Gerald Eisenblätter
Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Unsere Wirtschaft steht zweifelsohne vor großen Herausforderungen und natürlich suchen wir alle nach Wegen, ihr neuen Schwung zu verleihen. Nun soll es die Bildungspolitik richten. Genau das verspricht der Antrag der AfD-Fraktion. Doch er greift zu kurz, vereinfacht komplexe Zusammenhänge und zieht falsche Schlussfolgerungen. Ja, Sachsen wird in der OeBiXStudie 2024 als Schlusslicht geführt, aber entscheidend ist doch: Was misst diese Studie und was misst sie nicht? Es wurde schon einiges gesagt, aber ich wiederhole gern, da das festigt: Die Studie misst vor allem Strukturen: Stundenzahl, Fächerzuschnitt, institutionelle Verankerung. Sie misst gerade nicht, was wirklich zählt: was Schülerinnen und Schüler können, wie gut sie wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen, wie kompetent sie Entscheidungen im Alltag treffen. Deshalb ist es bildungspolitisch nicht seriös, aus einem solchen Strukturindex direkt die Forderung nach einem neuen Pflichtfach abzuleiten. Bei allen Herausforderungen gehört Sachsen weiterhin zu den leistungsstärksten Bildungssystemen in Deutschland. Unsere Schülerinnen und Schüler erreichen in zentralen Bereichen regelmäßig überdurchschnittliche Ergebnisse. Die AfD stellt dieses System infrage – heute Morgen war es irgendwie noch andersherum, da ging es um Dichter und Denker. Das macht sie hier, weil sie allein einem Modell einer Studie folgt und dieses bevorzugt. Denn die Studie folgt einem klaren Leitbild: dem eigenständigen Schulfach Wirtschaft. Wenn ich das in Auftrag gebe – Herr Kollege Wurzler hat es gerade erwähnt –, dann ist das Forschungsergebnis vorprogrammiert. Länder wie Sachsen, die auf integrierte Ansätze setzen, werden systematisch schlechter bewertet. Nicht unbedingt, weil sie schlechter sind, sondern weil sie sich anders organisieren. Darauf kann man keine grundlegende Stundentafelreform aufbauen. Wir als SPD wollen ökonomische Bildung stärken, aber wir sagen auch, sie ist mehr als Betriebswirtschaftslehre. Es geht um soziale Zusammenhänge, Arbeitswelt und Mitbestimmung, nachhaltiges Wirtschaften, Verbraucherbildung und kritisches Denken. All das leisten unsere bestehenden Fächerverbünde – Gemeinschaftskunde, Geografie, Recht und Wirtschaft – bereits heute. Was die AfD vorschlägt, ist dagegen eine einseitige Verengung. Hinzu kommt: Die Einführung eines neuen Pflichtfaches bis 2027 ist schlicht realitätsfern. Wir stehen vor großen Herausforderungen. Wir haben es heute Morgen bereits debattiert: Lehrkräftemangel, hohe Belastungen an Schulen, Digitalisierung und wachsende Heterogenität. Gleichzeitig sollen innerhalb kürzester Zeit neue Lehrpläne, Studiengänge und Fächerstrukturen entstehen. Wirklich? Wie soll das gehen? Das ist kein seriöser Vorschlag, sondern politische Symbolik. Was wir brauchen, ist etwas anderes: eine qualitative Weiterentwicklung der bestehenden Fächer samt überarbeiteter Lehrpläne, mehr fächerverbindendes Lernen, bessere Fortbildungen für Lehrkräfte, stärkere Praxisbezüge – Herr Kollege Kromer hat Beispiele genannt – und eine moderne, breit verstandene ökonomische Bildung. Kein zusätzliches Fach um jeden Preis! Meine Damen und Herren! Gute Bildung entsteht nicht durch mehr Fächer, sondern durch gute Konzepte, gute Lehrkräfte und durchdachte Inhalte. Der Antrag der AfD wird diesem Anspruch abermals nicht gerecht. Deshalb werden wir ihn ablehnen. Vielen Dank. (Beifall SPD und CDU) Dritter Vizepräsident Prof. Dr. Jörg Scheibe: Wir hörten Herrn Abg. Eisenblätter für die SPD-Fraktion. Als Nächstes spricht Frau Abg. Melcher für die BÜNDNISGRÜNEN.
