die Frage ist nicht, ob wir das tun oder nicht. Wir können uns nicht leisten, nicht entsprechend zu investieren. Ich sage es noch einmal: Irgendwelche Wälder werden auf den Flächen entstehen. Wenn wir das aber nicht einfach laufen lassen und ewig warten wollen, müssen wir reagieren. Wenn so ein Wald vom Borkenkäfer umgelegt wurde, können wir nicht warten, was passiert. Die Wasserspeicherfunktion geht verloren. In der Zeit, in der er der prallen Sonne ausgesetzt ist, wird sehr viel CO freigesetzt. Das sind alles Dinge, die wir nicht hinnehmen können. Das heißt, wir haben hier viel Arbeit. Das ist das Problem. Es gibt diesen alten blöden Spruch von vor über 100 Jahren: Am schönsten hat es die Forstpartie, der Wald, der wächst auch ohne sie. Aktuell haben wir eine riesige Krise. Der Umgang damit ist sehr personalintensiv. Das merken wir auch im Sachsenforst bei dem Altersstand, den wir dort haben. Wenn ein Forstarbeiter jahrzehntelang arbeitet, dann ist er mit Ende 50 nicht mehr genau so einsatzfähig. Deshalb brauchen wir jetzt Personal. Wir haben als Staatsforst in vielen Dingen auch Verantwortung für den Privatforst zu tragen. Wir haben aber die Hoffnung, dass wir, wenn wir die klimastabilen Wälder haben, diese dann als Senioren erleben. Dann kann der Personalbestand auch wieder gesenkt werden. Es gibt viel zu tun. Vielen Dank. (Beifall BÜNDNISGRÜNE) Erste Vizepräsidentin Ines Saborowski: Schönen Dank. Für die BÜNDNISGRÜNEN sprach Herr Kollege Günther. – Ich bitte Sie noch einmal um etwas mehr Ruhe. Es ist unglaublich unruhig im Raum. – Für die Linksfraktion spricht nun Herr Kollege Hartmann; bitte schön.

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