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Ina Klemm

CDU 29.10.2025 Sitzungen 8/20

Vielen Dank, Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren, Kolleginnen und Kollegen! Herr Dulig, ich möchte auf das eingehen, was Sie vorhin gesagt haben. Sie haben gesagt, dass die Sachsenring-Fankultur nicht weltkulturerbewürdig ist. Ich denke, das können Sie nicht entscheiden, das kann ich nicht entscheiden, das können wir alle nicht entscheiden. Ich glaube, wenn man hier alle Kolleginnen und Kollegen fragt, wird es dazu ganz unterschiedliche Aussagen geben. Die Aussage darüber, ob der Antrag, den die Sachsenring Event GmbH und mein Heimatverband Chemnitz Zwickau Region e. V. abgegeben haben, von Erfolg gekrönt sein wird, wird letztlich eine neutrale Kommission der UNESCO treffen; denn der Antrag ist abgegeben worden. Das Thema Lärm steht auf einem anderen Blatt. Ich denke, wenn man die Leute von den Bürgerinitiativen rund um den Sachsenring befragt, zweifeln diese nicht an der MotoGP, sondern eher an der langfristigen Nutzung durch das Verkehrssicherheitszentrum. Das ist eine Diskussion wert, steht aber auf einem völlig anderen Blatt. (Valentin Lippmann, BÜNDNISGRÜNE: Stand im Antrag!) – Ja, ich weiß, das stand im Antrag. Sie haben recht! Wer mich kennt, der weiß, dass ich seit fast 20 Jahren im Tourismus unterwegs bin und für meine Heimat wirklich brenne. Als ich gehört habe, dass die SEG, also die Sachsenring Event GmbH, und der Tourismusverband Chemnitz Zwickau Region e. V. diesen Antrag abgeben, ist mein Herz ein bisschen gesprungen. Ich fand die Idee wirklich gut! Denn ich bin Rennsportfan und Sachsenringfan. Aus meiner Sicht wäre das durchaus würdig. Aber ich habe die Entscheidung nicht zu treffen. Aber hier ein paar Zitate von Leuten, die Kultur nicht mit Hochkultur definieren. Sie haben nämlich zum Sachsenring gesagt – und das sei nur allein in diesem Jahr gewesen –, es fühle sich dort jedes Mal wie nach Hause kommen an. Die Atmosphäre sei unglaublich; man fühle sich als Teil einer großen MotoGP-Familie. Es gebe nichts Vergleichbares zu dem Gefühl, wenn die Fahrer an einem vorbeirauschen – das sei auch ganz schön laut. Es sei das Gesamtpaket, das den Sachsenring so besonders mache. Man habe dort Menschen getroffen, die die Leidenschaft für den Motorsport teilten. Jedes Jahr freue man sich darauf, alte Bekannte zu treffen, alte Freunde wiederzusehen. All diese Aussagen wurden von langjährigen und neu gewordenen Fans des MotoGP getroffen. Sie sind Ausdruck dafür, mit wie viel Herz Fans von ihrem Sachsenring sprechen. Insofern sind Rennen und Fankultur – wie die traditionelle Weltmeisterschaft in Hohenstein-Ernstthal in Oberlungwitz, nahe Bernsdorf – in besonders identitätsstiftender Weise wirksam; Vergleichbares findet sich in Sachsen und in Deutschland selten. Ich bin sicher, dass diese sich nur schwer mit anderen Sportarten vergleichen lässt. Der MotoGP am Sachsenring steht zudem für kulturelle Identität und Gemeinschaft. Es ist schon viel dazu gesagt worden. Die Fankultur verbindet Menschen aus aller Welt in friedlicher Begeisterung und schafft eine einzigartige Atmosphäre an den Rennwochenenden. Dazu tragen multilinguale Begegnungen und regionale Festlichkeiten, wie das Ankerberg Festival und die Altmarkt-Grand-Prix-Party in Hohenstein-Ernstthal bei. Der Sachsenring ist für mich, aber auch für viele andere Leute in unserer Region und weit darüber hinaus ein Symbol der Verbindung zwischen Strecke, Region, Fahrern und Fans. Er prägt die Identität der Region in Südwestsachsen. Es ist schon viel dazu gesagt worden. Ich möchte die Zahlen eigentlich nicht alle wiederholen. (Zuruf AfD) 250 000 Zuschauer. Wir haben an dem Wochenende eine Hotelauslastung von bis zu 95 %, und das in 30 Kilometern Umgebung. Dabei gehen die positiven Buchungseffekte bis weit nach Thüringen. Spontan entstehen zusätzlich zehn Campingplätze. Das sind die, die auch legal gemeldet sind. Die durchschnittlichen Ausgaben pro Übernachtung liegen bei Deutschen bei etwa 500 Euro und bei denjenigen, die aus dem Ausland zu uns kommen, sogar bei 750 Euro. Was ich betonen möchte, ist, dass eine Vielzahl lokaler Betriebe – in Logistik, Versorgung, Handwerk, Handel und Dienstleistungen – vom Sachsenring profitiert und dass es dafür in der gesamten Region große Wertschätzung gibt. Der Antrag der Sachsenring Event GmbH ist eingereicht und wir werden ihn mit aller Kraft unterstützen. Wir werden uns dafür einsetzen, dass der Prozess positiv begleitet wird. Aber das und auch der heute zu behandelnde Antrag des BSW gehen uns nicht weit und nicht tief genug. Worüber wir diskutieren und wofür wir uns einsetzen müssen, ist, den touristischen, infrastrukturellen und logistischen Mehrwert der Veranstaltung über das Wochenende hinaus weiter zu stärken. Ziel muss es sein, die lokalen Unternehmen, Touristiker und Netzwerke vor Ort mit gezielten Investitionen in ÖPNV, in Beschilderung, in Barrierefreiheit zu unterstützen, um die Wertschöpfungsketten und den Mehrwert in der Region über das Event und das Rennwochenende hinaus deutlich zu steigern. Was wir, was auch der Tourismusverband, was die Sachsenring Event GmbH mit dem Antrag erreichen wollen, ist eine langfristig verlängerte Verweildauer in der Region, dass der Titel zu einer nachhaltig verbesserten Bekanntheit der Rennstrecke, der Region und der touristischen Nutzung führt. Wir wollen jetzt dabei unterstützen, dass zum Beispiel das Thema Nachhaltigkeit verstärkt eine Rolle spielt und die Abfallreduktion zum Beispiel zusammen mit der lokalen Wertschöpfung eine sogar noch höhere Akzeptanz in der Bevölkerung, eine langfristige Kosteneinsparung und ein positives Image bei Sponsoren und Medien zur Folge hat. Daher macht es aus unserer Sicht Sinn, den Antrag im Ausschuss deutlich vertiefter und ausführlicher zu diskutieren, um nachhaltige Effekte für meine Region, für unser Sachsen und für den Sachsenring zu erzielen. Ich werbe ausdrücklich dafür, den Antrag im zuständigen Ausschuss deutlich vertiefter zu diskutieren und auszubauen und bitte Sie darum, dem gegebenenfalls zuzustimmen. (Beifall CDU und Staatsregierung)

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