Wolfram Günther
Wir haben vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse, etwa am Golf, der Straße von Hormus, festgestellt, dass auch die Landwirtschaft aufgrund der steigenden Energiepreise betroffen ist. Das schlägt dann auf Düngemittel, auf Betriebsmittel, aber auch auf Lieferketten durch. Wir haben das schon einmal im Jahre 2022 erlebt, und wir haben es während der Coronazeit im Jahr 2020 erlebt. Dazu interessiert mich, ob es diesbezüglich einen strategischen Ansatz gibt, wie wir diese Abhängigkeiten dort verringern können. Georg-Ludwig von Breitenbuch, Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft: Der Bedarf, die Welt zu ernähren, bleibt, glaube ich. Dabei ist natürlich die Frage: Wie kann man effizienter mit diesem Düngereinsatz umgehen? Es gibt neue Züchtungen. Es gibt auch Möglichkeiten, dass die Pflanze mit weniger Stickstoff trotzdem zum Ertrag kommt. Es gibt eine bessere Ausbringungstechnik in der Landwirtschaft. Das sind nur einige Beispiele. Es gibt einen eigenen Innovationszyklus, der auch in der Landwirtschaft läuft. Natürlich ist es so, dass, wenn man einen Düngerstreuer kauft, dieser dann auch 20 Jahre hält. Das heißt, erst nach 20 Jahren hat der Betrieb die Möglichkeit, den nächsten Sprung zu machen. Dabei muss man als Gesellschaft Geduld aufbringen und wissen, dass das auch länger dauert. Trotzdem glaube ich schon, dass dieser Zyklus läuft, weil der Dünger teuer ist und die Landwirtschaft ein Interesse daran hat, es effizient einzusetzen. Insgesamt tut es mir weh zu sehen, wenn wir jetzt Kreisläufe verlieren, weil die Tierhaltung in unserem Land zurückgeht, wir Kalikreisläufe und Stickstoffkreisläufe über die Gülle und über den Mist im Lande nicht mehr haben, sondern das von außen eintragen müssen. Das macht mir schon große Sorgen. Wir haben eine Tierhaltung, die deutschlandweit sehr gering ist. Im Gegensatz zu anderen Gegenden haben wir wenig Tiere auf der Fläche, aber auch in großen Ställen. Daraus ergaben sich immer diese Düngerkreisläufe, die bei uns funktionierten. Tierhaltung hat etwas mit Dünger zu tun, den wir selbst haben. Ich werbe dafür, dass wir die Tierhaltung wieder besser in den Blick nehmen und es nicht wie im letzten Jahrzehnt zulassen, dass aus jedem Schweinestall, der abgerissen wurde, dessen Schweine inzwischen in Spanien bei deren Wasserproblemen landen. Das ist nicht richtig. Wir müssen wieder zu diesem langfristigen Denken kommen, und zwar in Kreisläufen, gerade was den Boden, was die Tiere und was die Pflanzen angeht. Das ist mir ein Anliegen. Schönen Dank. Erste Vizepräsidentin Ines Saborowski: Eine Frage geht noch an Saalmikrofon 3.
