Simone Lang
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich bin im Erzgebirge geboren und aufgewachsen. Sicher kennen das einige von Ihnen: Man geht in den Wald, um den Kopf freizubekommen, wenn der Alltag zu voll ist, wenn die Nachrichten schwer sind. Man geht raus, man riecht Wald, Harz und Erde, erlebt die Stille zwischen den Bäumen, und man ist sofort ruhiger. Es klingt vielleicht sentimental – mag sein, ist es vielleicht auch –, aber ich glaube, dieser Wald, unser Wald bedeutet vielen Menschen genau das: Heimat, Stabilität, Identität, etwas, das bleibt und erdet. Deshalb nehme ich diesen Waldzustandsbericht sehr ernst; denn was er beschreibt, ist kein kleines Problem, das sich von selbst löst. Er sagt klar: Unser Wald hat sich von den Schäden seit 2018 noch immer nicht erholt. Die mittlere Kronenverlichtung über alle Baumarten liegt bei knapp 25 %. 35 % der Waldbäume sind geschädigt. Bei der Eiche, einer unserer ältesten und wichtigsten Baumarten, sind 74 % deutlich geschädigt – 74 %! Nur 5 % gelten als ungeschädigt. Das ist ein Warnsignal, und als solches sollten wir es auch behandeln. Jetzt könnte ich hier eine reine Naturschutzrede halten, könnte über Artenvielfalt im Ökosystem sprechen. Das stimmt alles auch und ist wichtig, wäre aber zu kurz gesprungen. Darüber hinaus ist der Wald auch Wirtschaft, er ist Arbeit, er ist Heimat für ganze Berufsgruppen – für Forstbetriebe, Sägewerke, Zimmererhandwerk. Kommunen sind auf Holzeinnahmen angewiesen. Ländliche Tourismusbranchen können ohne gesunde Wälder viele Angebote nicht aufrechterhalten. Ein kranker Wald ist nicht nur ein Naturschutzproblem, er ist ein Wirtschaftsproblem und ein sozialer Standortfaktor. Ein Stück Lebensqualität geht damit für die Menschen in unserem Land immer mehr verloren. Ich weiß, dass einige von Ihnen jetzt sagen werden: Na ja, kein Wunder, für Windräder und Solarfelder müssen auch Bäume weichen. – Das ist falsch. Wer diesen Bericht wirklich liest, Seite für Seite, der findet sehr schnell die Ursachen. Dazu gehören: zu wenig Regen, zu hohe Temperaturen, Stürme und Borkenkäfer. Das hydrologische Jahr 2024/2025 lag mit einem Niederschlagsdefizit von fast einem Fünftel deutlich unter dem jährlichen Mittel. Die Temperaturen lagen im Schnitt 1,2 Grad über dem Vergleichszeitraum. Das ist nicht einmalig, sondern das ist schon seit Jahren so. Nicht das Windrad führt zu Dürre, nicht das Solarmodul frisst die Eiche kahl. Die Ursachen des Waldsterbens sind im Klimawandel zu suchen. Wer diesen bekämpfen möchte, braucht die Energiewende. Das ist kein Widerspruch, sondern Logik. (Beifall Martin Dulig, SPD) Ich sage trotzdem, dass es beim Wald eine Grenze des Zumutbaren geben muss. Einfluss können wir an dieser Stelle vor allem auf den Staatswald nehmen, der Staatswald gehört uns allen. Er ist keine Reservefläche, auf die man zurückgreift, wenn andere Lösungen unbequem sind. Wer Photovoltaik will – und das will ich –, sollte dafür zuerst Dächer nehmen, Parkplätze, Konversionsflächen, entsiegelte Industriebrachen, und dann gibt es auch anderswo noch ganz viel Platz. Wenn wir ernsthaft darüber nachdenken, unseren Staatsforst für Freiflächen-PV zu nutzen, dann sage ich: Das darf kein Selbstläufer werden. Ich bin für klare, restriktive Lösungen und Regelungen. Dazu suchen wir in der Koalition immer noch nach gemeinsamen Lösungen. Meine Damen und Herren, der eigentliche Auftrag dieses Berichts ist doch: Wir müssen unseren Wald wieder fit machen für die nächsten Jahrzehnte. Das bedeutet: Waldumbau, heraus aus den anfälligen Monokulturen, hinein in die standortgerechten Mischwälder. Das heißt: mehr Wasserrückhalt in der Fläche, Unterstützung nicht nur für den Staatswald, sondern auch für den Privat- und Kommunalwald. Das heißt, wir brauchen vorausschauende Politik statt jährlicher Berichte, die abgeheftet und vergessen werden. Dabei vermisse ich miteinander verbundene Ansätze. Wer den Wasserhaushalt vom Waldumbau trennt, hat Zusammenhänge nicht verstanden. Ein gesunder Wald ist kein Beiwerk zur Wasserpolitik, er ist die Voraussetzung für Wirtschaftspolitik. Wir als SPD wollen einen Wald, der trägt, der Holz liefert und Wasser hält, der Arbeitsplätze sichert und Erholung ermöglicht, der aber nicht dem Augenblick geopfert wird, sondern für die nächsten Generationen da ist; denn Wälder wachsen nicht in Wahlperioden, Wälder wachsen in Jahrzehnten. Deshalb lautet bei der Waldpolitik die Frage immer auch: Wie viel Verantwortung für morgen steckt im Handeln von heute? Meinen kleinen Beitrag dazu werde ich nächste Woche leisten, wenn viele Menschen aus meinem Heimatort gemeinsam mit mir 1 000 klimaresiliente Weißtannen im erzgebirgischen Wald pflanzen werden, um die Widerstandsfähigkeit unseres Waldes gegen den Klimawandel zu fördern und ihn zu einem artgerechten Mischwald zu entwickeln. Ich danke an dieser Stelle den Mitarbeitern des Reviers 07, die uns dabei unterstützen. Ich wünsche mir, dass dieser Bericht wirklich gelesen wird – nicht als Pflichtlektüre, sondern als Auftrag. Vielen Dank. (Beifall SPD sowie vereinzelt BÜNDNISGRÜNE und Die Linke – Beifall Staatsregierung) Erste Vizepräsidentin Ines Saborowski: Schönen Dank. Für die SPD-Fraktion sprach Frau Kollegin Lang. Es folgt für die BÜNDNISGRÜNEN Herr Abg. Günther; bitte schön.
