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Heiko Gumprecht

AfD 30.10.2025 Sitzungen 8/21

Werter Herr Präsident! Werte Damen und Herren Abgeordnete! Normalerweise wollte ich frei reden, aber in der Zwischenzeit hat sich so viel ergeben, dass ich mir doch einige Notizen machen musste. Ich bin als Kreisrat und stellvertretender Bürgermeister von Crimmitschau von der Angelegenheit in Westsachsen selbst betroffen. Wir haben ein großes Gewerbegebiet mit vielen Zulieferern. Wie Sie sicherlich wissen, war ich selbst in einem kanadischen Unternehmen im mittleren Management beschäftigt, sodass mir dieses Thema schon wegen meiner ehemaligen Kollegen sehr nahegeht. Aber, liebe SPD, der Debattentitel ist genauso falsch wie verlogen. Er ist falsch. Es gibt keinen Chipmangel. Es gibt keinen Chipmangel bei VW Mosel. Was fehlt, sind die Zulieferteile von Nexperia für diskrete Halbleiter, das heißt für Dioden und Transistoren. Das hat nichts mit dem eigentlichen Chip zu tun. Hochleistungshalbleiter, die zum Beispiel in den Steuergeräten eingesetzt werden, sind vom Lieferengpass nicht betroffen. Das sollten Sie eigentlich wissen, weil Sie die Mitarbeiterinformation, die letzte Woche in VW Mosel herumgegangen ist, bestimmt auch auf dem Tisch liegen haben. Dass es immer wieder zu Lieferengpässen kommt, ist, wenn man aus der Branche kommt, nichts Neues. Der Kollege von der CDU hat es angesprochen. Das letzte Beispiel war, als die „Ever Given“ zum Beispiel den Suezkanal verstopft hat. Das hat dann alle Bereiche betroffen. Das Thema Nexperia kann nur politisch zwischen den Niederlanden, Europa und China gelöst werden. Wir reden hier nicht davon, dass nur VW davon betroffen ist, weil diese Dioden und Transistoren in sämtlichen elektronischen Bauteilen verbaut werden, das heißt, in irgendeiner Waschmaschine, Kaffeemaschine, was auch immer. Also kann es durchaus passieren, dass wir noch ganz andere Probleme bekommen, vielleicht nicht unbedingt in Sachsen. Viele Firmen sind inzwischen abgewandert, vielleicht auch woanders. Warum verlogen? Der Herr Kretschmer ist leider nicht da. Er war vor Kurzem in Mosel. Daraufhin wurde der Belegschaft mitgeteilt, dass 1 500 E-Autos mehr produziert werden. Das hat so mancher Mitarbeiter als Erfolg des Ministerpräsidenten ausgelegt. Der wahre Grund, warum Mosel 1 500 E-Autos mehr produziert, ist: In Wolfsburg boomt die Produktion der Verbrennerautos, und jetzt kippt das Verhältnis E-Automobilität zum Verbrenner. Das heißt: Das CO - Flottenziel wird wahrscheinlich nicht erreicht, und es stehen horrende Strafzahlungen an. Also, was mache ich als Produzent? Ich produziere mehr E-Autos, die ich billig auf den Markt schieße, entgehe aber den Strafzahlungen. Das ist die Wahrheit. Warum noch einmal verlogen? Ich war vor vier oder fünf Wochen bei einer Informationsveranstaltung der Taskforce. In der Taskforce arbeitet unter anderem auch mein ehemaliger Mentor und Europachef, mit dem ich mich im Nachgang länger unterhalten habe. Die Taskforce Westsachsen hat vier Szenarien skizziert. Erstes Szenario: Werkschließung. Zweites Szenario: Produktion so weit herunterfahren, dass es einer Werkschließung gleichkommt. Drittes Szenario: Recycling, wofür nur ein Bruchteil des Personals von aktuell 9 000 Leuten benötigt wird. Das alles ist nicht vorteilhaft für die Region, zumal die Zulieferbetriebe von der Recycling-Geschichte auch keinen Nutzen haben. Viertes Szenario: Defence; das ist ein Begriff, der inzwischen im Raum Zwickau und auch von Peter Hahne offen angesprochen wird, aber auch in der Taskforce ein Thema ist. Man redet nicht mehr von Rüstung, sondern von Defence. Ich habe dann ganz verwundert zu meinem ehemaligen Chef gesagt: Sag mal, warum ist denn da der DGB mit drin? Der DGB ist doch hauptsächlich daran schuld, dass hier der Standort so schlecht dasteht, weil die Produktionskosten einfach zu hoch sind. (Zuruf Valentin Lippmann, BÜNDNISGRÜNE)

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