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Rick Ulbricht

CDU 04.02.2026 Sitzungen 8/24

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Geschichte verblasst schnell, wenn sie nicht Teil des eigenen Erlebens war. Deshalb geht es darum, aus der Erinnerung immer wieder lebendige Zukunft werden zu lassen.“ Das sagte der frühere Bundespräsident Roman Herzog zum Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus in seiner Ansprache vor dem Deutschen Bundestag im Jahr 1996. Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem plant nun die Errichtung ihrer ersten Außenstelle weltweit, und zwar in Deutschland. Ein Bildungszentrum, das bundesweit dazu beitragen soll, ganz im Sinne der Worte Roman Herzogs, jungen Menschen Wissen über die Geschichte des Holocaust zu vermitteln und sie für die anhaltenden Gefahren des Antisemitismus zu sensibilisieren. Wie wichtig dies gerade heute ist, haben meine Vorrednerinnen und Vorredner bereits ausgeführt. Ich halte es für ein sehr positives und wichtiges Zeichen, dass gerade Sachsen in die engere Wahl für dieses Bildungszentrum kommt. Seit Anfang 1990 sind die Mitgliedszahlen der jüdischen Gemeinden in Sachsen stark gestiegen – eine tolle Entwicklung, die für eine Wiederbelebung jüdischer Kultur und jüdischen Lebens in Sachsen steht. Mit etwa 50 jüdischen Vereinen, die teils durch den Freistaat gefördert werden, existiert bereits heute ein wichtiges Netzwerk jüdischer Kultur im Freistaat, auf das die Erinnerungsarbeit weiter aufbauen kann. Nun steht Leipzig als Standort für dieses Zentrum im Raum. Es wird Sie nicht verwundern, dass ein Leipziger Abgeordneter Leipzig für einen guten Standort hält. (Heiterkeit und Beifall Laura Stellbrink, SPD) Aber für Leipzig spricht viel mehr als Lokalpatriotismus: Sachsens größte Stadt liegt im Herzen Mitteldeutschlands und ist verkehrstechnisch sehr gut angebunden. Die Ausstrahlung von einem Bildungszentrum in die benachbarten Bundesländer sowie weite Teile Deutschlands wäre immens. Darüber hinaus wirkt Sachsen mit seinen guten Beziehungen zu unseren polnischen und tschechischen Nachbarn über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus. Aber es geht nicht nur um die Lage Leipzigs. Leipzig war vor der NS-Zeit schon Heimat einer der bedeutendsten jüdischen Gemeinden Deutschlands und kann auf über 700 Jahre jüdisches Leben zurückblicken. Und auch heute finden sich in Leipzig die größten jüdischen Gemeinden Ostdeutschlands. Die lebendige jüdische Gegenwart und der lokale Umgang mit dem jüdischen Erbe sprechen für den Standort. Leipzig hat ein starkes Netzwerk in Zivilgesellschaft und Wissenschaft. Zu nennen sind beispielsweise das ErichZeigner-Haus, das Leipziger Dubnow-Institut, das mein Kollege Gerald Eisenblätter schon angesprochen hat, und auch die Jüdische Woche, die alle zwei Jahre jüdisches Leben ins Zentrum stellt. Besonders mit dem AriowitschHaus in meinem Leipziger Wahlkreis besteht bereits eine über die Grenzen des Freistaates hinaus bekannte Einrichtung. Getragen von seinen drei Säulen Kultur, Bildung und Begegnung leistet die Einrichtung einen unverzichtbaren Beitrag, jüdisches Leben in unserer Gesellschaft sichtbar zu machen, Antisemitismus aktiv entgegenzuwirken und den interreligiösen Austausch zu stärken. Küf Kaufmann, ein echter Macher, ein bekanntes Gesicht der jüdischen Gemeinde in Sachsen, und Marina Limperska als Geschäftsführerin sowie viele weitere leisten hier eine tolle Arbeit. Bei meinem Antrittsbesuch als neuer Wahlkreisabgeordneter im letzten Jahr konnte ich mich davon selbst überzeugen. Auf all diese Netzwerke und bestehenden Kontakte kann ein Bildungszentrum in Leipzig erfolgreich aufbauen. Im Dezember durfte ich die Delegation aus Israel, welche die potenziellen Standorte besuchte, um sich ein Bild vor Ort zu machen, in Leipzig begrüßen. Ich möchte insbesondere den Vertretern der jüdischen Gemeinden in Sachsen und speziell dem Ariowitsch-Haus in Leipzig sowie vielen weiteren Akteuren danken. Gemeinsam mit der Staatsregierung und der Stadt Leipzig konnten sie mit einem tollen Programm und einem überzeugenden Konzept ein großartiges Bild von unserem Freistaat und dem jüdischen Leben in Sachsen zeigen. (Beifall CDU und SPD) Sehr geehrte Damen und Herren, man muss es so klar sagen: Es ist von immenser Bedeutung, dass Yad Vashem Deutschland als Partner und Standort für dieses Bildungszentrum ausgewählt hat. Dies ist insbesondere mit Blick auf unsere Geschichte und die Schrecken der Schoah eine Handreichung, eine Einladung zur Arbeit an einer gemeinsamen Zukunft. Lassen Sie uns mit dieser Debatte hier und heute ein deutliches Zeichen setzen, dass jüdisches Leben nicht nur ein fester Bestandteil unseres Freistaates ist, sondern dass ein Yad-Vashem-Bildungszentrum hier einen großartigen Standort findet, um aus dem Herzen Mitteldeutschlands über die Grenzen Leipzigs und Sachsens hinaus zu wirken! Vielen Dank. (Beifall CDU, SPD und Staatsregierung) Erste Vizepräsidentin Ines Saborowski: Schönen Dank. Es sprach für die CDU-Fraktion Herr Abg. Ulbricht. Gibt es weiteren Redebedarf? – Das kann ich nicht erkennen. Dann könnte die Staatsregierung sprechen, wenn gewünscht. – Das Wort ergreift Herr Staatsminister Clemens; bitte.

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