Simone Lang
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Für eine sechsstellige Zahl an Menschen deutschlandweit wirkt die Covid-19-Pandemie bis zum heutigen Tag nach; denn sie ist für sie nicht nur Erinnerung an schwere und unsichere Zeiten. Für sie war die Pandemie nie weg; sie hinterließ Schmerzen, Erschöpfung, Atemnot und Herz-KreislaufProbleme. Aktive Kinder und Jugendliche, mitten im Leben stehende erwachsene Menschen wurden auf einmal aus dem Leben gerissen und sind in den schlimmsten Verläufen bettlägerig und können nicht allein essen oder schlucken. Es sind Menschen, die sich ohnmächtig fühlen, bisweilen alleingelassen, weil unser Gesundheitssystem, unser Sozialsystem und unsere Gesellschaft im Allgemeinen nach wie vor zu wenig darauf vorbereitet sind, dass es diese Menschen gibt. Mit dem vorliegenden Antrag möchten wir einen Beitrag leisten, dass dem entgegengewirkt wird, zumindest Stück für Stück. Er ist ein direktes Ergebnis aus der Enquetekommission zur Aufarbeitung der Coronapandemie, die sich in einer Anhörung am 22. August 2025 der Versorgungslage von Menschen mit Long Covid, Post Covid und Post-VacSyndrom gewidmet hat. Schnell wurde den einreichenden Fraktionen klar, dass wir nicht auf den Abschlussbericht warten können – das sagten meine Vorredner schon –, um Veränderungen anzuschieben. In diesem Zuge möchte ich den GRÜNEN für diesen Aufschlag danken, insbesondere Thomas Löser, der letzten Endes vier Fraktionen zusammengebracht hat. (Beifall BÜNDNISGRÜNE und vereinzelt CDU) In diesem Antrag greifen wir viele Punkte aus der Anhörung auf. So haben Sachverständige geschildert, dass es gerade für Betroffene und die Angehörigen von Betroffenen eine Herausforderung ist, alle relevanten Informationen zu finden. Dem möchten wir mit einer eigenen Webseite entgegenwirken; andere Bundesländer haben das bereits vorgemacht. Wir reden davon, dass wir mit einer Übersicht zu speziellen medizinischen Behandlungs- und Rehabilitationsangeboten in Sachsen folgen werden, zu Selbsthilfegruppen im Freistaat, mit Informationen zum Stand der aktuellen Forschung und Forschungsvorhaben sowie mit Verlinkungen zu sozialrechtlichen Unterstützungs- und Absicherungsleistungen. Wir möchten den Zugang zu Bildung für betroffene Kinder und Jugendliche verbessern und machen auf die bereits vorhandenen Möglichkeiten im Sächsischen Schulgesetz aufmerksam. So soll schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen, die infolge dieser längeren Erkrankung die Schule nicht besuchen können, Unterricht zu Hause oder im Krankenhaus unter Berücksichtigung von organisatorischen, personellen und sachlichen Voraussetzungen angeboten werden. Zudem können zur Förderung von Schülern und zur Ausgestaltung des Erziehungs- und Bildungsauftrags zwischen den Schülern, den Eltern und der Schule Bildungsvereinbarungen geschlossen werden. Gemeinsam mit der Sächsischen Landesärztekammer, den gesetzlichen Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung möchten wir die Kompetenzen der Ärzteschaft zur Behandlung Betroffener stärken und Weiterbildungsangebote schaffen. Die Staatsregierung wird weiterhin den Aus- und Aufbau von interdisziplinären Kompetenzzentren und Ambulanzen prüfen. In der Anhörung wurde zugleich deutlich, dass es bei der Versorgung vor allem darauf ankommt, das bereits vorhandene Netz der ambulanten Versorgung besser zu nutzen und somit Ergebnisse der Forschung effizienter zu steuern. Damit es jedoch zu Ergebnissen kommt, muss eine gezielte Forschung vom Bund weiterhin unterstützt werden. Aktuell fördert die Bundesregierung Modellmaßnahmen zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Long Covid und Erkrankungen mit ähnlichen Ursachen und Krankheitsausprägungen sowie die Erforschung und Stärkung von bedarfsgerechter Versorgung rund um die Langzeitfolgen. Ich möchte mit dem Zitat aus der Anhörung von einem Betroffenen zur Situation von Betroffenen enden: „Sie schaffen es nicht vor die Tür, sie ertragen nicht einmal Tageslicht, sie können vor Energiemangel kaum sprechen. Insbesondere diese Menschen sieht beinahe keiner. […] Und, meine Damen und Herren, man sieht die Angst nicht, die einem diese Erkrankung oft macht. […] Man sieht die Ungewissheit nicht, der man täglich ausgesetzt ist, die Verzweiflung darüber, nicht planen zu können, und die Ohnmacht, wenn man doch einmal etwas geplant hat und stattdessen wieder liegen muss. Die Trauer sieht man nicht. Die Trauer, sein Leben, eingebunden in Aufgaben im Beruf, in der Familie usw., verloren zu haben. […] Man sieht die Einsamkeit nicht, der man einfach ausgeliefert ist.“ Sehr geehrte Damen und Herren! Senden wir an diesem Tag aus diesem Parlament ein Zeichen, dass wir sehen, dass wir verstehen und dass wir unterstützen! Vielen Dank. (Beifall SPD, CDU, BÜNDNISGRÜNE, Die Linke und Staatsregierung)
