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Christin Melcher

GRÜNE 25.03.2026 Sitzungen 8/26

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Der Antrag der AfD-Fraktion klingt auf den ersten Blick sehr verlockend. Ein eigenes Pflichtfach Wirtschaft soll den Mittelstand stärken, mehr Gründungen hervorbringen und den Fachkräftemangel lösen. Das Problem ist nur: Er verspricht einfache Antworten auf doch ziemlich komplexe Fragen – und genau das funktioniert in der Bildungspolitik nun einmal nicht. Erstens ist aus unserer Sicht die Grundlage dieses Antrags mehr als dünn: Es wurde von meinen Vorrednern Herrn Dr. Kromer und Herrn Eisenblätter schon auf die Studie, die zugrunde liegt, eingegangen. Das, was diese Studie jeweils misst, ist, wie oft eigentlich das Wort „Wirtschaft“ im Stundenplan steht. Was sie aber nicht misst – und das ist wesentlich entscheidender –, ist, was Schülerinnen und Schüler wirklich lernen; ob sie beispielsweise wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen, ob sie kritisch denken können und ob sie wirtschaftliches Handeln in gesellschaftliche und ökologische Kontexte einordnen können. Ein Ranking über Stundenzahlen ersetzt aus unserer Sicht keine ernsthafte Bildungspolitik. Zweitens geht der Antrag aus unserer Sicht an den Realitäten unserer Schule vorbei. Er erweckt den Eindruck, wirtschaftliche Themen würden in Sachsen kaum eine Rolle spielen. Das ist schlicht nicht richtig. Ökonomische Inhalte sind längst Teil des Unterrichts, in Fächern wie Gemeinschaftskunde, Recht und Wirtschaft oder auch in praxisnahen Formaten. Auch davon haben wir heute schon viel gehört und das ist auch gut so. Denn Wirtschaft findet nicht im luftleeren Raum statt. Sie ist immer mit gesellschaftlichen Fragen, rechtlichen Rahmenbedingungen und ökologischen Grenzen verbunden. Wer daraus ein isoliertes Fach macht, verengt aus unserer Sicht den Blick, statt ihn zu weiten. Drittens ist der Antrag aus meiner Sicht auch ziemlich einseitig. Er stützt sich fast ausschließlich auf die Stimmen von Wirtschaftsverbänden und Kammern. Sie haben das bei der Einbringung noch einmal deutlich gemacht. Das ist aber nur eine Perspektive in diesem Zusammenhang. Gute ökonomische Bildung muss mehr leisten. Sie muss auch Arbeitnehmer-/innenrechte vermitteln, soziale Ungleichheiten thematisieren und ökologische Folgen wirtschaftlichen Handelns in den Blick nehmen. Kurz gesagt: Sie muss die Realitäten unserer sozialen Marktwirtschaft abbilden, eben nicht nur die Interessen einzelner Akteure. Ein Unterricht, der das nicht tut, ist aus unserer Sicht keine Bildung, sondern einseitige Einflussnahme. Viertens, und das ist vielleicht das Entscheidende, kommt Ihr Antrag zur völlig falschen Zeit. Sachsen hat einen massiven Lehrermangel. Schon heute fällt Unterricht aus, weil Personal fehlt. In dieser Situation schlagen Sie ein neues Pflichtfach vor, ohne zu sagen, wer es unterrichten soll, wie die Lehrkräfte ausgebildet werden sollen und wer die Qualität an den Schulen absichern soll. Das ist aus unserer Sicht keine durchdachte Reform, sondern bloße Symbolpolitik. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Was wir stattdessen brauchen, ist etwas anderes, keine Schmalspurökonomie als eigenes Fach, sondern eine starke, breite Allgemeinbildung. Eine Bildung, die wirtschaftliches Verständnis vermittelt, aber eingebettet in Demokratiebildung, Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und digitale Kompetenz ist. Denn genau das sind die Fähigkeiten, die junge Menschen heute aus unserer Sicht brauchen, um sich in einer immer komplexer werdenden Welt zurechtzufinden, Verantwortung zu übernehmen und sich einen selbstbestimmten Weg zu ebnen. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Antrag der AfD löst aus unserer Sicht kein einziges Problem. Er vereinfacht, verkürzt und verkennt die Herausforderungen, vor denen unser Bildungssystem steht. Deshalb werden wir diesen Antrag ablehnen. Vielen Dank. (Beifall BÜNDNISGRÜNE) Dritter Vizepräsident Prof. Dr. Jörg Scheibe: Wir hörten für die Fraktion BÜNDNISGRÜNE Frau Melcher. Als Nächstes hören wir für die Fraktion Die Linke Frau Neuhaus-Wartenberg.

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