Tina Trompter
– Danke. – Genau deshalb lohnt sich ein genauerer Blick auf den aktuellen Waldzustandsbericht. Der Waldzustandsbericht zeigt klar und unmissverständlich, dass sich unsere Wälder weiterhin in einem kritischen Zustand befinden. Zwar gibt es hier und da leichte Verbesserungen, doch von einer echten Erholung kann keine Rede sein. Noch immer ist ein erheblicher Teil unserer Bäume beschädigt, viele sogar deutlich. Das ist keine Momentaufnahme, das ist eine Entwicklung, die sich seit einigen Jahren abzeichnet. Seit 2018 stehen unsere Wälder unter Dauerstress: Dürreperioden, steigende Temperaturen, Stürme und massive Insektenkalamitäten haben tiefe Spuren hinterlassen. Aber es gibt auch eine leicht vorsichtig positive Nachricht. Der Rückgang des Borkenkäferbefalls nimmt weiterhin zu. Im letzten Jahr zeigte sich ein deutlicher Rückgang des Schadholzes. Das kann uns zumindest für den Moment aufatmen lassen. Trotz alledem bleibt aber die Grundproblematik bestehen: Die Vitalität unserer Wälder ist nachhaltig geschwächt. Besonders alarmierend ist die Situation bei den Eichen. Nur ein sehr kleiner Teil ist noch gesund, während die große Mehrheit deutliche Schäden aufweist. Aber auch unsere klassischen Wirtschaftsbaumarten wie Fichte und Kiefer sind weiterhin stark betroffen. Meine Damen und Herren, das bedeutet, unser Wald ist nicht auf dem Weg der schnellen Erholung. Er befindet sich in einem strukturellen Dauerstress. Daraus müssen wir die richtigen Schlüsse ziehen. Erstens. Der Klimawandel ist Realität und trifft unseren Wald mit voller Wucht. Wir brauchen Lösungen, damit unser Wald mit zunehmender Dürre, Hitze und Trockenheit klarkommt. Der Waldumbau ist keine Option mehr, er ist eine Notwendigkeit. Wir brauchen stabile, widerstandsfähige Mischwälder statt anfälliger Monostrukturen. Das ist eine Aufgabe, die Generationen betrifft und in der wir weiterhin vorangehen werden. Wir unterstützen das Aktionsprogramm zur Schaffung artenreicher und klimaresilienter Laubmischfelder durch Wiederherstellung und Waldumbau, stellen die erforderlichen Kofinanzierungsmittel auf dem bisherigen Niveau bereit und werden die sächsische Waldmehrungsplanung überprüfen und zweckmäßig anpassen. Zweitens. Unser Wald hat eine Schutz- und Erholungsfunktion für uns, und er ist einer der bedeutendsten Wasserspeicher. Vor allem ist er aber auch Wirtschaftsraum. Wir als CDU-Fraktion verfolgen eine klassisch waldbesitzerorientierte Forstpolitik, die auf nachhaltige Bewirtschaftung, Eigentumsrechte, wirtschaftliche Nutzbarkeit und stabile Rahmenbedingungen setzt. Konflikte entstehen vor allem dort, wo stärker regulierende oder naturschutzorientierte Ansätze vertreten sind. Der Waldzustandsbericht zeigt deutlich: Unsere Wälder stehen unter einem massiven Stress. Wer den Wald heute einfach sich selbst überlässt, überlässt ihn im Zweifel auch Dürre, Schädlingen und strukturellen Schäden. Deshalb ist für uns klar: Wir müssen mit dem Wald arbeiten, nicht gegen ihn und schon gar nicht an ihm vorbei. In diesem Zusammenhang müssen wir auch die Auswirkungen europäischer Vorgaben im Blick behalten. Sowohl die EU-Entwaldungsverordnung als auch die geplante EUWiederherstellungsverordnung verfolgen grundsätzlich richtige Ziele: den Schutz und die Wiederherstellung unserer Wälder. Aber der Weg dorthin ist entscheidend; denn für unsere heimische Forstwirtschaft bedeuten diese Regelungen vor allem eines: mehr Bürokratie, mehr Nachweispflichten und weniger Planungssicherheit. Gerade für unsere Waldbesitzer entsteht ein erheblicher Mehraufwand, ohne dass damit automatisch ein zusätzlicher Nutzen für unsere nachhaltigen Wälder verbunden ist; denn eines ist klar: Unsere Forstwirtschaft in Sachsen arbeitet bereits heute verantwortungsvoll und mit hohen Standards. Deshalb darf die europäische Regelung nicht diejenigen zusätzlich belasten, die bereits nachhaltig wirtschaften. Was wir brauchen, ist kein Mehr an Vorschriften, sondern mehr Vertrauen in die Praxis vor Ort. Das heißt konkret: Augenmaß statt Überregulierung. (Beifall CDU und Staatsregierung) Weiterhin setzen wir uns für eine aktive, wirtschaftlich tragfähige Forstwirtschaft ein. Zentrale Elemente sind die nachhaltige Nutzung statt Stilllegung, die Pflege und Bewirtschaftung als Voraussetzung für Waldstabilität sowie die Unterstützung privater und kommunaler Walbesitzer im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten. Nachhaltige Bewirtschaftung ist kein Gegensatz zum Naturschutz, sondern seine Voraussetzung. Deshalb muss „Schutz durch Nutzung“ gelten. Drittens. Wir dürfen die Walbesitzer nicht alleinlassen. Ein großer Teil unserer Wälder liegt in privater Hand. Wer Verantwortung für den Wald übernimmt, braucht auch die entsprechenden Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie, verlässliche Förderungen und echte Planungssicherheit. Ein zentrales Instrument dafür ist die Förderrichtlinie „Wald und Forstwirtschaft“. Über sie unterstützt der Freistaat ganz konkret die Maßnahmen des Waldumbaus, die Aufforstung geschädigter Flächen sowie die Maßnahmen zum Schutz unserer Wälder. Klar ist: Wer heute in den Wald investiert, der investiert nicht in sein Eigentum, er investiert in unsere gemeinsame Zukunft. Genau deshalb wird die duale staatliche Ausbildung zum Forstwirt oder zur Forstwirtin in Sachsen seit vielen Jahren über den Bedarf unterstützt, damit der Nachwuchs für unsere Wälder an die klassische, praktische Arbeit im Wald herangeführt wird. Viertens. Wir müssen ehrlich sein: Den Wald sich selbst zu überlassen, ist keine Lösung. Ein stabiler Wald entsteht nicht durch Nichtstun, sondern durch eine kluge, nachhaltige Bewirtschaftung. Ein zentraler Pfeiler unserer Waldpolitik ist der Staatsbetrieb Sachsenforst. Er ist nicht nur Bewirtschafter des Staatswaldes, sondern vor allem ein verlässlicher Partner für private und kommunale Walbesitzer. Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich seine Stärke: Beratung vor Ort, Hilfe beim Umbau, Unterstützung im Kampf gegen Schädlinge und bei Förderprogrammen. Sachsenforst bringt Wissen, Praxis und Unterstützung zusammen – von der Aufforstung bis hin zur Holzvermarktung. Damit ist er weit mehr als eine Behörde. Er ist Bindeglied, Möglichmacher und Garant dafür, dass nachhaltige Waldbewirtschaftung in der Fläche gelingt. Wer den Wald schützen will, darf ihn nicht sich selbst überlassen, sondern muss ihn aktiv, verantwortungsvoll und nachhaltig gestalten. Vielen Dank. (Lebhafter Beifall CDU und Staatsregierung) Erste Vizepräsidentin Ines Saborowski: Vielen Dank. Es sprach für die CDU-Fraktion Frau Kollegin Trompter, und es folgt für die AfD-Fraktion Herr Abg. Österle; bitte.
