Heiko Gumprecht
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! „Sportland Sachsen in Bewegung: Wie gelingt die Rolle vorwärts?“ Dieser Debattentitel lädt uns ein, über die Zukunft des Sports in unserem Land zu sprechen. Doch wenn wir über Bewegung reden, dann dürfen wir eines nicht vergessen: Der Sport bewegt nicht nur die Spieler auf dem Feld; er bewegt vor allem die Menschen auf den Rängen. Was wäre der Sport ohne seine Fans, ohne die Choreografien, ohne Gesänge, ohne Fahnen, ohne Leidenschaft und Emotionen und ja, auch ohne kontrollierten Einsatz von Pyrotechnik? Genau diese Fankultur steht aktuell unter Druck. Während wir hier debattieren, tagt die Innenministerkonferenz in Bremen. Dort wird über neue Maßnahmen zur sogenannten Fußballsicherheit beraten, über eine zentrale Stadionverbotskommission, personalisierte Eintrittskarten, Stadionverbote auf Verdacht und sogar KI-gestützte Gesichtserkennung. Als regelmäßiger Stadionbesucher kann ich Ihnen sagen: Ich fühle mich sicher. Egal, ob beim Eishockey oder beim Fußball, egal, ob in Dresden, in Leipzig, in Zwickau, in Aue oder in Crimmitschau: Die bestehenden Maßnahmen funktionieren. Einlasskontrollen, die Trennung von Heimund Gästefans, Sicherheitsdienste, familienfreundliche Angebote (Zuruf Andreas Nowak, CDU) – all das sorgt nicht nur für objektive Sicherheit, sondern auch für ein hohes Sicherheitsgefühl. Darum möchte ich drei zentrale Punkte festhalten. Erstens. Die deutsche Fankultur ist friedlich und sicher. (Andreas Nowak, CDU: War in Leipzig zu sehen!) – Schauen Sie lieber nach Gießen. Zweitens. Echte Fans sorgen für Stimmung. Sie investieren Zeit, Geld und Herzblut. Drittens: Fans sind keine Hooligans und keine Pyromanen. (Beifall AfD) Sicher, es gibt eine kleine Minderheit von Störenfrieden. Aber von 600 000 Stadionbesuchern jedes Wochenende in den Fußballstadien ist das nur eine Handvoll. Diese Minderheit darf nicht zum Vorwand werden, die gesamte Fanszene unter Generalverdacht zu stellen und mit Überwachungsmaßnahmen zu belasten. Rechtsstaatlichkeit bedeutet: Eingriffe nur bei konkretem Verdacht, nicht pauschal gegen alle. Ja, Sicherheit im Stadion ist wichtig, aber sie ist längst Realität. Deutsche Stadien gehören zu den sichersten in Europa. Die Zahl der Strafverfahren rund um Bundesligaspiele ist gegenüber dem letzten Jahr um 22 % zurückgegangen, die Zahl der Verletzten um 17 %. Gleichzeitig steigen die Verfahren gegen Linksextremisten von 2023 zu 2024 um über 28 % deutlich an – also haben wir ein echtes Sicherheitsproblem. Die Rolle der Politik muss sein, Vertrauen zu stärken und nicht Misstrauen zu säen. Vertrauen wir den Menschen, statt sie unter Generalverdacht zu stellen. Stärken wir die Kultur, statt sie zu schwächen. Sicherheit entsteht nicht durch immer neue Überwachungen, sondern durch klare Regeln, durch konsequentes Handeln gegen Straftäter und durch Vertrauen in die große Mehrheit der friedlichen Fans. Am 16. November haben die Fußballfans in Leipzig ein starkes Zeichen gesetzt. Es demonstrierten über 20 000 Menschen aus mehr als 50 Vereinen friedlich Seite an Seite. Schweigeminuten in allen Ligen unterstreichen: Die Fans stehen fest zusammen, sind in den Farben getrennt, aber in der Sache friedlich vereint. Werte Kolleginnen und Kollegen, die diskutierten Maßnahmen wie personalisierte Tickets oder verschärfte Stadionverbote sind keine Lösungen, sondern Misstrauensbekundungen. Sie kriminalisieren die Masse wegen weniger Einzelner. (Andreas Nowak, CDU: Das wird in Polen und Tschechien auch so gemacht!) Sie zerstören Vertrauen, statt es zu stärken. Wir dürfen nicht zulassen, dass unverhältnismäßige Forderungen die Brücke zwischen Politik und Fans einreißen. Die Fankultur ist mehr als Gesang und Fahnen: Menschen aus allen sozialen Schichten stehen Schulter an Schulter. Sie ist gelebte Demokratie, weil Fanprojekte gelebte Mitbestimmung sind. Und: Fankultur ist identitätsstiftend, weil die Kurve Heimat ist, gerade für junge Leute. Wer die Fankultur schwächt, schwächt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Darum sage ich klar und deutlich Ja zur Fankultur, Nein zu populistischen Schnellschüssen! Wenn wir das Sportland Sachsen in Bewegung halten wollen, dann gelingt die Rolle vorwärts nur mit den Fans, nicht gegen sie. Vielen Dank und Glück auf! (Beifall AfD) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollege Gumprecht sprach für die Fraktion der AfD. Nun spricht für die Fraktion des BSW Kollege Böhme. Bitte schön.
