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Susanne Schaper

Die Linke 03.12.2025 Sitzungen 8/22

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir reden heute über Menschen, deren Leben von einem Tag auf den anderen stillsteht, weil ihr Körper einfach nicht mehr mitmacht. In Sachsen sind circa 100 000 Menschen betroffen, entweder von Long Covid oder Post Covid. 10 bis 20 % leiden unter dem Chronischen Fatigue-Syndrom, kurz ME/CFS, also der schwersten Form. Das sind über 18 000 Menschen im Freistaat, die Tag für Tag um ein bisschen Normalität kämpfen. Long Covid und ME/CFS sind für viele noch immer unsichtbar. Man sieht es ihnen eben nicht an. Aber sie bezahlen jede Treppe, jedes Gespräch, jede Stunde mit den Kindern mit einem Preis, den sich Gesunde kaum vorstellen können: enorme Erschöpfung, Herzrasen, Schwindel, Schmerzen oder sogar völlige Bettlägerigkeit in abgedunkelten Räumen für Stunden oder Tage. Immer häufiger hören wir Erfahrungsberichte von Menschen, die früher gelaufen sind und heute nicht einmal die Treppe bis zur Wohnung hochkommen. Von Kindern, die in der Schule fehlen und nicht mehr auf den Spielplatz können, weil ihr Körper einfach nicht mehr mitmacht. Von Angehörigen, die völlig erschöpft sind, weil sie pflegen, organisieren, Anträge schreiben und nebenbei ihren eigenen Alltag stemmen müssen. Viele fühlen sich im Stich gelassen. Sie stoßen auf Unwissenheit und viele Vorurteile. Wer dann dauernd die Sätze hört: „Sie sehen ja gar nicht krank aus“ oder „Das ist doch nur ein bisschen Müdigkeit; morgen ist es sicher besser“, verliert irgendwann das Vertrauen in das System. Es gibt nur wenige spezialisierte Anlaufstellen und die sind hoffnungslos überfordert. Die Wartezeiten auf Diagnostik und Therapie sind ewig lang. Reha-Einrichtungen sind mit den Krankheitsbildern überlastet und es gibt keine zugelassenen Medikamente. Die Behandlungen beschränken sich momentan vor allem darauf, die Symptome zu lindern. Gleichzeitig kämpfen die Betroffenen mit einem Dschungel an Anträgen für Pflegegrad, Erwerbsminderungsrente, Bürgergeld oder Wohngeld, oft mit ungewissem Ausgang, über Monate oder Jahre oder sie enden dann vor Gericht. Deshalb ist dieser gemeinsame Antrag so wichtig und auch ich danke allen Beteiligten, insbesondere den GRÜNEN als Initiatoren. Die Versorgung von Long-Covid-, ME/CFS- und Post-Vac-Betroffenen in Sachsen muss dringend verbessert werden. Der Antrag fordert, Betroffenenzahlen besser zu erfassen, Versorgungsangebote zu bündeln und – was auch wichtig ist – verständliche Informationen bereitzustellen, damit Menschen nicht länger allein durch dieses System irren. Mit diesem Antrag sollen außerdem – das wurde noch nicht gesagt – die Fortbildungen für die Ärztinnen und Ärzte angestoßen werden, damit Symptome früh erkannt und richtig und schnell behandelt werden können. Der Auf- und Ausbau von Behandlungszentren – auch mit Telemedizin – soll geprüft werden, damit nicht der Wohnort entscheidet, ob, wo oder wie Hilfe möglich ist. Für Betroffene kann es den Unterschied zwischen Hoffen und Aufgeben machen, nicht mehr von Praxis zu Praxis geschickt zu werden, sondern endlich eine Stelle zu haben, die sich auskennt, oder nicht mehr stundenlang allein recherchieren zu müssen, wie man Leistungen beantragen und klare Informationen bekommen kann. Wichtig ist auch: Sachsen soll sich auf Bundesebene für die Forschung einsetzen, für die Versorgung von Betroffenen von Long Covid und Impfkomplikationen. Es braucht mehr Studien zu Ursachen und Therapiemöglichkeiten, und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt. Deshalb ist es so wichtig, dass wir diesen Antrag jetzt beschließen und nicht auf den Abschluss der Coronapandemie-Enquete warten, die wir selbstverständlich begleiten. Die Themen Long Covid und ME/CFS werden uns noch sehr lange beschäftigen, ob es uns gefällt oder nicht. Je länger wir warten, desto teurer wird es: menschlich, gesundheitlich, sozial und am Ende auch finanziell, weil Menschen aus dem Arbeitsleben fallen, Familien überfordert sind und Pflegekosten steigen. Investitionen in gute Versorgung sind nie Luxus, sondern eine Frage von Menschlichkeit, insbesondere in einem sozialen Rechtsstaat. Als Linksfraktion sagen wir deshalb klar: Dieser Antrag ist nicht das Ende der Debatte, sondern ein Anfang. Wir hätten uns natürlich, wie die GRÜNEN auch, an einigen Stellen mehr Verbindlichkeit gewünscht. Doch es ist ein wichtiger gemeinsamer Schritt der demokratischen Fraktionen in diesem Haus, auch mit unserer Unterschrift. Entscheidend ist jetzt, dass wir aus dem Papier Realität machen und dass den Betroffenen sehr schnell geholfen wird. Lassen wir Sie nicht länger warten! Ich danke allen Beteiligten. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall Die Linke, CDU, SPD, BÜNDNISGRÜNE und Staatsregierung)

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