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Susanne Schaper

Die Linke 04.12.2025 Sitzungen 8/23

Ich werde mich selbstverständlich daran halten, sehr geehrter Herr Präsident. – Meine sehr verehrten Damen und Herren! Alle Jahre wieder erleben wir ruhige Festtage und einen lauten Jahreswechsel. Ich bin für diese Debatte sehr dankbar; denn sie erinnert daran, dass der vermeintliche Silvesterspaß nicht harmlos ist. Ich steige so ein, weil ich dem Präsidenten für seine Anmerkung dankbar bin. Neben Fontänen und ähnlichem Effektfeuerwerk kommen viele Sprengmittel zum Einsatz, oft zulasten von Fingern, Händen oder sogar noch größeren Körperteilen. Als Krankenschwester kenne ich solche Fälle durchaus aus eigener Anschauung. Letztes Silvester starben in Deutschland sogar fünf Personen durch selbstgebaute Böller und Kugelbomben. So kommen mehr Menschen wegen Asthmaanfällen, Herzinfarkten, Herzinsuffizienzen oder Schlaganfällen ins Krankenhaus. Weil die Einsatzkräfte so belastet sind, geraten auch Menschen in Gefahr, die nicht geböllert haben, aber anderweitig Hilfe brauchen. Auch abgesehen von Notfällen ist Feuerwerk gefährlich, nicht nur, weil es Luft, Böden und Gewässer verschmutzt, sondern – darauf will ich mich fokussieren – weil es millionenfaches Tierleid und riesige Müllberge produziert. Für viele Tiere bedeutet das Böllern wirklich puren Stress. Ich halte es mit Albert Schweitzer – deswegen kann eine AfD und auch ein BSW mit der Debatte nichts anfangen –: Tierschutz ist Erziehung zur Menschlichkeit. Das kann man hier kleinreden. Das sagt aber viel mehr über Sie als über diese Debatte aus, die lange überfällig ist. (Beifall Die Linke und vereinzelt BÜNDNISGRÜNE) In einer Umfrage des Vereins der Welttierschutzgesellschaft gaben 83,6 % der Befragten an, dass ihre Tiere zu Silvester Angstsymptome zeigten. Das ist kein Wunder; denn Hunde hören viermal so gut wie der Mensch und Katzen sogar noch besser. Tiere nehmen Feuerwerk als Gefahr wahr. Die Zahl der entlaufenen Tiere steigt zu Silvester deutlich an und erreichte am Jahreswechsel 2023/2024 mit mehr als 1 000 Meldungen bei Tasso einen traurigen Rekord. Nicht nur, weil ich selbst Haustiere halte, finde ich, dass privates Feuerwerk durchaus verzichtbar ist. Neben den Heimtieren leiden auch Weidetiere wie Pferde, Kühe oder Schafe. „Panik statt Party“, so fasst eine Pferdehofbesitzer die Nacht der Jahreswende zusammen. Für viele der 90 Pferde – ich zitiere – „ist die Silvesternacht die schlimmste Nacht des Jahres.“ Auch Pferde haben ein deutlich besseres Gehör. Als Fluchttiere sind sie besonders gefährdet, sich selbst oder andere zu verletzen oder in Panik zu geraten. Noch weniger im Bewusstsein ist das stille Leiden der Wildtiere. Wenn sie aufgeschreckt werden und fliehen, erleiden sie einen enormen Energieverlust. In der kalten Jahreszeit ist das lebensbedrohlich. Silvester gehört zu den intensivsten Nächten für Feuerwehren und Rettungsdienste. Sie müssen pausenlos zu Einsätzen ausrücken, die es ohne massenhaft und unkontrolliert angezündete Pyrotechnik nicht geben würde. Oft benötigen sie ihrerseits Schutz durch die Polizei. Wenn man die Einsatzberichte durchblättert, dann zeigt sich: Dieses Problem ist nicht nur eines der Großstädte. Wir haben hier gehört, dass Böllern eine Silvestertradition ist. Tradition, na klar, aber Traditionen sind nicht unantastbar, weil sie Traditionen sind. Wir sind früher – nebenbei bemerkt, Herr Rudolph – auch ums Feuer gerannt. Lange war nämlich auch das Anzünden von Wachskerzen am Weihnachtsbaum eine Tradition. Es ist brandgefährlich; deshalb wurde diese Tradition überwunden und auf elektrisches Licht umgestiegen. Alle negativen Folgen des Böllerns wären ebenso vermeidbar, wenn man nicht so engstirnig wäre. Deshalb ist es gut – wie Franziska Schubert schon angemerkt hat –, dass Tschechien seine Feuerwerkvorschriften verschärft hat. Böllerverbote gibt es im Umkreis von 250 Metern um Krankenhäuser, Pflegeheime, Tierheime, Zoologische Gärten. In Deutschland erlaubt es § 24 den Kommunen, das Böllern um Neujahr bei besonders brandempfindlichen, dichtbesiedelten Orten zu verbieten. Wir müssen das prüfen. Das ist jetzt nicht nur das, was die Polizei auch fordert. Es gibt dieses Bündnis aus Gewerkschaft der Polizei, Tierschutzvereinen, Kinderhilfe und Ärzteverbänden, die das fordern.

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