Petra Köpping
Na, jetzt haben Sie mir es aber gegeben. Ich würde gern weitermachen. (Heiterkeit und vereinzelt Beifall SPD, CDU, BÜNDNISGRÜNE, Die Linke und Staatsregierung – Zuruf Jonas Dünzel, AfD) Zum Gutachten zur Entwicklung des Versorgungs- und Ärztebedarfs. – Auch als Ministerin, Entschuldigung, muss man sich nicht alles bieten lassen. (Beifall SPD, CDU, BÜNDNISGRÜNE, Die Linke und Staatsregierung) Genau deswegen muss man an mancher Stelle auch mal reagieren. Das Gutachten hatte die Maßgabe, Voraussetzungen für zielgerichtete Maßnahmen zur Sicherung des künftigen Versorgungs- und Ärztebedarfs festzustellen. Deswegen haben wir im Jahr 2016 durch das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung dieses Gutachten erstellen lassen. Das Gutachten wurde im Jahr 2025 neu aufgelegt. Es hat eine detaillierte Auswertung ermöglicht und zeigt umfassende und präzise Darstellungen des Versorgungsbedarfs in den Mittelbereichen Sachsens. Das Gutachten zeigt außerdem erforderliche Handlungsfelder – das ist wichtig und gut so – sowie Handlungsempfehlungen. Das Gutachten honoriert aber auch, was in Sachsen bereits passiert ist und was mit Versagen weniger zu tun hat; denn Sachsen hat bereits viele Maßnahmen erfolgreich durchgeführt. Das sind zum Beispiel – damit ich es noch einmal aufzähle, und Frau Dietz sollte zuhören, weil es wichtig ist, dass sie es dann auch weiß – das Hausarztstipendium, die Landarztquote, die Förderung der Weiterbildung und Niederlassung durch den Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen sowie die Förderung von Projekten wie das Dermatologische Telekonsil im hausärztlichen Planungsbereich Löbau/Zittau. Viele Programmteile brauchen eben eine lange Zeit, weil die Ausbildung der Ärzte in der Regel elf Jahre dauert. (Thomas Thumm, AfD: Die Landarztquote war ein AfD-Antrag von …!) Deswegen ist es so wichtig, dass wir bereits vor vielen Jahren angefangen haben. Mittlerweile haben, glaube ich, alle Bundesländer ein Landarztprogramm. Das haben wir schon über viele Jahre gemacht. Selbstverständlich haben wir in Sachsen auch zusätzliche Studienplätze geschaffen, nämlich 110; die vorhin genannte Zahl von 100 war auch nicht ganz korrekt, es sind ganz genau 110. (Zuruf Jonas Dünzel, AfD) Es ist besonders wichtig, dass Studierende dorthin geleitet werden, wo sie gebraucht werden; auch das ist ein Punkt. Daher noch mal an die ländlichen Regionen: Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die ich dort kenne, sind außerordentlich aktiv und schaffen beste Bedingungen für die Ärzte, damit sie sich dort ansiedeln können. Das ist ein Fakt – mehr oder weniger habe ich vorhin nicht gesagt. Aber insgesamt gehört eine Willkommenskultur dazu. Gleichzeitig ist das Hausarztstipendium – auch das ist eine Maßnahme, die wir 2013 eingeleitet haben – für circa 166 Studierende wichtig. Hierdurch haben wir 2025 die ersten beiden Absolventen – nein, es sind sogar drei –, die als Hausärzte tätig werden. Es freut mich sehr, dass das, was wir eingeleitet haben, die ersten Früchte trägt. Im Rahmen der Landarztquote, die wir seit zwei Jahren haben, sind momentan 142 Studierende immatrikuliert. Bei „Studieren in Europa“ – Pécs wurde angesprochen – haben wir 236 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, und zwar finanziert durch die Kassenärztliche Vereinigung, die vorhin kritisiert worden ist, und durch uns, das SMS. Auch das ist ein sehr gutes Programm. Und auch das möchte ich ergänzen: Herr Wissenschaftsminister Gemkow ist selbstverständlich mit Prag im Gespräch. Ich bin informiert und wir werden uns in Kürze zusammentun; das habe ich bereits gestern erwähnt. Insofern: Auch hier sind wir dran, vielleicht noch den einen oder anderen Studienplatz zusätzlich zu holen. Wir haben für dieses Umsetzen der Maßnahmen im Bundesvergleich – auch das ist heute nicht gesagt worden – die jüngsten Ärzte vom Durchschnittsalter her, weil wir diese Maßnahmen ergriffen haben. Das ist noch nicht ganz so dolle, ich möchte nicht so tun, als wenn wir gar keine Probleme hätten; es sind 52,6 Jahre. Aber das Schlusslicht ist das Saarland, und nicht wir. Man muss auch einfach mal erwähnen, dass diese Maßnahmen, die wir ergriffen haben, wirken. Bei starker Innovation finde ich, dass unsere Akteure in Sachsen – und ich sagte eingangs, dass ich hierfür zu großem Dank verpflichtet bin – wirklich sehr aktiv sind: sowohl die KVS als auch die Sächsische Landesärztekammer. Wir haben eine vorbildliche Zusammenarbeit und immer wieder kommen neue Ideen und innovative Projekte. Es kommen neue Förderprogramme des Landesausschusses der Ärzte und Krankenkassen, seit Oktober 2025 das Programm PraxisFit. Wir haben die Fachärzte mit Niederlassungsabsichten – auch hier können Sie gut hinhören –, diese können praktische Erfahrungen in einer MentoringPraxis sammeln, von der Praxisorganisation über Personalführung bis hin zu betriebswirtschaftlichen Themen. Sie bekommen in einem Zeitraum von neun Monaten 5 800 Euro Gehaltszuschuss, um dieses Praktikum, wenn man das so nennen will, abzuschließen. Auch das ist eine großartige Leistung der KV. (Beifall SPD) Wir haben eine verstärkte Nutzung der telemedizinischen Ansätze und Infrastruktur. Wir haben erst kürzlich die MUBE, die mobile Untersuchungs- und Behandlungseinheit – ein neues augenärztliches Versorgungsangebot – geschaffen. Wir haben uns das angeschaut. Dort kann ich mir einen Termin organisieren, ich kann mit einer Terminvereinbarung dorthin kommen. Das ist eine wunderbare Geschichte, auch eine neue Form der Behandlung, weil ich eben in die ländlichen Räume kommen kann. Das Ziel dieser MUBE ist die augenärztliche Untersuchung und Befundung in einer mobilen Augenarztpraxis, und zwar wohnortnah. Der Freistaat Sachsen bezuschusst das übrigens mit 1,2 Millionen Euro, um so ein Projekt auszuprobieren und zu schauen, ob das eine Maßnahme für die Zukunft ist. Die im Antrag vorgeschlagenen Maßnahmen – das haben meine Kollegen Vorredner schon gesagt – betreffen die Selbstverwaltung, und die kann ich nicht umsetzen. Hierbei muss man einfach mal die Grenzen eines Ministeriums – und es ist gut so, dass es die Selbstverwaltung gibt – kennen. Wir haben ebenfalls eine stärkere Nutzung von Eigeneinrichtungen ermöglicht. Das sind die Bereiche, in denen wir eine Unterversorgung haben. Davon haben wir nicht zwei, sondern drei, die vorhanden sind. Auch hierbei sind wir sehr aktiv. Aber derjenige, der eine Eigenversorgung oder Eigeneinrichtung einrichten muss, braucht einen Arzt dafür. Genauso, wie wir den suchen, müssen wir auch die suchen; das ist nicht einfach. Wir sind diesbezüglich im engen Austausch. Vielleicht als letzten Punkt die Initiativen im Bund. Die sektorenübergreifende Versorgung ist eine Sache, die wir wirklich verbessern müssen. Es ist ganz eindeutig, dass ambulant und stationär viel enger zusammenarbeiten müssen als in der Vergangenheit. Dazu werden die gesetzlichen Vorarbeiten gemacht. Ich hoffe, dass wir uns dabei durchsetzen können. Gerade in den Regionen, in denen es eine bestimmte Facharztversorgung nicht gibt und in denen es notwendig ist, dass es diese sektorenübergreifende Verbindung gibt, weil das zum Beispiel eine Behandlungsmöglichkeit im Krankenhaus wäre, sind finanzielle Rahmenbedingungen zu klären; auch daran arbeiten wir. Sie sehen also – ich habe noch vieles hier stehen –: Es sind viele Ansätze, die wir gemeinsam beständig prüfen, erweitern und anpassen. Ich biete an der Stelle sehr gerne an, dass es zu den einzelnen Punkten eine ganz detaillierte Beratung gibt. Ich oder meine Kollegin Staatssekretärin machen das auch gerne im Ausschuss, wenn es Nachfragen gibt. Ich glaube, dass man sein Licht nicht unter den Scheffel stellen sollte, bezogen auf das, was alle Akteure hierbei leisten. Herzlichen Dank. (Beifall SPD, CDU und Staatsregierung) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Staatsministerin Köpping sprach für die Staatsregierung und nun übergebe ich an Frau Kollegin Dietz für das Schlusswort. Bitte schön.
