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Valentin Lippmann

GRÜNE 03.12.2025 Sitzungen 8/22

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Sportpolitische Debatten neigen meistens zu großer Einigkeit. Diesbezüglich muss ich Sie jetzt erst einmal enttäuschen. Während wir hier über eine Rolle vorwärts diskutieren sollen, ist der Innenminister vor allem deshalb nicht da, weil er gerade eine Rolle rückwärts beim Thema Sicherheit in Stadien vollziehen will. Er will einen planlosen Aktionismus, die Axt an die Fankultur legen, und die Rechte von Fußballfans in diesem Land schleifen. Ich sage es an dieser Stelle ganz deutlich – auch in Richtung des nicht anwesenden Innenministers –: Fußballstadien sind kein Experimentierraum für Grundrechtseingriffe; Ultras sind keine Hooligans, und auch Fußballfans haben Bürgerrechte! (Beifall BÜNDNISGRÜNE, BSW und SPD) Deshalb verbietet sich die mittlerweile vollkommen undifferenzierte Stigmatisierung und Kriminalisierung der Fußballfankultur, die Sachsens Innenminister leider an vorderster Front gerade in Bremen vornehmen will. Fankultur ist Teil des Sportlandes Sachsen, und das soll sie auch bleiben, werte Kolleginnen und Kollegen. (Beifall BÜNDNISGRÜNE) Damit Sachsen Sportland bleibt, braucht es noch mehr als besonnene Innenminister und Sportminister; denn wer von Olympia träumt und hoffentlich den Start der Tour de France 2030 austragen darf – wofür ich an dieser Stelle noch einmal deutlich werben will –, muss nicht nur eine kleine Rolle vorwärts machen, sondern im Sprint aufholen. Bei den Olympischen Sommerspielen in Paris 2024 hat Deutschland im Medaillenspiegel das schlechteste Ergebnis seit der deutschen Wiedervereinigung eingefahren. Die Gründe: der Zustand der Sportstätten und der mangelnde Beitrag des Schulsystems zur Bewegung. Der Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen ist erschreckend. Bereits im Alter zwischen vier und fünf Jahren erfüllen nur 50 % der Kinder die WHO-Bewegungsempfehlungen. Das nimmt mit zunehmendem Alter übrigens immer weiter ab. Bei Jugendlichen sind es dann bereits unter 20 %, und bei Mädchen sind die Werte traditionell noch schlechter als bei Jungen. Der sächsische Bildungsplan für Kindertagesstätten erwähnt Bewegung nur rudimentär. Zu sportlichen Ganztagsangeboten liegen – so hat es eine Kleine Anfrage von mir ergeben – keine wirklichen Zahlen vor. Daten wären jedoch wesentlich, um Mängel zu identifizieren und Handlungsoptionen zu erwägen; denn in allen Top 8 Sportnationen haben Kinder übrigens jeden Tag eine Stunde Sport. Außerdem brauchen Kinder Menschen, die sie trainieren, und vor allem brauchen sie Orte, an denen sie Sport treiben können. In Sachsens Sportstätten ist der Investitionsstau bekanntermaßen beachtlich. Dem Landtag wurde ein Sportstättenbericht vorgelegt, der einen Investitionsstau von 374 Millionen Euro aufweist. Eine Summe, die übrigens nicht valide ist, da nicht alle sanierungsbedürftigen Sportstätten in dieser Erhebung erfasst wurden. Werte Kolleginnen und Kollegen, wir haben viel zu tun, und wir müssen schon in den Kitas ansetzen. Hier bedarf es dringend einer Überarbeitung des Bildungsplans. Beim Fachforum Schulsport letzten Monat waren sich der Breitensport, der Spitzensport und die Sportlehrerinnen und Sportlehrer einig: Sport muss wesentlich besser und strukturell in der Schule verankert werden. (Vereinzelt Beifall BÜNDNISGRÜNE) Bekenntnisse von allen Beteiligten liegen vor. Lassen Sie uns die Vorschläge umsetzen. Ich nenne hier stellvertretend die zentrale Koordinierungsstelle für Ganztagsangebote, bei der ich mir mit meiner bildungspolitischen Sprecherin einig bin, dass das endlich einmal eine gute Idee wäre, um Breitensport in der Schule besser miteinander zu verzahnen. Werte Staatsregierung, erheben Sie doch endlich die Daten, die Sie angeblich nicht freigeben können. Angebot und Anreize für Mädchen müssen stärker mitgedacht werden. Es braucht mehr Sportkurse und Trainingszeiten, die gezielt auf die Bedürfnisse und Interessen von Mädchen ausgerichtet sind, und es sollten auch mehr weibliche Trainerinnen als Vorbilder gewonnen werden. (Beifall BÜNDNISGRÜNE) Die Ausbildung von Trainerinnen und Trainern muss generell verbessert werden, und die stetige Verbesserung der Bezahlung ist, denke ich, ein Anliegen, das wir hier im Hohen Hause alle teilen. Gleichzeitig müssen wir im Breitensport das Ehrenamt kontinuierlich weiter stärken, deshalb muss das von den BÜNDNISGRÜNEN initiierte Programm zur Förderung des Ehrenamtes und des Sports auch im nächsten Jahr fortgeführt werden. Kommen wir noch einmal zum Thema Olympische Spiele. Ich finde, die Olympischen und Paralympischen Spiele in diesem Land sind in absehbarer Zeit ein richtiges und gutes Ziel. (Beifall Katja Meier, BÜNDNISGRÜNE) Fest steht aber: Ohne klare Nachhaltigkeitskriterien und den Willen zur Aufarbeitung vergangener Olympischer Spiele in Deutschland vertun wir eine Chance. Deswegen ist es richtig und gut, dass heute ein gemeinsamer Antrag von CDU/CSU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der SPD im Deutschen Bundestag zur Unterstützung einer Olympiabewerbung eingereicht wurde, der genau dieses Ziel in den Blick nimmt. (Beifall BÜNDNISGRÜNE –

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