Katja Dietz
Denn wenn der erste Teilnehmer dieses Programms seine Ausbildung abgeschlossen hat, stehen wir nach allen heutigen Prognosen bereits mitten in einer flächendeckenden Unterversorgung. Spätestens dann wird das, was heute ein schleichender Mangel ist, zu einem echten Versorgungsnotstand. Das ist versorgungsrelevant für die Bürger, für Patienten, die lange auf einen Termin warten, für die älteren Menschen, die nicht mehr mobil genug sind, um den halben Tag zur nächsten Praxis zu fahren, für Familien, die einen Zahnarzt oder einen Kieferorthopäden brauchen, aber keinen finden, der überhaupt noch neue Patienten aufnimmt. Das ist die Realität, über die wir hier reden. Das ist es, was die Menschen draußen spüren, und das ist der Grund, warum wir hier handeln müssen – endlich und nicht erst auf den letzten Drücker. Was also sollte wirklich getan werden? Erstens. Wir brauchen mehr Studienplätze, und zwar hier in Sachsen. Die Zahl der Behandler steigt nicht von allein. Wir müssen auch akzeptieren, dass sich der Beruf verändert hat; denn viele junge Zahnärzte arbeiten heute angestellt, viele sind in Teilzeit, viele suchen ein ausgewogenes Leben. Das ist weder gut noch schlecht. (Glocke des Präsidenten) Es ist einfach nur die Realität. Aber dann muss die Politik auch darauf reagieren. Sachsen braucht mehr Zahnmedizinstudienplätze, und zwar mit deutlicher Bevorzugung sächsischer Bewerber. Wer hier studiert, bleibt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch hier. Jede zusätzliche Ausbildungskapazität stärkt den Standort und auch die spätere Versorgung. Zweitens. Wir brauchen kurzfristig ein Sonderkontingent im Ausland. Andere Länder machen es uns längst vor, und auch wir in Sachsen bilden bereits Allgemeinmediziner in Ungarn aus. Sachsen-Anhalt lässt in Ungarn Zahnärzte ausbilden, die sich verpflichten, nach dem Studium in Sachsen-Anhalt zu bleiben. (Unruhe) Wenn wir wissen, dass diese Absolventen nach Sachsen zurückkommen, warum sollten wir diese Möglichkeit als kurzfristige Intervention nicht nutzen? Hier geht es doch darum, das schlimmstmögliche Szenario einer flächendeckenden Unterversorgung abzuwenden. Aber langfristig muss Sachsen in den Ausbau von Studienplätzen investieren. Das wäre ebenfalls vorerst ein Baustein, der Versorgungslücken effektiv schließen könnte. Drittens. Wir brauchen ein umfassendes Maßnahmepaket zur Attraktivitätssteigerung. Es reicht nicht, junge Menschen auszubilden. Sie müssen sich danach auch entscheiden, in Sachsen zu arbeiten, insbesondere im ländlichen Raum. Also brauchen wir bessere Niederlassungsförderungen, weniger Bürokratie, attraktivere Arbeitsbedingungen, Unterstützung bei Praxisübernahmen, moderne Versorgungskonzepte wie mobile Praxen oder kommunale Zentren. Warum denken wir nicht über einen 20-Punkte-Plan gegen den zahnärztlichen Mangel nach – analog zu dem, was wir bei den Hausärzten schon gesehen haben? Warum holen wir nicht endlich die Akteure an einen Tisch? Das sind die Selbstverwaltung, die Kassen, die Zahnärztekammer, die Kommunen. Wir müssen das Thema ganzheitlich angehen, statt nur an einzelnen Schrauben zu drehen. Und vor allem: Wir müssen endlich patientenzentriert denken. Die Bürger haben ein Recht auf zeitnahe Termine, auf erreichbare Praxen, Grundversorgung im Wohnort, angemessene Wartezeiten und vor allem medizinische Versorgung ohne 50-km-Fahrten, denn Zahnmedizin ist kein Luxus – es ist Gesundheitsvorsorge, es ist Lebensqualität, und ja, es ist manchmal einfach nur Schmerzvermeidung. Das ist keine theoretische Debatte. Es ist die reale Belastung, die reale Einschränkung, der reale Schmerz. Die Bürger fragen zu Recht: Warum hat die Politik nicht früher gehandelt? Warum wurden Warnungen ignoriert? Warum müssen wir jetzt unter diesem Mangel leiden? Der Appell ist klar: Die Landzahnarztquote ist ein Schritt, aber sie ist nicht die alleinige Lösung. Es braucht mehr, viel mehr. Sie, die Regierungskoalition, müssen jetzt liefern – nicht in fünf Jahren, nicht in zehn Jahren, sondern jetzt. Wir als AfD werden das kritisch, konstruktiv und hartnäckig begleiten. Wir stimmen zu. Vielen Dank. (Beifall AfD) Vierter Vizepräsident Albrecht Pallas: Frau Dietz sprach für die AfD-Fraktion. Ich sehe am Mikrofon Herrn Kollegen Eisenblätter, vermutlich mit einer Kurzintervention. Bitte schön, Sie haben das Wort.
