Laura Stellbrink
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Giuffre, Pelicot und Fernandes: Ich würde gerne sagen, dass es mich sprachlos macht, die Schilderungen dieser Frauen zu lesen – so widerlich und abgründig, dass es eigentlich nur schockierende Einzelfälle sein können –, und dass wir durch mehr Schutz vor sexualisierter häuslicher und digitaler Gewalt grundlegend etwas ändern könnten: durch besseren Opferschutz und konsequente Bestrafung der Täter, durch stärkeren Gewaltschutz, auch hier in Sachsen, flächendeckend und verlässlich finanziert. Nur: Das sind keine Einzelfälle. Es hat System – weltweit, deutschlandweit, sachsenweit. Es ist ein uraltes System, in dem Männer Macht über Frauen ausüben, sie klein machen, Druck ausüben, einschüchtern, bedrohen. Daran hat sich erschreckend wenig geändert. Das macht mich wütend; denn es sah einmal so aus, als würde es für Frauen besser werden, als würden Frauen Männern gleichgestellt. Aber die Wahrheit ist: In den letzten Jahren hat sich wenig geändert. Nahezu täglich kommen neue Fälle von Gewalt gegen Frauen ans Licht. Gewalt ist Alltag, und zwar vor allem zu Hause und vor allem gegen Frauen. Sexismus ist Alltag. Angst vor Gewalt ist für viele Mädchen und Frauen Alltag. Céline und Paula Hartmann haben es in ihrem Lied „3 Sekunden“ auf den Punkt gebracht: „Schiefe Blicke, laute Wörter / Für sie sind wir nur noch Körper / Und er hört nicht auf zu diskutier’n / Als ob er mein Nein nicht gehört hat.“ Erste Vizepräsidentin Ines Saborowski: Möchten Sie eine Zwischenfrage zulassen?
