landtag.sachsen.de ↗

Luise Neuhaus-Wartenberg

Die Linke 25.03.2026 Sitzungen 8/26

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Die AfD will das Schulfach Wirtschaft ab dem Schuljahr 2027/2028 an allen allgemeinbildenden Schulen einführen. Die Lehrkräfte dafür sollen – folgt man der Logik ihres Antrags – im selben Jahr ausgebildet werden. Ich gebe offen zu, dass mich das irritiert. Ausbildung braucht Zeit, Qualität braucht Zeit, und Schule ist kein Ort, an dem man Konzepte im Schnellverfahren einführt. Zugleich soll darauf hingewirkt werden, dass insbesondere Lehrkräfte aus den Fächern Gemeinschaftskunde, Recht und Wirtschaft künftig Fortbildungen zu wirtschaftlichen Grundlagen erhalten, organisiert in Zusammenarbeit mit Hochschulen und Unternehmen. Ja, wir finden auch, dass an der einen oder anderen Stelle Kooperationen zwischen Schule und Wirtschaft sinnvoll sind. Jenseits davon verfolgen wir jedoch einen Weg des Lernens, der grundsätzlich mit der Lebens- und Arbeitswelt im Zusammenhang steht und mit ihr zusammengedacht wird. Dabei stellt sich dann, wenn man Ihren Antrag liest, eine grundsätzliche Frage: Wo verläuft die Grenze zwischen Bildung und Einflussnahme? Genau an dieser Stelle kann ich nur sagen, dass sich unser Bildungsbegriff ganz stark von Ihrem unterscheidet. Uns geht es darum, dass wir an außerschulische Lernorte gehen und dort in Formaten lernen, die sich stark vom klassischen Unterricht unterscheiden. Wir wollen eine Schule der Zukunft, die auf das Leben vorbereitet. Meine Kollegen Dr. Kromer, Gerald Eisenblätter, Lars Wurzler und Christin Melcher haben bereits darauf aufmerksam gemacht. Wie gesagt: eine Schule, die auf das Leben vorbereitet und frühestens nach der achten Klasse trennt. Daher will ich sagen: Unser Bildungsbegriff ist ganz sicher nicht Ihrer. Wenn ich davon ausgehe, dass unser Bildungsbegriff nicht Ihrer ist, haben wir eine grundsätzlich andere Auffassung davon, wie Lehrkräfte aus- und weitergebildet werden. Umso bemerkenswerter ist es, dass ausgerechnet Sie den Anspruch erheben, Bildung neu zu ordnen bzw. neu zu sortieren; denn ausgerechnet die AfD, deren wirtschaftspolitische Vorschläge alles andere als stabilitätsfördernd sind, inszeniert sich als Retterin nachhaltiger ökonomischer Bildung. Ausgerechnet Sie, die hier wirtschaftliche Kompetenz für sich reklamieren, gefährden mit Ihren eigenen Positionen genau das, was Sie vorgeben, zu stärken. Exportorientierung wird infrage gestellt, Fachkräftezuwanderung blockiert, europäische Zusammenarbeit untergraben. Das ist unserer Meinung nach kein wirtschaftspolitisches Konzept, das ist schlicht ein Weg in die Deindustrialisierung. (Mike Moncsek, AfD: Was?) Eine Studie haben Sie auch gefunden. Schulen und Bundesländer, die auf ein eigenständiges Fach setzen, werden höher bewertet als solche, die wirtschaftliche Inhalte integriert vermitteln, so wie in Sachsen. (Mike Moncsek, AfD, steht am Mikrofon.) Hier wird gewichtet und nicht analysiert, also ein ziemlich schlechtes Argument, wie ich finde. Diese Debatte wird geführt, als ginge es nur um ein weiteres Fach. Dritter Vizepräsident Prof. Dr. Jörg Scheibe: Frau Neuhaus-Wartenberg, würden Sie eine Zwischenfrage zulassen?

Alle Reden von Luise Neuhaus-Wartenberg Protokoll ↗