Laura Stellbrink
Nein. – „Jede meiner Freundinnen hat das auch erlebt / Schlüssel in der Faust auf dem Nachhauseweg (…) Alle drei Sekunden umdreh’n, nachts allein im Dunkeln / Sag mir, was weißt du davon?“ Männer üben Macht über Frauen aus. Macht durch Gewalt ist dabei nur die drastischste Form. Frauenhass ist wieder sichtbar und gesellschaftsfähig. Mächtige Männer rühmen sich öffentlich mit Geschichten von Sexismus und sexueller Belästigung. Nur ein Beispiel: Ein Mann der sich rühmt, Frauen sexuell belästigt zu haben, ist amerikanischer Präsident. Mit Blick auf das Ausmaß der Gewalt gegenüber Frauen formulierte die „Zeit“-Autorin Viktoria Morasch die drastische Frage: Wie soll das alles weitergehen mit uns Frauen und Männern? In ihrem Artikel stellt sie zudem fest: Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen ist gestört – grundlegend. Wann ist mit systematischer Gewalt gegen Frauen endlich Schluss? Vielleicht nie. Eine Chance, das zu verändern, haben wir nur, wenn wir daran gemeinsam etwas ändern und gemeinsam daran arbeiten, oder wie es der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen am 8. März auf den Punkt brachte: „Liebe Männer, verstecken wir uns nicht hinter dem Satz ,not all men.‘“ Was meint Alexander Van der Bellen damit? Was meinen all die Männer damit, die sagen: „not all men“? Was sollten sie meinen? Konkret heißt das: Männer müssen hinschauen und handeln, wenn eine Frau bedrängt wird, und nicht wegsehen, sondern eingreifen. Wenn im Freundeskreis oder im Job Grenzen überschritten werden, müssen sie widersprechen, klar Position beziehen. Wenn ein Nein relativiert wird, müssen sie deutlich machen, dass es keine Grauzone gibt. Wenn sexistische Witze, Sprüche oder digitale Übergriffe passieren: Nicht lachen, sondern stoppen! Um auch im Kleinen Verantwortung zu übernehmen: zuhören, ernst nehmen, reflektieren. Das eigene Verhalten hinterfragen. Nur so wird aus „not all men“ mehr als eine Zusicherung an die Frauen, dass nicht alle Männer so sind, nämlich eine Haltung, die Frauen tatsächlich schützt. Um endlich wirksam etwas gegen Gewalt an Frauen zu tun, muss nicht nur die Scham die Seite wechseln, wie es Gisèle Pelicot während des Prozesses gegen ihren Ex-Mann gefordert hat, sondern auch die Wut muss es: von uns Frauen zu euch Männern – und auch die Verantwortung dafür, das System dahinter grundsätzlich zu ändern. Vielen Dank. (Beifall SPD und BÜNDNISGRÜNE sowie vereinzelt Die Linke) Erste Vizepräsidentin Ines Saborowski: Vielen Dank. Es sprach für die Antragsstellerin Frau Kollegin Stellbrink. An Mikrofon 6 wünscht Herr Kollege Gahler eine Kurzintervention; bitte schön.
